Archiv für Juni 2012

Pizza gegen Paella

Eisbein und Bigos sind raus, übrig geblieben sind Tapas und Nudelgerichte. Wenn die EM aus Frauensicht betrachtet wird, so wie ich es auf Martinas Blog gelesen habe, wird das Rasenschleichspiel von den Frauen durch den kulinarischen Aspekt entscheidend aufgepeppt. Das gefällt mir sehr, so wie mir diese Ballschieberei ganz und gar nicht gefällt.

Gegen Griechenland habe ich zumindest durch ein kulinarisches Opfer versucht die Götter gnädig zu stimmen und Zeus et al. müssen das gesehen, denn ich habe Gyros gegessen. Eine griechische Kraftspeise, die mir mit versalzenem Krautsalat serviert worden war und aus reiner Höflichkeit und ob der Intention meiner Opferbereitschaft habe ich ihn nicht moniert. Und ich finde Gyros schon seit langem als eher ungenießbar – es sei denn, es wird mir mit Ouzo schmackhaft gemacht.

Und? Es hat geholfen. Schland hatte gewonnen, dabei ein durchaus ansehnliches Spiel gezeigt und trotzdem die Tatsache bestätigt, dass man sich auf seinen Lorbeeren nicht ausruhen kann und ein Turnier für keine Mannschaft ein Selbstläufer ist. Da kann man vor dem Spiel noch viele Spagetti essen.

© Kariologiker

Advertisements

, , , , , , , , , , , , , , , ,

5 Kommentare

Wir sind Ente

Ist das wirklich ein selbst belohnende und kritisch-schmunzelnde Selbstbetrachtung, den die BILD Zeitung dort plakativ auf der ersten Seite ihrer Jubiläumsausgabe gedruckt hat? Oder sollen wir das anders sehen? Ente gut, alles gut? Oder doch: Alles war nur eine Zeitungsente? Herr Disney, was sagen sie zu dem Missbrauch ihrer, an der Alltagsphilosophie scheiternden Symbolfigur Donald Duck?

Wir sind Ente

So viel Weitsicht und Selbstironie hatte ich gar nicht von diesem Blättchen erwartet, das vornehmlich den Stuhlgang vieler Arbeitnehmer begleitet, die aus der großen Gemeinschaft der Handwerker stammend mit dieser Flachversion einer Zeitung, die der Bildungsverwahrlosung deutscher, „kleiner Männer“ tag-täglich Vorschub leistete und das seit sage und schreibe sechzig Jahren. Man hat das schon von Anfang an so gut bedacht, dass die Titelzeilen in extra groß gedruckt werden, damit selbst bei verminderter Sehleistung, die augenblicklich im Pressvorgang der Defäkation entsteht, der Wissbegierige oder nur Informationshungrige das Tagesgeschehen „voll“ überblicken kann.

Doch hat man sich sehr wahrscheinlich, nach so langer Zeit der Öffentlichkeit wohl outen wollen und mit ungeschminkter Ironie die eigenen Fettnäpfchen ausgegraben und sie uns kostenfrei zugestellt. 41 Millionen Exemplare wurden gedruckt und viele davon in Haushalte verschickt, die man dann, wie bei mir auch, im Huckepack mit der Abonnement-Zeitung eines ganz anderen Verlagshauses in den Briefkästen der Nation fand. Wir sind Papst, ergo: Wir sind Ente.

60 VW Beetle gewinnen

Neben den Headlines macht normalerweise sich eine etwas andere, ungeschminkte „Tatsache“ breit, die „Nackischte“ oder die „Foddos“ von Modells. Diesmal fällt einem aber stattdessen etwas anderes ins Auge. Zum Jubelfest werden 60 VW Beetle verlost. Und platt, wie wir es von den Schlagzeilen dieses Blättchens gewohnt sind, wird dies auch angekündigt: „Gewinnen Sie 60 VW up“, heißt es gleich neben der Head-Head-Line.  – Jetzt mal ehrlich, was soll ich mit 60 Käfer anfangen? Verkaufen, sagte meine Frau gleich, praktisch, wie sie immer denkt, doch habe ich gleich an das logistische Problem dabei gedacht. Die passen weder alle auf meinen Parkplatz, noch in die Straße, in der ich wohne. Ich habe es kurz überschlagen und für jeden Käfer der neusten Version mal ein Wagenlänge von 4,50 Meter angesetzt und so käme eine Straßenlänge mit Parkbuchten von 270 Metern zustande, die zusammen mit den 60 Metern an Abstand eine viel beparkte Straße derart überfüllen würde, dass schließlich ganz Olpe damit zu geparkt wäre. Allein den Ärger, den man bei solchen Aktionen dafür bekommt, hält mich davon ab dieses Angebot wahrzunehmen. Oder meinten die mich etwa nicht?

