Archiv für Dezember 2014

Wünsche

Ich wünsche nichts mehr. Mir wünsche ich nichts mehr, warum auch? Und anderen Menschen eigentlich auch nicht. Ja, glaubt wirklich jemand noch, dass Wünsche wünschen wirklich wirken wird? Wen bittet man denn um diesen Wunsch? Beim Jahreswechsel etwa das Jahr, das als nächstes kommt? Man wünscht sich für einen begrenzen Zeitraum also etwas von der Zeit, die keinen Raum hat.
Gut. Ich gebe es zu, ich wünsche auch zu vielen Gelegenheiten vielen Leuten ganz unterschiedliche Dinge. Ich wünsche Erfolg vor einem Auftritt oder einer Klausur, für eine Wohnungssuche, einer Geburt und vielem mehr. Doch hier ist der Wunsch eingebettet in den Gedanken an das, was eine faktische Grundlage hat. Ich wünsche auch jemanden sechs Richtige im Lotto, obwohl das schon eher an Esoterik grenzt. Ich wünsche natürlich oft Glück, doch dieser symbolische Wunsch ist, bei aller Bescheidenheit, schlicht nur eine Floskel, eine, in fast jeder Sozialisation gut etablierte Pflichtübung. „Und? Was sagst man da?“ Wer kennt diese Aufforderung nicht aus seiner Jugend, die tausend mal von Müttern und Vätern eingefordert wurde?

Was ist mit dem Wunsch, wenn er sich ins Gegenteil umkehrt, wenn alles andere passiert als das, was man gewünscht hat? Es fällt nicht mal einem auf, so, wie ich schon Tage nach dem Wünschen nicht einmal mehr weiß, dass ich etwas gewünscht habe oder was ich gewünscht habe? Wer weiß denn noch, was er sich und anderen beim letzten Jahreswechsel gewünscht hat? Ich wüsste es nicht zu sagen.
Mir kommt der Spruch „Happy new Year“ eher so vor, als dass man erleichtert ist ein vergangenes Jahr hinter sich gebracht zu haben. Wie auch immer. Und das ist bestimmt oft berechtigt.
Wie nutzlos jedoch solche Wünsche sind, wird ganz deutlich, wenn wir in die Welt hinaus schauen. Wer wird sich je gewünscht haben, dass Menschen Köpfe abgetrennt werden, sich schwarze gekleidete Gestalten hinter einem Gott verstecken, um damit Gräueltaten zu legitimieren? Wer wird sich je gewünscht haben, dass das Schiff mit dem man fahren wird, ein Unglück haben soll, ein Flugzeug, mit dem man fliegen wird, abstürzen wird? Natürlich niemand, im Gegenteil, jeder hat sich gegenseitig eine gute Reise gewünscht. Und dann hat es eben nicht geklappt. Pech, oder?
Was kann man sich zum Jahreswechsel sonst noch wünschen? Gute Vorsätze? Kennen wir uns so schlecht, dass wir einen Wunsch äußern, den wir genau in dem Moment verwerfen können, in dem wir ihn ausgesprochen oder gedacht haben? Wer hat sich jemals der guten Vorsätze erinnert, sie umgesetzt? Ich nicht.
Ich glaube weder an Wünsche, noch an Wunder. So wünsche ich auch nichts, was keine Aussicht auf Erfolg hat, wenn sie mehr mit Wunder als mit der Realität zu tun haben.
Das Einzige, was ich zum Jahreswechsel machen werde, ist, wenn überhaupt, beruht nur auf reinem Aberglauben und auch daran glaube ich nicht. Also mache ich es schlicht nur zum Spaß. Schaue vielleicht den explodierenden Raketen zu, schütte mir genüsslich guten Schaumwein in den Hals und gehe dann ganz undramatisch zu Bett.
Denn am nächsten Morgen kommt, ebenso fantasielos, nur ein neuer Tag.
Mehr nicht.

© Kariologiker

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IT Christmas Deutsch

IT Christmas (2003 oder 2004)

Wie häufig, wenn man mit der eigenen Sprache das Problem hat, sie mit sinngerechten oder wörtlichen Synonymen einzusetzen, behilft man sich einer Verfremdung, die normalerweise nur einer sehr engen „Usergroup“ zugänglich ist. So auch hier. Ich habe davon nur deswegen etwas verstanden, weil es sich offensichtlich um Weihnachten dreht. Wir werden uns diese Sprache angewöhnen müssen, wenn wir Up to Date sein wollen, ob wir wollen oder nicht.

