Archiv für Mai 2013

Desillusion

von Enya Kummer aus dem Buch

Desillusion

Dieses Haus, zu leer, zu groß.
Die Stadt liegt tot,
verblasst die Farben der Nacht.

Einst zart gesponnener Ort
der Liebenden ist nun
Reich der Nebel und der Stille.

Schritte, die auf
dem Pflaster hallen,
führen zu Schattenruinen,

erhaben dort,
wo wir einst am Ufer
schliefen und dachten,
Sterne zu pflücken.

Der Fluss treibt schmutzig
und träge hin zum Morgen,
der Nachtillusionen verschluckt.

Das Lyrik-Buch ist unter folgendem Link ganz zu sehen – http://www.buch-schreiben.net/kurzgeschichte/lesen2.php?story=90753

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Wege gehen

Wir gehen Wege,

wohl wissend,

dass es keinen Weg gibt,

der endlos ist.

Ist der Weg wirklich das Ziel?

Sind vielleicht gerade Ziele

die Endlichkeiten unserer Wege?

Welchen Weg auch immer wir wählen,

er verpflichtet.

Kein Weg ist steinig genug,

als dass er unbegehbar ist

und kein Stein ist nur ein Hindernis.

Er kann schmücken, 

er mag den Weg glätten 

oder den Weg führen. 

Wir kennen sie alle,

diese Steine

und wir gehen sie ständig,

diese Wege.

Sie mögen uns vor Gefahren mahnen 

und doch ständig

den Reiz in uns wecken

wissen zu wollen,

was hinter diesen Steinen ruht, droht.

© Kariologiker

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Penelope von Saltimbocca

Penelope von Saltimbocca ist tot

Aktennotiz: PvS/Wol/Tee-06.102009-815763.1-wol Bitte bei allen

Schreiben bitte mit angeben.

Höchste Priorität – Zur Vorlage Frau Ministerin U. Schmidt persönlich.

Der Tatbestandnach Anwenderaussage:

Der Trauermarsch erklang eher zufällig im Radio und es entstand ein

tief betroffenes Schweigen. Penelope ist tot. Die 1,276 cm große, adelige

Springspinne, Penelope von Saltimbocca, die seit 2 Tagen im rechten

Waschbeckenwinkels des linken Behandlungszimmers im zweiten Stock

eines dreistöckigen Büro- und Wohngebäudes immer brav und

angenehm unaufdringlich, ja geradezu höflich, distinguiert den

Waschungen beigewohnt hatte, war durch höhere Gewalt abrupt in den

Tod gerissen worden.

Eine noch 13jährige mimikreduzierte Botox Patientin hatte gerade die

Leitungsanästhesie im Unterkiefer rechts gesetzt bekommen, als sie

entsetzt, mit zu Berge stehenden Haaren (Dreiwettertaft) im rechten

Augenwinkel, durch die Winkelwirkung und der damit, in ihrer myopen

Fehlsichtigkeit verbunden vergrößernden Verzerrung der Darstellung,

gesehen hatte, wie sich Penelope, die gerade aufgestanden war und sich

nun umdrehen wollte, damit sie ordentlich den Hintern versohlt

bekommt – was ihr während ihres langen, unbemerkten Aufenthaltes

immer gefallen hatte – also genau in diesem Augenblick, jedenfalls,

erblickte die 13jährige Botox benebelte sie, die Springspinne Penelope,

und mit einer tai-chi-chuan-ähnlichen, reflexartigen Bewegung landete

ihre unschuldige, vom Beten und Beichten noch reine, weiße und

makelfreie Hand aus nicht unerheblicher Höhe in der ganzen Länge und

Breite auf Penelope.

Alle Wiederbelebungsversuche waren vergebens. Ein eigens, eilig

herbeigerufenes Arachno-Rescue-Team der Schweizer Spezial-

Cavumwacht kam nur wenige Minuten zu spät. Penelope erlag den

Folgen ihrer Schlafsucht.

Penelope ist tot. Keiner konnte die Angehörigen rechtzeitig unterrichten

und so landete Penelope nach großen Ach und Weh, nach sorgfältiger

Enthaarung und vonhagenscher Plastifikation, mit anschließender,

intensiver alkoholischer Sterilisation im Papierkorb der nahen, nicht

ortsgebundenen Bedürfnisanstalt. Ihrem Andenken wurde im Dixi-Klo

Nr.: 12462357,7 mit einem goldenem, dokumententauglichen Edding

die letzte Ehre erwiesen.

Keiner trauert um Penelope … wann gibt es endlich Kaffee und

Streuselkuchen?

Der Leichenschmaus fiel leider aus und das war durchaus

nachvollziehbar, wenn auch strittig. Liegt doch mittlerweile dieser

Vorgang als Begründung für einen Verfahrensanweisungsvorschlag einer

Arbeitsgruppe des unteren Vorschlagsgremiums des

Gesundheitsministeriums unter der federführenden Leitung des

ehemaligen Patienten und Ressortleiter, Dr. rer.pol. Willi Wolverast, vor,

den er persönlich mit der höchster Wichtigkeitsstufe versehen hatte, er,

Dr. Wolverast, persönlich!

Was war passiert, dass es ihn, Dr. Wolverast, immer wieder in einer,

für sein Ressort eher unverhältnismäßigen, ja, fast hartnäckigen

Intensität und Beharrlichkeit, mit seinem Antragsvorschlag vor Trullalas

Türe trieb?