Ich glaube ich muss jetzt mal ganz dringend aufs Klo … sorry. Bin bestimmt gleich wieder zurück.

© Kariologiker

, , , , , , , , , , , , , , ,

5 Kommentare

Salafisten – Palavisten – Allaf-fisten

Selbst die „guten Kabarettisten oder Comedian“ meinen, dass die Salafisten Schwachköpfe und religiöse Fanatiker seien, die uns in ihrer engstirnigen Sicht einen Zerrspiegel falsch verstandener Religion vorhalten. Politiker aller Couleur wird’s schon schwindelig, wenn sie nur an die Probleme denken, die sich im Umfeld dieser Sektierer als denkbares Szenario, dem religös-fanatischen Terrorismus und besonders der Al Khaida nahen Scharia, nahe bringt. Besonders der einfache Mensch wagt sich kaum an dieses Thema zu denken, weil die Sauerland-Zelle neben der Leibziger-Zelle jede Zelle eines einfachen Hirns anschwellen lässt und so stellt man den Fernseher am Sonntagmorgen an, um seine Gedanken mit Sportereignissen von der einen Realität in eine andere Realität zu beamen, greift sich die Fernbedienung, ertastet den abgenutzten Programmwechselknopf und zappt sich von einer Anspruchslosigkeit zur nächsten.

Kaum ist man auf einem Sportkanal gelandet, der sinnigerweise SPORT 1 heißt, wird man an Stelle von billigen, „nackten Tatsachen“ nicht nur mit sinnlosen Ratespielchen zugetextet, sondern mit einer sinnfraglichen Religions-Agitation konfrontiert, die in einer Art Leihschaltung aus dem „Arche“-Sender uns derart brutal entgegen schallt, dass es die Salafisten dagegen schon fast lächerlich erscheinen lässt. Da predigen Hobby-Bibelianer und Amateurprediger nach einem bekannten Comedy-Konzept Religion in einer Hardcore-Version, die uns ausschließlich von Jesus und Gott und was weiß ich alles vorhält, was wir verpassen, wenn wir nicht an Gott, bzw. Jesus und besonders in der Interpretation ihrer Sekte glauben. Und es sind alles Sekten und alle sind aus dem evangelischen Zweig der Bibelauslegung, der lutherischen Interpretation eines Märchenbuches, das ganz nach den Vorstellungen des jeweiligen Predigers mal in die eine Richtung interpretiert wird und mal in eine andere. Neben diesem Sender gibt es im Multichanelangebot, wie dem Pay-TV von „Sky“ oder „Unitymedia“, noch viele weitere, ganz wundersame Sender zu finden, die Bibel TV oder GOD TV oder ganz ähnlich heißen und in denen man die Fanatiker ihres Gottes einmal ganz evangelisch und doch nicht einen Deut anders, als die Splittergruppen des Islams und schon gar nicht weniger fundamental sich mit rhetorischem Geschick in feurigen Reden und nicht ohne drakonischste Bilder zu projizieren, mahnend die Zuhörer und -schauer versuchen ihrem, welchem auch immer Gott näher zu bringen.

Das fest verankerte Prozedere einer solchen evangelikal-angloamerikanischen Agitationsshow führt schon dazu, dass in Amerika schon 3- bis 4-jährige Kinder (oder noch jünger … ich weiß es nicht) von Großveranstaltung zu Großveranstaltung gezerrt werden, um in einer perfekten Kopie eines der „etablierten“ Fanatiker, die das Kind den ganzen Tag von seinen ebenso fanatischen Eltern auf dem Fernsehschirm im Kinderzimmer vorgesetzt bekommt, so perfekt aufzuführen, dass die zu Hunderten bis zu Tausenden erschienenen Zuhörer damit geblendet im Glauben zu lassen, ein beseeltes Kind vor sich zu sehen. Offiziell werden diese Kinder in Amerika „pint-sized-preachers“ genannt und es gibt unzählige davon. Wie in folgendem Video beispielhaft zu sehen ist:

http://video.nationalgeographic.com/video/national-geographic-channel/all-videos/av-10386-10586/ngc-kanon-the-preacher/ (Muss man in den Browser kopieren, weil ich das Verlinken nicht kapiere…!)