Memo: Weihnachtsvorbereitung
To: Distribution

Wie Weihnachten 2003 im Internet gezeigt hat, heißt Weihnachten nicht mehr Weihnachten, sondern X-mas, also muss der Weihnachtsmann auch X-man sein!
Da X-mas 2004 quasi schon vor der Tür steht, ist es spätestens ab März höchste Zeit mit der Weihnachtsvorbereitung zu beginnen – Verzeihung: das diesjährige Weihnachts-Roll-Out zu starten und die Christmas-Mailing-Aktion just in Time vorzubereiten.

Hinweis: Die Kick-off-Veranstaltung (früher 1. Advent) für das diesjährige SANCROS (SANta Claus ROad Show) findet bereits am 3.Dezember 2004 statt. Daher wurde das offizielle Come-Together des Organizing Committees unter Vorsitz des CIO (Christmas IlluminationOfficer) schon am 6. Januar abgehalten.
Erstmals haben wir ein Projektstatus-Meeting vorgeschaltet, bei dem eine in Workshops entwickelte „To-Do-Liste“ und einheitliche Job Descriptions erstellt wurden. Dadurch sollen klare Verantwortungsbereiche, eine powervolle Performance des Kundenevents und optimierte Geschenk-Allocationgeschaffen werden, was wiederum den Service Level erhöht und außerdemhilft, „X-mas“ als Brandname global zu implementieren.

Dieses Meeting diente zugleich dazu, mit dem Co-Head Global Christmas Markets (Knecht Ruprecht) die Ablauf-Organisation abzustimmen, die Geschenk-Distribution an die zuständigen Private-Schenking-Centerssicherzustellen und die Zielgruppen klar zu definieren.

Erstmals sollen auch sogenannte Geschenk-Units über das Internet angeboten werden. Die Service-Provider (Engel, Elfen und Rentiere) wurden bereits via Conference Call virtuell informiert und die Core-Competences vergeben.
Ein Bündel von Incentives und ein separater Team-Building-Event angeeigneter Location sollen den Motivationslevel erhöhen und gleichzeitig helfen, eine einheitliche Corporate Culture samt Identity zu entwickeln.

Der Vorschlag, jedem Engel einen Coach zur Seite zu stellen, wurde aus Budgetgründen zunächst gecancelt. Statt dessen wurde auf einer zusätzlichen Client Management Conference beschlossen, in einem Testbezirk als Pilotprojekt eine Hotline (0,69 ct/Minute Legion) für kurzfristige Weihnachtswünsche einzurichten, um den Added Value für die
Beschenkten zu erhöhen.
Durch ein ausgeklügeltes Management Information System (MISt) ist auch Benchmark-orientiertes Controlling für jedes Private-Schenking-Center möglich.
Nachdem ein neues Literatur-Konzept und das Layout-Format von externen Consultants definiert wurde, konnte auch schon das diesjährige Goldene Buch (Golden Book Release 99.1) erstellt werden.
Es erscheint als Flyer, ergänzt um ein Leaflet und einen Newsletter für das laufende Updating.
Hochauflagige Lowcost-Giveaways dienen zudem als Teaser und flankierende Marketingmaßnahme.
Ferner wurde durch intensives Brain Storming ein Konsens über das Mission Statement gefunden. Es lautet „Let’s keep the candles burning“und ersetzt das bisherige „Frohe Weihnachten“.
Santa Claus hatte zwar anfangs Bedenken angesichts des Corporate-Redesigns, akzeptierte aber letztlich den progressiven Consulting-Ansatz und würdigte das Know-how seiner Investor-Relation-Manager.

In diesem Sinne noch erfolgreiche X-mas Preparations für das Jahr 2014.

c&p by Kariologiker

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Ein amerikanischer Weihnachtsmann


Es ist der 1. Weihnachtstag. Der Tag, an dem man sich in Amerika zu Weihnachten beschenkt. Nein, wo der Amerikaner sich schön amerikanisch beschenken lässt. Von einem echten Weihnachtsmann! Jawohl!

Dazu muss dieser Weihnachtsmann bei den amerikanischen Bürgern erst mal durch den Schornstein rutschen – und  danach bleibt immer alles sauber und adrett, ganz Amerika ist schon Hollywood, doch keiner merkt es.
 Der gemeine Amerikaner baut sich sehr wahrscheinlich ausschließlich für den Weihnachtsmann einen Kamin in sein Wohnzimmer, damit Weihnachten nur ja nichts schief gehen kann. Der Kamin wird bestimmt in seinem ganzen Leben für nicht anderes benutzt, als für den Weihnachtsmann, sonst wäre der Weihnachtsmann ja hinterher immer schwarz und das ginge ja auf keinen Fall. Vielleicht lila, ausnahmsweise. Aber Schwarz wäre ja genau das, was die Erfinder nicht wollten. Einen Schornsteinfeger.


