Archiv für Dezember 2013

Güldne Sonne

Golden Sun Fun

Die güldene Sonne – Jazz von 1666?

Eines der Lieblingslieder meiner Frau ist die Komposition von Johann Georg Ebeling – geb. 1637 in Lüneburg, gestorben 1676 in Stettin – zu einem Text von Paul Gerhardt.

Die güldne Sonne.

Ihre Begeisterung für dieses alte, evangelische Kirchenlied nagte lange an mir, bis ich dann endlich zur Gitarre griff und ein Arrangement schrieb. Im Laufe der Bearbeitung des Originalnotentextes in eine griffige Gitarrenversion setzte sich mehr und mehr der Jazzer in mir durch, ein fast 350 Jahre altes Lied verwandelte sich in ein Jazzstück. Ich habe den Titel von Gerhardt übernommen, obwohl ich es „Golden Sun Fun“ nennen wollte. Während meiner Arbeit glühte mein Herz, das des Musikers und das des Suchenden.

So bin ich von der Lyrik schon begeistert, die ich hier einmal für die erste Strophe zitieren möchte.

  1. Die güldne Sonne,
    Voll Freud und Wonne
    Bringt unsern Grenzen
    Mit ihrem Glänzen
    Ein herzerquickendes,
    Liebliches Licht.
    Mein Haupt und Glieder,
    Die lagen darnieder;
    Aber nun steh ich,
    Bin munter und fröhlich,
    Schaue den Himmel
    Mit meinem Gesicht.

Sicher ein religiös initiierter Text, aber auch rein neutral betrachtet sind die wunderbaren Bilder in dieser Dichtung einfach schön. Doch ist das nur eine Seite dessen, die mich noch weitaus mehr fesselte, als ich es hier ausführen mag. Dieses Werk, fast unscheinbar und nicht selten in den Kellern von Kirchen begraben, birgt noch viel mehr als nur Literatur, es ist eine Komposition die mir einem Wunder gleicht.

So kam ich über Gerhardt von der Poesie zur Musik. In meiner Recherche zu J.G. Ebeling stolperte ich schließlich unweigerlich auch über Andreas Werckmeister, der die, für Musiker bekannte Werckmeister-Stimmung – später auch unter wohltemperierte Stimmung bekannt geworden – zwischen 1681 bis 1691 veröffentlicht hatte. Warum ist das nun für die Komposition von J.G. Ebeling so wichtig, dass ich es hier nun erwähne?

Zur Zeit Ebelings gab es höchstens mal ein „Gute Stimmung“, die eher eine saumäßig schlechte war und das bedeutete für alle Komponisten, dass sie in ihrer Wahl an Harmonie-Tönen eingeschränkt waren und somit nur wenige Harmonien miteinander kombinierbar waren. Es war einfach grausam zu hören, wenn sich Intervalle gegenseitig in Dissonanzen bringen. Eigentlich ein Zustand, bei dem man nicht komponieren kann, zumindest ist es heute nicht mehr für westlich geprägte Musiker denkbar.

Als J.S.Bach die Werckmeister-Stimmung zur Verfügung hatte, also eine Klavierstimmung, wie wir sie heute als normal kennen, schrieb es direkt das große Werk „Das wohltemperierte Klavier“, bei dem J.S. Bach für alle Tonarten chromatisch (in Halbton-Schritten) ein Präludium mit Fuge schrieb.

Das war 30 Jahre nachdem J.G. Ebeling seine „Die güldne Sonne“ geschrieben hatte. Als Bach an seinem Wohltemperierten Klavier schrieb, war Ebeling schon verstorben. Und so frage ich mich als Musiker natürlich, wie viel Potential in J.G.Ebeling geruht haben musste, der ohne die Hilfe der Wohltemperierung eine Komposition geschrieben hatte, die durchaus heute als Jazzstück seine Berechtigung fände, ja, vielleicht den Jazzer in Ebeling geweckt hätte.

Anhand meines Gitarrenarrangements werden einige bestimmt hören können, wie viele Harmonien ich eingebaut habe, die eindeutig jazzig sind und für den Jazz typisch, sehr vielschichtig sind. Bei einer solchen Noten-Vorgabe kann man als Musiker nur dankend und ehrfürchtig den alten Meistern Respekt zollen, die ich mit meiner Bearbeitung meine nicht besser zollen kann.

Vielen Dank, Herr Johann Georg Ebeling.

© Kariologiker

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Als hätte die Dunkelheit…

Diese Lyrik von „Black Lady“ habe ich vor längerer Zeit vertont. Sie wird täglich schöner.