Obwohl der kleine Junge, das weder lesen noch schreiben kann, mit großen, perfekt einstudierten Gesten die Bibel in der Hand hält und sogar die richtigen Sprüche von der richtig aufgeschlagenen Seite zitiert, begleitet von rhetorischen Pausen, die selbst unser Rössler nicht langatmiger zu zelebrieren wüsste, bemerkt niemand der fanatophilen Teilnehmer eines solchen Events den „Palavismus“, der in vielen Szenen nicht einmal besser als eine Büttenrede aus dem kölschen Karneval ist und mehr einem „Allaf-Fismus“ nahe kommt, denn einer echten Religiosität.

So kann man auch aus diesen Sendungen als normaler Mensch, und auch als Atheist, etwas lernen, was einem nicht nur eine emotionale Befriedigung gibt, sondern immer wieder den eigenen Voyeurismus weckt, besonders dann und ganz bestimmt dann, wenn sie unnachahmlich blöd ist.

Und so muss man in einem klaren, religionsfreien Moment folgendes konstatieren:Stünde aber auch nur eine Salafisten-Predigt in unserem Programm, in der ein selbst ernannter „Mufti“ seine fanatischen Ansichten verkünden wollte, die gesamte GEZ-Gemeinde ginge auf die Barrikaden. Bei amerikanischen Kindern aber wundern wir uns nicht. Wir halten die Amerikaner schlicht für dumm und diese haben nichts besseres zu tun, als uns das täglich zu zeigen.

Amen.

© Kariologiker

, , , , , , , , ,

2 Kommentare

Deutsch-fahnig

Geht es Ihnen genauso wie mir? Diese betonte Zurschaustellung des Nationalen? Und der ganze Hype, der damit verbunden ist, also mir wird’s langsam zu viel.

Irgendein Sportler hat irgendwann einmal bei internationalen Wettkämpfen bei seinen Sieg noch vor dem Überqueren der Ziellinie eine Landes-Fahne zugesteckt bekommen und damit die Nationalität in den eigenen Erfolg mit einbezogen. Jetzt kann man Nationalismus gerne für gut befinden, doch ab einer gewissen Anhäufung nationaler Verbrämung für einen Sport, und ich betone ausdrücklich, nur für einen Sport, verkommen mir die Fahnen aller Nationen zu einem Witz.

Da spielt es keine Rolle welchen Sport sie begleiten, denn außerhalb dieser internationalen Wettkämpfe sind sie kaum zu sehen, die Symbole der Nation des Landes, in dem ein Mensch geboren wurde. Das sähe auch komisch aus, wenn man in Köln-Mühlheim nur von türkischen Fahnen umringt wäre oder in der Innenstadt und Vororten von Köln griechische, italienische oder sonst welche Nationalfahnen ständig vor’s Gesicht gehalten bekämen, wir leben schließlich in einer globalisierenden Welt. Und so ganz nebenbei, der Jesus ist für alle Europäer schließlich auch ein Ausländer, aber das zählt bei einem Gott nicht, oder? Man könnte ihn gemeinhin als Urheber der Globalisierung bezeichnen, wenn man wollte.

