Archiv für die Kategorie Gäste

Schönes Fest

Heute möchte ich ein Gedicht von Florian Tekautz als Gastautor vorstellen.
Florian, 1976 geboren, lebt und arbeitet in Linz, Österreich, und hat zwei Gedichtbände veröffentlicht – Sanft wie eine Kettensäge und Flüsternde Rebellion.

Schönes Fest
Ich halte nichts von euren Autos
Euren Frauen, unser Geld
Zeig mir einen, den es langweilt
Und ich zeig dir einen Held

Euer Glauben, eure Werte
Sind mir ferner als ein Stern
Und ich halte mich so gut
Wie´s geht von eurem Leben fern

Denn ich bin kein Freund des Schmerzes
Ich mag Spaß und Harmonie
Pflege lieber meine Tasten
Als die beste Therapie

Euer Dasein ist die Krätze
Euer Weltbild ist die Pest
Jede Stunde ohne Fratzen
Ist für mich ein schönes Fest

© Florian Tekautz

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Die zehn Gebote eines Pessimisten

Heute darf ich noch einmal einen Text von Ignaz Zwirngiebel einstellen, einen Autor, den ich auf meinem Blog schon begrüßen durfte. Auch wenn er sich in diesem Text als Pessimist darstellt, so sehe ich den Inhalt als solchem positiv. Nur wer beide Seiten einer Medaille kennt, weiß letztlich besser den Realismus zu begegnen, der uns umgibt.

Nachdem die offizielle Staatsräson, Religionsdoktrin und Philosophiemaxime der Optimismus ist (ich sag nur Leibniz, dieser Keksbäcker), haben es wackere Pessimisten schwer in diesen Zeiten. Zwar gibt es Bestätigung für ihre Weltsicht in Permanenz und erdrückender Evidenz, man muß nur das Weltgeschehen zur Kenntnis nehmen, doch darum soll es hier nicht gehen. Es geht nicht um den alltäglichen, banalen Pessimismus als Conclusio der Erfahrung, also die Mieselsucht a posteriori, es soll hier um den philosophischen Pessimismus a priori gehen. Den Ekel vor dem Sein an sich.

In Analogie zum den 10 Geboten des Jahwe vom Berg Sinai, könnten die 10 Gebote des philosophischen Pessimisten so aussehen.

1. Du sollst dich töten. Denn jede Existenz ist Qual und von vornherein völlig sinnlos.

2. Trotzdem weiter leben ist inkonsequent und eines anständigen Menschen unwürdig.

3. Die Angst vor dem Tod ist Kennzeichen ausgeprägten Schwachsinns und von Realitätsverweigerung.

4. Die Existenz, das Sein und Dasein, sind absurd, leidvoll und immer ein Irrtum, der so rasch wie möglich zu beenden ist.

5. Die Natur ist eine Höllenmaschine, nur dazu da, dich zu quälen.

6. Die Fortpflanzung ist Werk des Teufels und dient nur der Perpetuierung des Leidens.

7. Tötung auf Verlangen ist die höchste Form der Barmherzigkeit.

8. Gott ist tot. Sollte es ihn dennoch geben, ist er die Ursache alles Bösen.

9. Gottesmord ist die höchste Tugend.

10. Das Nichtsein ist die größte Glückseligkeit.

Amen.

Wer meint, das sei total krank, hat natürlich Recht. Betonung auf natürlich. Er ist noch voll gefangen im Wahn von der Güte in der Welt, in der Verhaftung im ‚Alles-ist-gut-Irrsinn‘, in dem vom sadistischen Schöpfer allem Kreatürlichen eingeprägten Selbsterhaltungstrieb.

Ja, so oder so ähnlich könnte er aussehen, der Dekalog des konsequenten Pessimisten.

© Ignaz Zwirngiebel

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Unheimliche Feststellung

Heute habe ich DRAGO zu Gast und möchte einen Beitrag von ihm posten, der mich unmittelbar betrifft. Leider musste ich einsehen, dass Drago das richtig gesehen hat und seinen mahnenden Beitrag als Warnung für alle anderen und werdenden Opas verstanden wissen … is datt nit schrecklisch?
 

Ich habe heute morgen, als ich darauf wartete, 

dass mein Gesicht auch endlich aufwacht, 

eine unheimliche, ja erschreckende Feststellung 

gemacht. Und ich möchte dringend warnen! 

Mich persönlich betrifft es zwar nicht, weil ich 

in einem Alter bin, in welchem dem entdeckten 

Umstand keine Bedeutung mehr zukommt. 