Antragsausführungsbegründung: nach Anwenderaussage

Erst letztes Jahr, es war ebenso traurig, wie unerwartet, denn wir

wollten gerade um etwas trauern, ist die Teerraupe „Blacky“ direkt vom

vorderen Rand der Behandlungslampe – wohl wegen der erheblichen

Zunahme der Wärmeentfaltung – nach verzweifelten Versuchen doch

noch irgendeinen Halt zu erhalten, wohl eher versehentlich abgerutscht

und von dort aus ungebremst in den Mund von Manfred Wolverast, dem

Bruder von Dr. rer.pol. Willi Wolverast, seines Zeichens Oberstudienrates

und Lehrer für Biologie und angewandte Thermodynamik, derart

ungünstig hinein gefallen, dass dieser, M. Wolverast, unmittelbar an den

Folgen eines Teerraupenbronchialkarzinoms brachial sich seiner

Bronchien, noch vor den Augen der Aufsicht führenden Ziehschwester

seiner Mutter Hildegard entledigt hatte, war während der nun auch für

diesen außergewöhnlichen und zutiefst bedauernswerten Zwischenfall

bei der, mit großer Anteilnahme besuchten Trauerfeierlichkeiten, die

hauseigene Kaffeemaschine schon nach den ersten zwei Kondolierenden

nur noch bereit, Tee zu kochen.

Tja, watt so alles kaputt gehen kann … traue keiner Kaffeemaschine vor

13.64 Uhr.

Anmerkung des Verfassers:

Nach unbestätigten Informationen soll der Antrag „Kaffeemaschinen bei

Trauerfeierlichkeiten“ noch morgen dem TÜV Rheinland vorgelegt

werden, der seinerseits in einer Vorankündigung schon einer

gutachterlichen Vorprüfung stattgegeben hatte, wohl dem Papier keine

Zustimmung erteilen werden, weil in den Augen der juristischen

Oberinstanz des Fachnebenressorts „Maschinen in öffentlichen

Veranstaltungsstätten“ des TÜVs, nach erster Voreinschätzung, ganz

entscheidend für eine weitere Prüfung es sich nicht um eine

Teemaschine handeln würde und in der gleichen gutachterlichen

Vorabstellungnahme dem Ansinnen von Dr. rer.pol. W. Wolverast

obendrein vorzuwerfen wäre, dass eine klar heraus lesbare, rassistische

Einstellung den Teetrinkern gegenüber mit den geltenden, gesetzlichen

Bestimmungen derzeit nicht vereinbar wäre.

© Kariologiker

PS Saltimbocca bedeutet auf Deutsch: Spring in den Mund

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Schneller Fußgänger

 

Es kam plötzlich einfach so über mich. Der elendige Ischias macht mir lang schon kein‘ Spass und da dachte ich so unbedarft und eigentlich gar nicht ganz ernst, vielleicht jogge ich mal um unsere Talsperre.

Keine Angst, man hat sie nicht leer gepumpt als man mich kommen sah, denn heute morgen habe ich nach dem ersten, zart erkennbaren Sonnenstrahl mich dann sportiv bekleidet und bin los gelaufen.

 

Zum Glück gibt es nette Freunde, die einem in solch „weltfremden“ Ansinnen mit guten Ratschlägen zur Seite stehen und nachdem ich auf einem sozialen Netzwerk mich dazu unsozial geäußert hatte, bekam ich postwendend die ultimative Gebrauchsanweisung für den schnellen Fußgänger gepostet. Vorweg möchte ich nicht vergessen zu erwähnen, dass eine schnöde Trinkflasche nicht reicht … ausgerüstet mit einer Minibar, zwei 1000 Watt-Lautsprechern, die mich mit Heinos „Hoch auf dem gelben Wagen“ motivierten läuft es sich gleich viel besser.

 

 

Eike Caren hat geschrieben: „Die Erstausstattung für den ungeübten Läufer: Dress mit Vor- und Rückstrahlern, so wie eingebauter Klimaanlage. Der Aufdruck auf der Brust sollte die komplette Adresse sein, auf der Rückseite günstigstenfalls eine Anfahrskizze zum nächsten Krankenhaus. Erste- Hilfe- Pack mit mindestens einer behelfsmäßigen Schiene (man läuft ja nicht immer durch den Wald). Eine Kappe oder ein Hut mit Schweißband und kombiniertem Regenschirm- Ventilator oben drauf. Die dafür nötigen Batterien trägt man praktischerweise am Hosenbund, n dem auch eine Trinkflasche (mind. 1 Liter) und ein fotofähiges Handy befestigt sein sollten. Auch die Schuhe sollten mit Vor- und Rückstrahlern ausgestattet sein. Mit einem Edding vermerkt man darauf die Blutgruppe und eine kurze Patientenverfügung. Selbige tätowiert man sich, mitsamt Anfahrtsskizze, Adresse, heimischer Telefonnummer und dem Namen der nächsten zu informierenden Person (und deren Telefonnummer, falls nicht mit der eigenen identisch) an eine gut sichtbare Körperstelle. nun kann nix mehr schief gehen – auf zum ersten Run!!!“

 

 

Natürlich habe ich keinen der gute Ratschläge Folge geleistet, was man sich nur leisten kann, wenn man die Folgen kennt. Morgen kaufe ich mir einen Runmeter, so eine App für mein iPhone, um jeden Lauf-Meter über das wichtigste Netzwerk unserer Zeit GPS gesteuert simultan allen Menschen die es wissen sollen, ob sie wollen oder nicht mitzuteilen. Nein, diese Anwendung gibt es noch nicht für Amokläufer!

 

 

© Kariologiker / Eike Caren Handtrack

 

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