Aber diese ständige, immer aufdringlicher wirkende Nationaltümelei ist mir so etwas von zuwider … und noch schlimmer ist die Hure Medien. Angefangen bei den Gazetten für das bildungsresistente Präkariat bis hin zu den öffentlich-rechtlichen Fernsehanstalten, insbesondere dem ZDF. Für diesen Fußballquatsch war man sich nicht verantwortungslos genug, die Gelder, die allen Deutschen per Gesetz mit der GEZ von egal welchem Gehalt abgeknapst wird, hat man mal eben für Hundertausende von Euros einen Design-Ponton in die Ostsee gebaut und das nicht irgendwo, sondern in dem wieder erschaffenen mondänen Heringsdorf, dem Kaiserbad, dem östlichsten Goldesel des Landes. Und das letztlich auch nur, um irgendeine Quotenfrau, die wohl viel lieber über Kleidung und dem Bimselbamsel, den Frau so um sich herum schlingt spräche, als über Fußball und das im Wechsel mit einem Olli Kahn, der selbst kaum weiß, was er sagt und das auch noch mit einem klassisch durch dekliniertem „EHM“, was ihn wohl hier insbesondere als „ZDF-Experten“ ausweist, stundenlang allen und meist besser informierten Zuschauern, denen schließlich im Zeitalter des WWW die gleichen Informationsquellen vorliegen, irgendein Hohlgeschwätz zu präsentieren, um eine Stunde Sendezeit vor jedem Spiel zu vergeuden, in denen man weitaus besseres ausstrahlen könnte.

Da wundert es keinen mehr, dass ein Notarzt im besten Fall für seinen Einsatz, bei dem es nicht selten um Leben und Tod geht, nicht einmal eine dreistellige Euro-Summe als Entlohnung bekommt, aber der Fußballer für seine Dumm-Dämlichkeit und einem KiTa-Eintrittsalter mit Millionen überhäuft wird. Denn erst durch die Medien ist es überhaupt so weit gekommen, dass wir diese Schräglage der Professions-Präverenz und Überbewertung haben.

Und dann werden die Länderfähnchen und National-Devotionialien endgültig zur Farce.

© Kariologiker

 

EDIT

Selten, dass eine Boulevard-Gazette so deutliche Worte findet:

http://www.express.de/em2012/tv-kritik-der-insel-irrsinn-der-mainzelmaennchen,1125580,16358972.html

 

Ein Auszug, der aus meiner Feder stammen könnte und mir direkt nach dem Mund spricht:

Usedom –  

Laut Fremdenverkehrswerbung ist Usedom „ein Ort, an dem die Seele Urlaub macht“. ZDF-Zuschauer wissen es besser: Seit Sonntag ist Usedom ein Ort, an dem der Verstand Urlaub macht.

Wer Usedomina Katrin Müller-Hohenstein und Grillwurst-Olli Kahn am ZDF-Fußballstrand erlebt, der fragt sich: Wo ist der Anstieg des Meeresspiegels, wenn man ihn braucht?

Einmal Flut, und alles wäre gut!

, , , , , , , ,

5 Kommentare

Wer mag den Papst wirklich?

Der beste Satz des Tages, also für heute, Fronleichnam, habe ich in der Westfalenpost gelesen, einer Zeitung, die ich immer mit einem lachenden und einem weinenden Auge lese.

Im Vatikan ist der Teufel los.“ Dazu wird die italienische Presse mehrfach zitiert: Gabriele Poalo, das G’schmusi von Bendito säße im Gefängnis und der „Capo di Banco Vatincano“ wurde gefeuert. Es ist die Rede von Machtkämpfen im höchsten Gremium der „Kumpanei di Deo“, unter den Kardinälen also, die quasi schon mal um eine sichere Position für die nächste Konklave heftig kungeln. Was bedeutet da schon der Weltfrieden oder die Reformation des Glaubens, an die sowieso noch niemand geglaubt hat. Warum soll Politik in der Kirche anders funktionieren als in der bürgerlichen Welt. Im Vatikan laufen auch nur Menschen herum, die eher als manisch zu bezeichnen sind.

Doch eine Stimme aus dem Sauerland sorgt für Ruhe, der Moraltheologe Prof. Dr. Peter Schallenberg. „Dieser Kindergarten hilft niemanden.“ Ach was. Ist das wahr? Andere Kardinäle, selbst die gefeuerten kippen dagegen Öl ins Feuer, wie der Cordes aus Paderborn: „Die Vorfälle sind ein Problem für Klima des Vertrauens. Mehr nicht.“ So, so … mehr also nicht.

