Beiträge getaggt mit Lyrik

Güldne Sonne

Golden Sun Fun

Die güldene Sonne – Jazz von 1666?

Eines der Lieblingslieder meiner Frau ist die Komposition von Johann Georg Ebeling – geb. 1637 in Lüneburg, gestorben 1676 in Stettin – zu einem Text von Paul Gerhardt.

Die güldne Sonne.

Ihre Begeisterung für dieses alte, evangelische Kirchenlied nagte lange an mir, bis ich dann endlich zur Gitarre griff und ein Arrangement schrieb. Im Laufe der Bearbeitung des Originalnotentextes in eine griffige Gitarrenversion setzte sich mehr und mehr der Jazzer in mir durch, ein fast 350 Jahre altes Lied verwandelte sich in ein Jazzstück. Ich habe den Titel von Gerhardt übernommen, obwohl ich es „Golden Sun Fun“ nennen wollte. Während meiner Arbeit glühte mein Herz, das des Musikers und das des Suchenden.

So bin ich von der Lyrik schon begeistert, die ich hier einmal für die erste Strophe zitieren möchte.

  1. Die güldne Sonne,
    Voll Freud und Wonne
    Bringt unsern Grenzen
    Mit ihrem Glänzen
    Ein herzerquickendes,
    Liebliches Licht.
    Mein Haupt und Glieder,
    Die lagen darnieder;
    Aber nun steh ich,
    Bin munter und fröhlich,
    Schaue den Himmel
    Mit meinem Gesicht.

Sicher ein religiös initiierter Text, aber auch rein neutral betrachtet sind die wunderbaren Bilder in dieser Dichtung einfach schön. Doch ist das nur eine Seite dessen, die mich noch weitaus mehr fesselte, als ich es hier ausführen mag. Dieses Werk, fast unscheinbar und nicht selten in den Kellern von Kirchen begraben, birgt noch viel mehr als nur Literatur, es ist eine Komposition die mir einem Wunder gleicht.

So kam ich über Gerhardt von der Poesie zur Musik. In meiner Recherche zu J.G. Ebeling stolperte ich schließlich unweigerlich auch über Andreas Werckmeister, der die, für Musiker bekannte Werckmeister-Stimmung – später auch unter wohltemperierte Stimmung bekannt geworden – zwischen 1681 bis 1691 veröffentlicht hatte. Warum ist das nun für die Komposition von J.G. Ebeling so wichtig, dass ich es hier nun erwähne?

Zur Zeit Ebelings gab es höchstens mal ein „Gute Stimmung“, die eher eine saumäßig schlechte war und das bedeutete für alle Komponisten, dass sie in ihrer Wahl an Harmonie-Tönen eingeschränkt waren und somit nur wenige Harmonien miteinander kombinierbar waren. Es war einfach grausam zu hören, wenn sich Intervalle gegenseitig in Dissonanzen bringen. Eigentlich ein Zustand, bei dem man nicht komponieren kann, zumindest ist es heute nicht mehr für westlich geprägte Musiker denkbar.

Als J.S.Bach die Werckmeister-Stimmung zur Verfügung hatte, also eine Klavierstimmung, wie wir sie heute als normal kennen, schrieb es direkt das große Werk „Das wohltemperierte Klavier“, bei dem J.S. Bach für alle Tonarten chromatisch (in Halbton-Schritten) ein Präludium mit Fuge schrieb.

Das war 30 Jahre nachdem J.G. Ebeling seine „Die güldne Sonne“ geschrieben hatte. Als Bach an seinem Wohltemperierten Klavier schrieb, war Ebeling schon verstorben. Und so frage ich mich als Musiker natürlich, wie viel Potential in J.G.Ebeling geruht haben musste, der ohne die Hilfe der Wohltemperierung eine Komposition geschrieben hatte, die durchaus heute als Jazzstück seine Berechtigung fände, ja, vielleicht den Jazzer in Ebeling geweckt hätte.

Anhand meines Gitarrenarrangements werden einige bestimmt hören können, wie viele Harmonien ich eingebaut habe, die eindeutig jazzig sind und für den Jazz typisch, sehr vielschichtig sind. Bei einer solchen Noten-Vorgabe kann man als Musiker nur dankend und ehrfürchtig den alten Meistern Respekt zollen, die ich mit meiner Bearbeitung meine nicht besser zollen kann.

Vielen Dank, Herr Johann Georg Ebeling.

© Kariologiker

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Friedens-Krieg

Die Mutter der Kompanie

hat sich ums Vaterland

verdient gemacht

und es ward Friede.

 

Hat der Friede

jemals nach Krieg gerufen?

Will der Friede Krieg?

Ist Krieg der Vater des Frieden?

 

Warum nehmen so viele

das Wort Frieden in den Mund,

wenn sie nicht wissen,

was der Friede wirklich will?

 

© Kariologiker

 

 

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Ins Auge geschaut

IRIS

Beim Betrachten der Iris

fragte sich Iris,

was von der Iris

ihr ist.

*

 Irritiert sah Iris ihr Tier,

das erstaunt

das Tier

in Iris Iris sah.

*

 Ungläubig sah Iris ihr Tier,

aus dessen Iris

Iris irritiert

ihre Iris sah.

© Kariologiker

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Schlanke Lyrik – dick aufgetragen

 

 

Wir Menschen sind zum Posten da –

im Internet da kann man’s ja.

Doch ist es keine richt’ge Post,

eher weichgekochte Hausmannskost


So manche Lyrik

Kür ik

Wie Schuhe,

die manikür’ik

in Ruhe.

Auch wenn der Schlamm dick.


Doch wenn durch Urgewalten

Worte mehrfach um und umgefalten

Dann kann ich mich auch nicht mehr halten

Und so lass ich die geballten

Gedanken ranken,

bis sie erschlanken,

die kranken.


Wie hässlich

Unendlich grässlich

Zeilenqual

Alle mal

Ein Jammertal.

Mir egal.


© Kariologiker

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Tagtraumtrugschluss

Ich gehe mit einem Tagtraum in die Nacht, um ungestört schlafen zu können. Ich träume selten und meistens weiß ich am anderen Tag nichts mehr davon. Wenn ich jedoch sehe, wo ich mich morgens wiederfinde, weiß ich, dass die Nacht ein aktives Schauspiel gewesen sein muss. Schade, dass ich dann nie erfahren werde wie das Theaterstück hieß.

© Kariologiker

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