 

 

 

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Sissis Jahresrückblick

Sissi Kallinger, eine langjährige Autorenfreundin 
möchte ich heute zitieren und ihr für den Beitrag danken.

Noch zwei Tage bis Weihnachten und ich bin mir sicher, wie ich meine Wünsche formulieren soll.

Das Jahr 2013 war in vieler Hinsicht kein gutes Jahr, ich möchte es am liebsten streichen, doch das geht definitiv nicht.

Meine Gedanken 2012, ich habe sie mehrfach veröffentlicht, behalten Gültigkeit. Im Anhang sind sie noch einmal nachzulesen und für 2013 habe ich nichts hinzuzufügen.

Gedanken 2012 …

in Anlehnung an ein Lied der *Toten Hosen*

An Tagen wie diesen,

da musst du stark sein

darfst nicht spüren

den Dreck um dich her

An Tagen wie diesen

da musst du hart sein

sonst fällst du so tief

dass du spürst nichts mehr

Die Welt ist laut, die Welt ist leise

du nimmst sie nur verschwommen wahr

Geld und Wärme gehören denen da oben

und unten gefriert die Seele zu Stein

An Tagen wie diesen will die Alte sterben

denn von 45 Jahren Lohn

kann sie sich nicht das Leben kaufen

reicht ja nicht einmal als Totenlohn

Die Jugend, die macht einfach weiter

sie hat es so von den Alten gelernt

denn die sind stumm geworden

haben das Aufbegehren verlernt

Doch an Tagen wie diesen

träumt die Alte von Zukunft

von Perspektiven

und von ganz viel Mut

Sie steht auf, sie dreht sich nicht um

schreit die Ungerechtigkeit in die Welt

an Tagen wie diesen

bevor der letzte Vorhang fällt

Einem Land, das die Gelder

so ungerecht verteilt

möcht ich nicht wirklich wünschen

dass es länger in Starre verweilt

Steht doch auf ihr Leute

und schaut euch um

macht nicht länger für die da Oben

euren Buckel krumm.

© 2012 sissi kallinger

Die Hoffnung stirbt zuletzt.

Möge das Jahr 2013 ein Jahr für den Menschen werden.

Und ich ergänze: Lasst uns die Jahre leben, wie sie uns geschenkt werden. Kein Jahr ist besser, als das Jahr, das wir überlebt haben.

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Weihnachten, wirklich ein Fest der Freude – wessen Freude?

Und so lasst mich einige Gedanken formulieren.

 

Ich wünsche niemanden das, wofür man Weihnachten deklariert, ja, missbraucht (Kirche und Kommerz), aber allen ein paar ruhige Tage im trauten Kreis, etwas Ruhe, vieles leis‘, möglichst ausgelassen, manches heiß und besonders hoch die Tassen. Denkt vielleicht auch mal an jene die hungern oder in den Hallen des Kommerz rumlungern, die Unrasierten und Wegrationalisierten. An die letzten unter uns, die sich im Suff ersaufen, das einzige noch, das sie mit Freude kaufen. Werft eine Mark in ihre leeren Pappbecher oder gebt ihnen einen Burger, schenkt ihnen zwei Minuten Zeit und sie sind zu allem bereit, werden es Euch danken. Lasst Euch bestehlen und geht weiter, denn sie schämen sich alle dafür, dass wir auf sie herab blicken.

Weihnachten ist nicht mehr so schön wie in unserer Kindheit und doch denkt niemand an jene Kinder, die heute im Bombenhagel niederknien und um ihre Hoffnung flehen. Ihr werdet sie sehen, doch müsst Ihr erst hinschauen, denn das haben wir uns mit unserem Jesus erkauft und tausend Jesu’s werden es nicht schaffen, was unsere Leben uns gelehrt haben zu ignorieren.

Ich wünsche niemandem schöne Weihnacht, denn diese Floskel schmerzt all jene, die voll Leid erleben sollen, wie man uns mit einer Bibel, einem Koran erschlägt, in dem tausend mal geschrieben steht, dass es auch anders geht. Erschlagt mich lieber mit Heuchelei, denn kein Schmerz kann schlimmer sein, als die Lüge der Menschen, die sich an Weihnachten einmal im Jahr ihr Seelenheil erkaufen und anschließend in Selbstmitleid ersaufen.