Da muss man doch für den ollen Ratzinger schon fast etwas Mitleid haben, oder? Da rackert er sich Tag für Tag in seiner (ungewollten) „Verheiligung“ ab und das biedere, in purpur gekleidete Fußvolk, also die Kardinäle und Bischöfe tanzen auf den Tischen.Also, näää…

Ich glaube, dass keiner diesen Deutschen im Vatikan mag und vielleicht muss er bald diese berühmte Tasse Tee vorm letzten Schlafengehen trinken.

© Kariologiker

, , , , , , , , , , ,

Ein Kommentar

Himmel ohne Ääd

Papa Populus Bene Ductus, denn ich bin damit auch Papst, weiß wie datt im Himmel janz jenau, also vielleicht janz jenau,  wie datt im Himmel aussieht und janz besonders weiß ER – wie kein anderer – wie eine Seele aussieht.

Aus der Westfalenpost vom 4.6.2012

Seine Jugend ist also der Himmel – schön für ihn – meine ist es nicht. Das wäre mir jetzt wirklich zu viel, viel zu viel und ganz und gar nicht mein Ziel. Und auch das mit der Seele … nein, danke, davon hatte ich wirklich soviel, das es mehr als genug ist.

Wommer domma ehrlisch sein … der hat doch einen an der Klatsche. Das kann der vielleicht den Mailändern erzählen, aber doch mir nicht. Oder irgendeinem Kölner. Das er das überhaupt erzählt muss ein Akt der geistigen Umnachtung gewesen sein. Vielleicht tanzen die Walhalla-Walla-Eurhythmikerinnen um ihn herum … von Leni Riefenstahl gefilmt. Und sie haben damals gezittert, zumindest der Vater. Also mir wär datt zu kalt, oder?

© Kariologiker

, , , , ,

3 Kommentare

Schützenfeste und kein Ende

Der unübertreffbare Ballungsraum für Schützenfeste muss das Sauerland sein. Jedes Wochenende wird eine neues gestartet und jedes Wochenende kann man wieder sich bis zur Besinnungslosigkeit in schützenbrüderlicher Innigkeit die Kanne geben. Allein bei der Anzahl der Dörfer ist es schon fast unmöglich sie alle nacheinander zu feiern und so finden an manchen Wochenenden sogar mehrere statt. Nur zwei sind absolut konkurrenzlose Einzelveranstaltungen, das Schützenfest in Attendorn und besonders das Großereignis in Olpe, das dem kölschen Karneval fast den Rang abläuft. Vier volle Tage herrscht in Olpe dann der Ausnahmezustand … noch nicht einmal die Dönerbuden haben dann auf.

Jeder, aber auch absolut jeder, den ich kenne, ist aktives Mitglied eines Schützenvereins und das in mindestens einem Dorf, wenn nicht gar in zwei, nämlich in dem, in dem er wohnt und dazu in dem, in dem er arbeitet.

Das Spektakel beginnt bei allen Schützenfesten auf die gleiche Art und Weise. Die heimische oder gemietete Blaskapelle mit Marschvolk hintendran holt den alten König von zu Hause ab, man geht in die Messe – wo man den Herrn um Gott was weiß ich bittet – und bringt ihn und alle anderen anschließend zur Druckbetankung auf den Schießplatz. Denn grundsätzlich gilt: Wer nüchtern schießt verliert … oder so. Welcher Sinn dahinter steckt ist mir unbekannt, aber welche Mengen an „Heimatbräu“ verdrückt werden ist unvorstellbar. Da gebe sogar ich als eingefleischter und routinierter Dauerkarnevalist auf, da komme ich einfach nicht mit.

Während die Herren im Ornat sich unverzüglich nach dem Eintreffen auf dem Festgelände in hoher Taktzahl und Schlagfrequenz dem Schaumgekrönten hingeben, üben sich die Damen der Hoheiten im Klopfen des „kleinen Feiglings“ – o.ä … z.B. Sauerer Pitter, Schwarze Sau, Flic Flac und wie sie alle heißen – Hauptsache sie werden „damenhaft“ in Miniatur serviert.

