Volksabstimmungen

Ich finde Volksabstimmungen grundsätzlich gut. Zumindest scheint es eine Form der direkten Demokratie zu sein, bei der man durch seine Stimme etwas direkt beeinflussen kann. Z.B. beim Bier, abends in der Kneipe, wenn man dann fragt, wollen wir noch ein letztes? Beim Blick in die Runde wird durch Zunicken ein Wahl getroffen, die zwar am Abend noch schön ist, aber man hat ja Aspirin im Haus, was die Gedanken an den folgenden Morgen etwas mildert.
Bei so einer Stammtischrunde ist eine Volksentscheid übersichtlich. Man hat nur ein Thema und man stimmt sachbezogen ab. Komplizierter wird es dann schon, wenn man mit einer größeren Gruppe essen gehen will. Schon bei der Wahl des kulinarischen Tempels kann es zu großen Zerwürfnissen führen. Schafft man es dennoch sich für ein Lokal zu entscheiden, geht der komplexe Vorgang nahtlos in die nächste Runde über, die von vielen Parametern beeinflusst wird. Welche Speisen sind mit TK Ware gemischt, wie alt ist das Frittieröl, wer kennt den Koch, wann wird in diesem Restaurants frisch eingekauft und ist eine große Speisekarte schlechter als eine kleine?

Schon bei der Vorspeise taucht die Frage auf, ob das frisch zubereitet ist oder schon seit Stunden im Durchgang steht und von Bakterien verseucht wurde. Bei der Hauptspeise fragt man sich welches Fleisch denn besser sei, rotes oder weißes, durchgebraten oder nicht und ob die Beilage unbedingt auch frittiert sein muss. 

Vieles wird dann, im wahrsten Sinnes des Wortes, aus dem Bauch heraus entschieden, denn eine große Argumenationshilfe ist der Hunger. Eine andere ist die alte Weisheit, dass der Appetit mit dem Essen kommt. Weitere Pro und Kontras werden, und das fast immer, durch Empfehlungen Dritter genährt. Man weiß zwar nicht, was man entscheiden soll, aber der hat das gesagt und ein anderer das und das wird schon stimmen. Man hinterfragt gar nicht mal, welche Qualifikation dieser Jemand hat, den man selbst ja auch nicht kennt und der auch nur Jemand ist, der nur eine Meinung hat.

Im Grunde genommen treffen wir eine Wahl mit einem unguten Gefühl und sind immer heilfroh, dass das Essen später geschmeckt hat, der Magen sich nicht verrenkt hat und um das zum Guten zu wenden kippt man vorsichtshalber einige Verdauungshilfen hinterher. Man weiß es ja nicht und man kann es immer erst wissen, wenn man es gegessen hat.

Auch das war eine demokratische Entscheidung, und sie war wahrlich nicht leicht, doch mit den guten Ratschlägen konnte man sich zumindest für etwas entscheiden. Ich weiß dann zwar immer noch nicht, ob der Koch tatsächlich gemogelt hat, weiß ebenso wenig etwas über Zubereitung und kleine Kniffe, die man benutzt, um mich positiv zu stimmen und am allerwenigsten weiß ich, ob es meiner Gesundheit schadet. Eigentlich weiß ich gar nichts, treffe aber unentwegt Entscheidungen, von denen andere meinen, dass sie gut für mich sind.

Volksentscheide sind wirklich gut, aber der Weg dahin ist äußerst fragwürdig. 

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At Home

Heute Morgen erzählte mir die Queen, dass sie doch ganz zufrieden mit ihrer Entourage sei und ich merkte plötzlich, dass wir ganz allein im Zimmer waren. Ich schaute mich vorsichtig um und tatsächlich, wir waren ganz allein in einem sehr herrschaftlichen Raum zusammen in einem sehr großen Bett, gut und gerne eineinhalb Meter voneinander getrennt liegend, aber unter einer gemeinsamen Decke, die natürlich genauso groß war, wie das Bett, also eigentlich noch größer, denn sie ragte ja über das Bett hinaus.

Kurz zuvor noch waren nämlich Lady Soundso und Lady Andersso auch mit im Raum gewesen und man schwelgte in Erinnerung. Es wurde sich herzlich darüber amüsiert, dass Mrs. Möörkel es bei einer kleinen Unpässlichkeit nicht geschafft habe, eine Schraube aus einer Windung zu schrauben, weil sie mit falschen Werkzeug an der falschen Stelle ganz ungeschickt hantiert hatte und der Guido Westerwelle, dieser nette Außenminister ihr aus der Patsche geholfen hatte und das kleine Malheur ja mit einer solchen Nonchalance gelöst hatte, dass Mrs. Chancellor ganz säuerlich lächeln musste und es ausgesehen habe, als ob sie in rohes Sauerkraut beißen musste. Lady Andersso fügte noch ihr Wissen kundtuend hinzu, Spreewouldcumcumber. Noooo, Spreewouldgürken verbesserte Lady Soundso. Yes, indeed, meinte die Queen und alle hüstelten, gekünstelt lächelnd Zustimmung.

