Archiv für Juni 2016

Volksabstimmungen

Ich finde Volksabstimmungen grundsätzlich gut. Zumindest scheint es eine Form der direkten Demokratie zu sein, bei der man durch seine Stimme etwas direkt beeinflussen kann. Z.B. beim Bier, abends in der Kneipe, wenn man dann fragt, wollen wir noch ein letztes? Beim Blick in die Runde wird durch Zunicken ein Wahl getroffen, die zwar am Abend noch schön ist, aber man hat ja Aspirin im Haus, was die Gedanken an den folgenden Morgen etwas mildert.
Bei so einer Stammtischrunde ist eine Volksentscheid übersichtlich. Man hat nur ein Thema und man stimmt sachbezogen ab. Komplizierter wird es dann schon, wenn man mit einer größeren Gruppe essen gehen will. Schon bei der Wahl des kulinarischen Tempels kann es zu großen Zerwürfnissen führen. Schafft man es dennoch sich für ein Lokal zu entscheiden, geht der komplexe Vorgang nahtlos in die nächste Runde über, die von vielen Parametern beeinflusst wird. Welche Speisen sind mit TK Ware gemischt, wie alt ist das Frittieröl, wer kennt den Koch, wann wird in diesem Restaurants frisch eingekauft und ist eine große Speisekarte schlechter als eine kleine?

Schon bei der Vorspeise taucht die Frage auf, ob das frisch zubereitet ist oder schon seit Stunden im Durchgang steht und von Bakterien verseucht wurde. Bei der Hauptspeise fragt man sich welches Fleisch denn besser sei, rotes oder weißes, durchgebraten oder nicht und ob die Beilage unbedingt auch frittiert sein muss. 

Vieles wird dann, im wahrsten Sinnes des Wortes, aus dem Bauch heraus entschieden, denn eine große Argumenationshilfe ist der Hunger. Eine andere ist die alte Weisheit, dass der Appetit mit dem Essen kommt. Weitere Pro und Kontras werden, und das fast immer, durch Empfehlungen Dritter genährt. Man weiß zwar nicht, was man entscheiden soll, aber der hat das gesagt und ein anderer das und das wird schon stimmen. Man hinterfragt gar nicht mal, welche Qualifikation dieser Jemand hat, den man selbst ja auch nicht kennt und der auch nur Jemand ist, der nur eine Meinung hat.

Im Grunde genommen treffen wir eine Wahl mit einem unguten Gefühl und sind immer heilfroh, dass das Essen später geschmeckt hat, der Magen sich nicht verrenkt hat und um das zum Guten zu wenden kippt man vorsichtshalber einige Verdauungshilfen hinterher. Man weiß es ja nicht und man kann es immer erst wissen, wenn man es gegessen hat.

Auch das war eine demokratische Entscheidung, und sie war wahrlich nicht leicht, doch mit den guten Ratschlägen konnte man sich zumindest für etwas entscheiden. Ich weiß dann zwar immer noch nicht, ob der Koch tatsächlich gemogelt hat, weiß ebenso wenig etwas über Zubereitung und kleine Kniffe, die man benutzt, um mich positiv zu stimmen und am allerwenigsten weiß ich, ob es meiner Gesundheit schadet. Eigentlich weiß ich gar nichts, treffe aber unentwegt Entscheidungen, von denen andere meinen, dass sie gut für mich sind.

Volksentscheide sind wirklich gut, aber der Weg dahin ist äußerst fragwürdig. 

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