Gäste, wie ich es vor 25 Jahren noch in meinem Dorf war, werden von den stämmigsten Suffragetten der Gemeinde in einer unnachahmlichen, charmanten Art von der Anvertrauten „entliehen“, um sie an Quelle des Übels, der Theke, in einem Crashkurs gleichen Tempo in das Geheimnis der Klopfzeremonie einzuführen. Und glauben Sie nur ja nicht, dass man es gleich beim ersten Fläschleinchen schafft, auch nicht beim zweiten. Bei welchem man mich endlich für würdig befunden hatte, den Klopfkurs als bestanden gelten zu lassen kann ich leider nicht mehr sagen. Ich weiß aber noch, dass der Biertisch, an dem man Frau fast schon in Verwesung saß, so voll von Biergläsern mit schalem und schalerem Bier saß, dass es uns augenblicklich in die Flucht schlug. Der Heimweg war beschwerlich, doch, ich gebe es gerne zu; nur die jeweiligen Hinweise der Teilabschnitte unseres Heimweges durch die noch vielen nachrückenden Dorfbewohnern, die alle sehr hilfsbereit waren und manchmal sogar etwas mitleidig uns sogar Trost spendeten, zeigten uns bereitwillig wo unser Eigenheim stand … wer weiß, ob wir es damals auf Anhieb wiedergefunden hätten?

Mit diesem Erlebnis gewappnet waren jedoch weitere Besuche dieses oder eines anderen Schützenfestes im Jahr danach etwas besser einzuteilen, nur etwas, denn auch das muss man üben und so ganz auf Anhieb klappte es nicht, kamen wir auch einmal in den Genuss des Vogelschießens. Und der Vogel ist hier, in dieser Region, schon etwas Besonderes. Sie denken jetzt bestimmt an einsame Holzschnitzer, die in langen Winternächten, heimlich und geschützt vor den Blicken der Mitwerber um den einjährigen Thron, im Verborgenen einen Adler aus besonderem Holz herausschälen, was im Allgemeinen ja auch so gehandhabt wird, doch wird das Königsschießen erst dadurch zu einem echten Spektakel, wenn man den alten König, der hoffentlich das richtige Gebet geh’n Himmel geschickt hatte um diese Ehre bittet und so wird zwischen Königspolonese und Currywurst an statt eines hölzernen Plagiats eines Greifvogels der nur noch kurz amtierende Altkönig in den Schusskasten gesteckt. Da macht das in Massen getrunkene Zielwasser doch wieder Sinn, oder?

So ganz nebenbei gibt es auch ein Geschäft, in dem man alles kaufen kann, was die Herren und Damen der Schützenvereine so brauchen. Von der Mütze, dem wichtigsten Accessoire, bis hin zum hölzernen Gewehr, dass man zu den Aufmärschen soldatisch gekonnt schultert, egal wie viel Bier der Schützenbruder auch getrunken haben mag. Und natürlich auch das vorschriftsgebundene „Abendkleid“ für Frau Schützenkönigin, denn Parade ist Parade und alle haben standesmäßig anzutreten. So wurde ich einmal Zeuge dessen, wie ein Olper Schützenbrüder direkt neben mir aus einem Gebüsch taumelte, in dem er wohl einen kleinen Schönheitsschlaf abgehalten hatte und mit schlafwandlerischer Sicherheit direkt auf den „Ümmerich“ zu hielt, dem traditionsreichen Schützenplatz der „Ölper“, der größten Schützenbruderschaft der Region. Bewundernswert, oder?

Ach, übrigens, auch ich bin Mitglied in so einem Schützenverein. Ja, ich gebe es ungern zu, doch wie ich dazu gekommen bin ist nicht ganz klar. Shanghaien nannte man es bei der englischen Kriegsmarine früher. Eine altbewerte Technik, mit der man auch noch heute gerne neue Mitglieder für die eigene Schützenbruderschaft rekrutiert. Man macht den „Freiwilligen“ so betrunken, dass er alles unterschreibt. Und so bin ich ein eingetragener Sankt Kunibertus Schützenbruder, passiv, zahle brav meinen Beitrag für die Tradition, habe jedoch seit 20 Jahren kein dorfeigenes Schützenfest mehr besucht … das überlebt man nicht. Da rauche ich lieber weiter, was ja demnächst „Kraft“-voll auch in Festzelten jeder Art verboten werden soll.

© Kariologiker

Die kleine Bilderserie zeigt alte und neue Schützenbrüder eines der vielen Orte im Sauerland.

Diese Diashow benötigt JavaScript.

, , , , , , , , , , ,

2 Kommentare

%d Bloggern gefällt das: