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Der Mittlere Mann

Heute stelle ich einen mir sehr gut bekannten, so weit ich das sagen darf, Querdenker vor, der sich mir heute als Lyriker geoutet hat und von dessen Gedicht ich ganz begeistert bin, Peter Sense

 

Mittlere Mann

Hallo ich bin´s. Der viel zitierte kleine Mann.
Nach Dir bin ich oder vor Dir dran.
Bin groß, bin klein, dünn faul sportlich oder fett
griesgrämig, freundlich, dumm schlau oder nett
zerbrechlich, stolz, stabil, hinfällig wie ein Blatt.
Und eng und dicht gefüllt mit Wörtern
die auch jeder andre hat.

Hallo, ich kann noch immer laufen, liegen, gehen oder steh’n
und immer wieder gern die gleichen Filme, Orte oder Menschen seh’n.
Familie hab ich, Kinder, Freunde oder keine,
leb‘ einsam, still, verlassen oder im Vereine.
Ja, das bin ich. Ein Kristall. Ein Körnchen Sand.
Und kommt ein Wetter, dann
weht es der Sturm weit übers Land.

© Peter Sense

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Lanz, Lanz, da war doch was?

 

Ach, ja, die Wagenknecht. Quasi eine der vielen Visitenkarten des Herrn Lanz, den ich sofort, wenn er auf dem Bildschirm erscheint, wegzappe. Inhaltlich so brillant wie Beckmann, außerhalblich so billig wie ein Banklehreschüler und mit einem Charisma, das jedem Beruhigungsmittel Konkurrenz macht.

Die Klonware von Moderator scheint eines der vielen Erfolgsrezepte vom ZDF zu sein, jener Zombies des Folks Sender, der irrigerweise glaubt, dass Kinderspielchen immer noch die Menge hypnotisiert. Leider hat niemand von den Hypnotiseuren bemerkt, dass man sich nur selbst ins Valiumkoma versetzt hat und winkt jeden Klon in die Moderation, der nicht bei vier auf den Bäumen ist. Ganz offensichtlich hat man gar nicht bemerkt, dass eine Sendung für die ganze Familie, die in der Tradition von EWG mit Kuhlenkampf steht, eine ganze Familie vor den Fernseher gezerrt hat, schon deswegen nicht mehr funktioniert, weil es gar keine Familie mehr gibt. Zumindest keine, wie man sie als Kind kennen gelernt hat, denn die moderne Familie sitzt vor tragbaren Informationsgeräten, hat eins tippendes Kommunikationsmuster in „Kurzschrift“ und ist mehr damit beschäftigt den eigenen Körper biologisch wertvoll zu stählen, als sich mit Wissen zu schmücken.

Nun kann man gegen NTV sagen, was man will, aber in der Momentaufnahme der wohl gestrigen „Wetten dass…“ Sendung, hat es den Nagel auf den Lanz getroffen. Geradezu euphemistisch einfühlsam werden dem Herrn Lanz die Sätze zerpflückt, von denen der nette Herr von nebenan wohl in seiner verzerrten Wahrnehmung meint, damit noch witziger zu sein als sein Gummibärchen essender Vorgänger. Der hatte den Braten wohl schon gerochen und allein das Konzept mit der Hunziger, die ähnlich der dämlichen Vivi, einzig das blonde Quotendummchen sein sollte, als nicht mehr zeitgemäß angesehen haben muss. 

http://www.n-tv.de/leute/Lanz-streicht-die-Segel-article12606851.html

 

 

 

 

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Spring Böcklein

Heute darf ich einen neuen Gast auf meinem Block begrüßen: Ignaz Zwirngiebel. Danke, an ihn und gerne möchte ich sein Spring Böcklein von ihm präsentieren.

 

Mit einem Summen des gleichnamigen, allerorts bekannten Weihnachtsglöckchengeklingel kann dieser zärtlichen Annäherung von Ignaz Zwirngiebel ein durchaus feierlicher Rahmen gegeben werden … bei Bedarf dürfen gerne auch 47 Lichtlein erleuchten. Oder waren es 46?

 

 

Spring Böcklein

 

Spring Böcklein, Springelingeling
Schwing Röcklein, Schwing

Mutter wetzt die Messer
Vater leert die Fässer
Opa kliebt die Scheite
Oma sucht das Weite

Sing Söcklein, Singelingeling
Bring Bröcklein, Bring

Sie rüsten für die Feste
Braten für die Gäste
Ente, Gans und Unschuldslamm
Karpfen, Reh und Badeschwamm

Zwing Stöcklein, Zwingelingeling
Schling Tröpflein, Schling

Es ist wieder Weihnacht
Es ist wieder Sauschlacht
Lammschlacht, Rinds- und Kalbschlacht
Stille Schlacht, Heilge Schlacht
Gute Nacht…

 

© Ignaz Zwirngiebel

 

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Waagemann

von Conrad Cortin


Hole mich schleunigst hier raus; die Adresse ist Strindberg Straße 13. Seit drei Tagen versuche ich vergeblich, mich zu verabschieden. Dabei wollte ich höchstens zwei Stunden bleiben. Du kennst die Leute nicht. Die Frau des Hauses lernte ich selber erst vor zwei Wochen kennen. Ich kam mit ihr bei einer Astrologentagung ins Gespräch. „Sie sind Waagemensch, wunderbar, ich bin Widder, lassen Sie uns das Thema bei mir zu Hause vertiefen. Ist Ihnen der Samstag Abend recht?“


Ich habe den Fehler gemacht und mich an die Vereinbarung gehalten. Sie stellte mir ihre Familie vor. Ihre drei Kinder und die Großeltern. Alle Feuerzeichen im vierten Haus, mühsam erstickte Flammen; hinter den Fassaden schwelt es. Auf mich als Waagemensch laden sie seit nun über einer Woche ihre Differenzen ab, mal auf die eine Seite der Waage, mal auf die andere. Und ich soll das Gleichgewicht herstellen. In einem sind sie sich allerdings einig: Sobald sie mich fortlassen, geraten sie sich wieder in die Haare. Der Ehemann, seines Zeichens Wassermann, machte sich vor Monaten zu anderen Ufern auf. Die Vermittlerrolle lag ihm nicht. Ich kann es ihm nachfühlen.


Leider muss ich zugeben, dass ich nicht zum ersten Mal Opfer meiner Gutmütigkeit geworden bin, dieser ärgerlichen Schwäche nicht „nein“ sagen zu können. Dabei war ich als Waagemann innerlich vom ersten Augenblick an in Opposition gegen diese Widderhausfrau. Ich halte es hier keinen Tag länger mehr aus. Du musst mich rausholen. Sie haben mein Fahrrad versteckt. Bis ich zu Fuß zum Bahnhof komme, haben sie mich leicht eingeholt. Ohne Deine Hilfe bin ich verloren.

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Aus den Augen

In Gedenken an Katja Kortin, die vor zwei Jahren von uns gegangen ist.

 

Aus den Augen
von Katja Kortin

Dorothea hat den Gang zum Krematorium lange vor sich hergeschoben, aber es muss sein. So selbstverständlich sie es findet, dass Jakob sie dorthin begleitet, so unbehaglich ist ihr dabei zumute.
Die blasse Hagere an der Schreibmaschine fertigt die Urkunde aus. Mit den Worten „36,- Euro“ schiebt sie ihr das Dokument zur Unterschrift über die Theke und setzt hinzu: „Mit oder ohne Ermordung?“ Dorothea ist platt. Was hat denn Ermordung damit zu tun? „Ohne natürlich!“ entscheidet sie entrüstet.

„Dann“, erklärt die Beamtin in gleichgültigem Ton, „kann ich Ihnen das Dokument nicht aushändigen. Ohne Ermordung hat es nur drei Monate Gültigkeit.“

„Und wenn ich die Frist einhalte“, erwidert Dorothea aufgebracht; insgeheim einen wenigstens etwas wärmeren Ton erwartend. Die Beamtin aber ist bereits mit anderem befasst. Dorothea wendet sich ab, begreift nicht wie bar jeglicher Anteilnahme eine so heikle Sache abgehandelt wird.

Der Weg ins Freie führt durch einen unabsehbar langen Flur, vorüber an einer weit offen stehenden Tür. Sie blickt in die weite Halle, die voll besetzt mit schwarz gewandeten Leuten ist. „A u s d e n A u g e n a u s d e m S i n n“, echot die Stimme des Predigers vielstimmig von den Wänden des Gewölbes zurück. Im Freien angelangt bemerkt Dorothea gleich nebenan das Herren-Krematorium. „Bei mir war das mit der Ermordung nicht“, grübelt Jakob deutlich vernehmbar vor sich hin. Dorothea wartet darauf, dass er weiter redet; zum Beispiel: Unsinn. Das mit der Ermordung machen wir natürlich nicht! Aber er sagt nichts weiter. Sie zieht ihren Umhang fester um sich und geht unwillkürlich schneller. Ihr ist kalt.

 

© Katja Kortin

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