Irgendwie müssen wir darüber eingenickt sein und so waren wir plötzlich allein, also, die Queen und ich, so, als ob es das Normalste der Welt wäre, dass ich mit der Queen zusammen in einem großen Bett … aber dann bin ich doch noch ein weiteres Mal wach geworden. 

Träume sind schon seltsam.

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Träumer

Man hat ja vor lauter Träumen gar keine Zeit mehr zu schlafen. Die ganze Nacht muss man sich diese Geschichten über sich ergehen lassen, ob man will oder nicht. Dabei möchte ich gar nicht träumen. Es gab sogar eine Zeit, da habe ich gar nicht geträumt. Wenn ich nachts wach wurde, dann nur um pinkeln zu gehen. Als ich meinem Körper mit Granofink gedroht habe, hat dieser auf der Stelle damit aufgehört und wartet seitdem geduldig mit der Notdurft, bis es Morgen ist.
Letztens hat der Traum sich beschwert. Er könne nicht ständig sich für jeden Träumer neue Geschichten ausdenken, das wäre so anstrengend, dass er selbst ja gar nicht mehr zum Schlafen käme. Und bei mir wäre es besonders schwierig, da ich ja immer schreckliche komplizierte Träume haben wolle und entschuldigte sich gleichzeitig, dass ihm dann und wann der Faden verloren ginge und er mir dann Träume von einem anderen erzähle, die auch immer sehr verworren sind. Aber, so räumte er ein, es müsste mir eigentlich nicht auffallen, denn im Grunde genommen sind es ja fast die gleichen Geschichten.

Heute Morgen fragte er mich, ob ich denn zufrieden sei mit dem letzten Traum? Ich schüttelte nur den Kopf und sagte, wie kann man sich nur so einen Scheiß ausdenken, das wäre doch vollkommen unrealistisch. Ja, sagte er, die realistischen Träume, das wäre lange vorbei. Die habe er mir doch alle schon vor Jahrzehnten erzählt und außerdem könne er nur das erzählen, was ich ihm auftragen würde. Aber, erwiderte ich, ich hätte doch gar nichts gesagt und schon gar nichts mir gewünscht. Ja, sagte er, das sagen sie alle.
© Kariologiker

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Schönes Fest

Heute möchte ich ein Gedicht von Florian Tekautz als Gastautor vorstellen.
Florian, 1976 geboren, lebt und arbeitet in Linz, Österreich, und hat zwei Gedichtbände veröffentlicht – Sanft wie eine Kettensäge und Flüsternde Rebellion.

Schönes Fest
Ich halte nichts von euren Autos
Euren Frauen, unser Geld
Zeig mir einen, den es langweilt
Und ich zeig dir einen Held

Euer Glauben, eure Werte
Sind mir ferner als ein Stern
Und ich halte mich so gut
Wie´s geht von eurem Leben fern

Denn ich bin kein Freund des Schmerzes
Ich mag Spaß und Harmonie
Pflege lieber meine Tasten
Als die beste Therapie

Euer Dasein ist die Krätze
Euer Weltbild ist die Pest
Jede Stunde ohne Fratzen
Ist für mich ein schönes Fest

© Florian Tekautz

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Wirr_Sinn

 

Ich habe mich lange gesträubt,
mich dafür ständig betäubt
mit allem was es gibt,
auf dass mich einer liebt.

Immer und immer wieder
schreibe ich kleine Lieder
bis mir die Augen zu fallen,
höre Melodien nächtens hallen.

Wie oft verwiesen meine Sinne,
mich, denn sie wohnen in mir
und manchmal halt ich inne
und träume einfach von Dir.

Du wirst mich befreien,
von dem anderen Ich
und freiwillig werde einreihen
ich in mich und in Dich.

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Stuhl

Ich kaufe mir einen zweiten Stuhl,
damit ich mich gezielt dazwischen setze.
Auch wenn man nur auf einem sitzen kann, hat man dann die Wahl.

Noch sitze ich auf zwei weichen Kissen, die beide so bequem sind, dass das eine nichts vom anderen will wissen will und ich mich trotzdem von der einen Bequemlichkeit zu anderen wälze.
Morgen werde ich die Kissen entfernen und mich auf die harten Stühle setzen. Morgen werde ich mein Gewissen prüfen und ich weiß, es fliegen Fetzen.

Denn man kann nur auf einem Stuhl sitzen, doch sollte man wissen, auf welchem.

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Verboten

 

Meine Frau hat mir 
das Aussehen verboten.

Ich tat ihr den Gefallen.

Als sie mich wieder ansah, 
entsetzte sie sich, 
“Du siehst ja verboten aus.“

Ich nahm ihr den Gefallen.

© Kariologiker

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