Warum ist der Weihnachtsmann eigentlich nicht das Maskottchen von den Schornsteinfegern geworden? Weil der original Weihnachtsmann ja auch kein Weihnachtsmann ist, sondern ’ne Witzfigur. Ehrlich! Wenn man sich den mal ein bisschen genauer anschaut, dann sieht man ein verschwitztes Lächeln in seinem Gesicht. Oder? Der sieht doch immer so ein bisschen danach aus, als ob er nicht ganz zurechnungsfähig wäre und die freundliche Zuneigung den Kindern gegenüber scheint mir nur gespielt, ganz so, wie wir es eben von Hollywood nicht anders kennen.

Und wer hat’s erfunden? Nein, nicht die Schweizer, sondern Coca-Cola. 

Genauer gesagt hat diesen Weihnachtsmann ein Schwede erfunden, also gemalt. Erfunden haben ihn die Werbefritzen von Coca-Cola, zumindest den, der in Amerika von Haus zu Haus durch alle Kamine rutscht und in allen Schaufensterauslagen sitzt und brav: „Hoh, hoh, hooohhh“ sagt, aber das erwähnte ich ja bereits. Woher ich das weiß? Nun, er hat es uns selbst gesagt. Der Schwede, also der Maler von diesem Weihnachtsmann. Doch wer mir nicht glaubt…


Der beste Beweis für die schwedische Urheberschaft ist das Ren -Tier. Der Nordamerikaner hat in der Regel keine Ren -Tiere, sondern dort leben die Karibus. Genauso, wie es am Nordpol keine Pinguine gibt, gibt es in Amerika keine Rentiere, auch wenn sie im Wesen sehr verwandt sind. Die gibt es nur und sogar ausschließlich in Skandinavien. Und weil die Amerikaner alles lustig finden und sogar ein Murmeltier zur Wettervorhersage nutzen, haben die Amerikaner jetzt ein exemplarisches Rentier Rudolf genannt. Und weil der Name Rudolf für ein Rentier – oder für Amerikaner oder gar beidem – nicht witzig genug ist, hat er eine rote Nase bekommen. Und Rudolf ist ein Rentier und nicht etwa ein Karibu mit einer roten Nase.

Schon wegen des anheimelnden Liedes, dass eher einer Weihnachtshymne gleichkommt, in dem eben diese eine Rentier Hauptdarsteller ist, kann Rudolf niemals ein ernsthaftes Zugpferd für den Aladinschlitten des Weihnachtsmannes werden. 
Und dieser Rudolf ist ja auch eine richtig ‚Dumme Nuss‘ und für jeden Ulk zu haben. Eine schenkelklopfende Lachnummern, diese Rentiere, oder? 
Doch warum wohl hat gerade Rudolf eine rote Nase? Eine rote Säufernase für ein Rentier? Diese Nase muss Rudolf tragen, weil der Weihnachtsmann es nicht darf! Auch wenn er so aussieht, wie ein „alter Schwede“. Schließlich hauen sich die Schweden – besonders die Weihnachtsmänner aus Schweden – wo sie gehen und stehen den Alkohol in den Kopf. Das machte ich schließlich auch, wenn’s mir so kalt wäre. Und in Skandinavien kann es ja empfindlich kalt werden. Na, ja, wenn’s hilft…


Also der Weihnachtsmann, den wir so gerne unseren Kindern zeigen … bravo Coca-Cola … ist in Wirklichkeit ein schwedischer Suffkopp. (Sorry, Haddon Sundblom – so heißt der Maler. A.d.R.) 
Habt ihr mal den Maler, also, den Erfinder von dem Weihnachtsmann gesehen? Der Weihnachtsmann sieht wie ’ne Karikatur seines Zeichners aus. Der Maler hat sich sicher selbst zum Vorbild genommen, denn wie wir wissen, leben die Menschen in Schweden, wie überhaupt in ganz Skandinavien – außer in den Großstätten – weit auseinander und da hat der Maler bestimmt in Ermangelung eines passenden Modells einfach in den Spiegel geschaut und wird sich wohl gesagt haben, ‚den nehme ich, bevor ich gar nichts zu Papier bringe‘. 
Das Ergebnis dieses Schweden ist heute schon so etabliert, dass wir uns schon gar keinen anderen Weihnachtsmann mehr vorstellen können. 


Und da sage einer noch, Werbung funktioniere nicht.

 



© Kariologiker

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