Aber es betrifft – leider! – sehr viele Kinder. 

Großväter sind gefährlich! 

Durch Zufall bin ich darauf gestoßen, dass uns 

die Bezeichnungen der gemeingefährlichen Typen 

auch das Erkennungszeichen mitteilen. 

Aber ehrlich, wer achtet schon auf sowas? 

Doch wenn man es weiß, ist es offenkundig: 

PsychOPAthen 

und 

SoziOPAthen 

beweisen es täglich aufs Neue: 

Großväter sind lebensgefährlich! 

© drago 2014  

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Zerrissen

Als neue Gastautorin begrüße ich Perdita Klimeck auf meinem Blog. Ihr Gedicht zum Krieg hat mir so gut gefallen, dass ich es hier einstellen möchte.

 

 

 zerissen

 

nicht kind nicht mann

irgendwie dazwischen

steht er da

das gewehr im anschlag

die lippen trotzig aufgeworfen

das herz gefüllt mit hass

genährt an falscher mutterbrust

 

und doch

zittern seine hände

und seine augen suchen

nach der weißen taube

die arglos einen himmel kreuzt

während sich eine

schaukel im wind wiegt

 

sanft

 

© Perdita Klimeck

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Der Mittlere Mann

Heute stelle ich einen mir sehr gut bekannten, so weit ich das sagen darf, Querdenker vor, der sich mir heute als Lyriker geoutet hat und von dessen Gedicht ich ganz begeistert bin, Peter Sense

 

Mittlere Mann

Hallo ich bin´s. Der viel zitierte kleine Mann.
Nach Dir bin ich oder vor Dir dran.
Bin groß, bin klein, dünn faul sportlich oder fett
griesgrämig, freundlich, dumm schlau oder nett
zerbrechlich, stolz, stabil, hinfällig wie ein Blatt.
Und eng und dicht gefüllt mit Wörtern
die auch jeder andre hat.

Hallo, ich kann noch immer laufen, liegen, gehen oder steh’n
und immer wieder gern die gleichen Filme, Orte oder Menschen seh’n.
Familie hab ich, Kinder, Freunde oder keine,
leb‘ einsam, still, verlassen oder im Vereine.
Ja, das bin ich. Ein Kristall. Ein Körnchen Sand.
Und kommt ein Wetter, dann
weht es der Sturm weit übers Land.

© Peter Sense

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Spring Böcklein

Heute darf ich einen neuen Gast auf meinem Block begrüßen: Ignaz Zwirngiebel. Danke, an ihn und gerne möchte ich sein Spring Böcklein von ihm präsentieren.

 

Mit einem Summen des gleichnamigen, allerorts bekannten Weihnachtsglöckchengeklingel kann dieser zärtlichen Annäherung von Ignaz Zwirngiebel ein durchaus feierlicher Rahmen gegeben werden … bei Bedarf dürfen gerne auch 47 Lichtlein erleuchten. Oder waren es 46?

 

 

Spring Böcklein

 

Spring Böcklein, Springelingeling
Schwing Röcklein, Schwing

Mutter wetzt die Messer
Vater leert die Fässer
Opa kliebt die Scheite
Oma sucht das Weite

Sing Söcklein, Singelingeling
Bring Bröcklein, Bring

Sie rüsten für die Feste
Braten für die Gäste
Ente, Gans und Unschuldslamm
Karpfen, Reh und Badeschwamm

Zwing Stöcklein, Zwingelingeling
Schling Tröpflein, Schling

Es ist wieder Weihnacht
Es ist wieder Sauschlacht
Lammschlacht, Rinds- und Kalbschlacht
Stille Schlacht, Heilge Schlacht
Gute Nacht…

 

© Ignaz Zwirngiebel

 

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Desillusion

von Enya Kummer aus dem Buch

Desillusion

Dieses Haus, zu leer, zu groß.
Die Stadt liegt tot,
verblasst die Farben der Nacht.

Einst zart gesponnener Ort
der Liebenden ist nun
Reich der Nebel und der Stille.

Schritte, die auf
dem Pflaster hallen,
führen zu Schattenruinen,

erhaben dort,
wo wir einst am Ufer
schliefen und dachten,
Sterne zu pflücken.

Der Fluss treibt schmutzig
und träge hin zum Morgen,
der Nachtillusionen verschluckt.

Das Lyrik-Buch ist unter folgendem Link ganz zu sehen – http://www.buch-schreiben.net/kurzgeschichte/lesen2.php?story=90753

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