Besinnt Euch ein wenig , aber nötigt bitte niemanden, der Euch von irgendjemand vorgesetzt sagt, dass alles gut ist. Dann ist nur Geiz geil…

Ich grüße Euch
Kariologiker

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Der Baum steht schief

 

M athematische Unschärfe der

Weihnachtsbaumpositionierung

Wie stellt man einen Weihnachtsbaum auf und wann steht dieser …eh … so, wie die beste aller Ehefrauen es beliebt als richtig zu betrachten, was einer Betrachtung grundsätzlicher Art zur Folge hat.

„Der steht doch total schief! Guck doch mal, siehst Du das denn nicht?“
Ich habe geguckt und versucht die physikalisch-biologisch-mathematischen Grundlage als Argument für meine Ausrichtung des Weihnachtsbaum heran zu ziehen:


„Liebschen, so einfach ist das nicht und einen Weihnachtsbaum wird man niemals gerade aufstellen können. In Folge des chaotisch-dynamischen Wachstums eines Gewächses, das wir ganz allein der Sonne zu verdanken haben, aber auch den Umweltbedingungen und der Bodenbeschaffenheit, die in Monokulturen nicht selten sehr fragwürdig erscheint, kann dieser, wie jeder andere Baum, den Du gekauft hättest, nur einer Symmetrie nach aufgestellt werden, die rein emotional zu betrachten ist. Folgte man nun mathematisch geometrischen Urinstinkten, wie wir sie in der dritten Klasse gelernt haben, dann müssten die Zweige, die der Chaostheorie nach als gerade gewachsen zu betrachten sind, aber dadurch jeder geometrischen Norm trotzen gekürzt werden. Mit jedem Versuch jedoch, in die Natur begradigend einzugreifen vergrößern wir nur das Chaos und wir werden entweder keinen Baum haben oder einen ohne Äste – und das passt doch nicht zur heiligen Symmetrien des Festes.“
„Hmmm. Aber die Spitze! Die ist doch viel zu lang. Die muss ab!“
„Auch das mag unserem natürlichen Drang nach Symmetrie durchaus gerecht werden, doch wenn wir auch nur einen Zweig oder Teile des Stammes beschneiden, wird der Baum weder schöner noch bleibt er natürlich, was natürlich gegen jede Vernunft wäre, da wir uns doch dazu bekennen die Natur so nehmen zu wollen, wie sie sich uns präsentiert.“
„Ok, Du hast ja recht, aber dann machst Du die Spitze drauf.“


„Ich … ich widme mich jetzt dem geradezu grandiosem Geschenk der Natur und gehe Schnee schieben.“

© Kariologiker

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Spring Böcklein

Heute darf ich einen neuen Gast auf meinem Block begrüßen: Ignaz Zwirngiebel. Danke, an ihn und gerne möchte ich sein Spring Böcklein von ihm präsentieren.

 

Mit einem Summen des gleichnamigen, allerorts bekannten Weihnachtsglöckchengeklingel kann dieser zärtlichen Annäherung von Ignaz Zwirngiebel ein durchaus feierlicher Rahmen gegeben werden … bei Bedarf dürfen gerne auch 47 Lichtlein erleuchten. Oder waren es 46?

 

 

Spring Böcklein

 

Spring Böcklein, Springelingeling
Schwing Röcklein, Schwing

Mutter wetzt die Messer
Vater leert die Fässer
Opa kliebt die Scheite
Oma sucht das Weite

Sing Söcklein, Singelingeling
Bring Bröcklein, Bring

Sie rüsten für die Feste
Braten für die Gäste
Ente, Gans und Unschuldslamm
Karpfen, Reh und Badeschwamm

Zwing Stöcklein, Zwingelingeling
Schling Tröpflein, Schling

Es ist wieder Weihnacht
Es ist wieder Sauschlacht
Lammschlacht, Rinds- und Kalbschlacht
Stille Schlacht, Heilge Schlacht
Gute Nacht…

 

© Ignaz Zwirngiebel

 

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Engelshaar

Wenn er sich im Schuppen umsah, kamen ihm gehörige Zweifel, ob er es es je wieder zusammen gebaut bekäme.Überall lagen die Einzelteile herum. Rudolf saß nebenan und zog sich einen Grog nach dem anderen rein und rauchte so ein unsäglich stinkendes Kraut, ein Andenken aus Afghanistan, hatte er gefaselt, wo seit kurzem auch Christen auf Geschenke warten. Er hatte seit langem schon Depressionen, weil er nicht mehr den Schlitten ziehen musste, sondern nur noch wegen dieser Coca Cola Werbung vor dem Schlitten hertanzen solle. “Das ist Dein Bier, Alter, damit will nix zu tun haben!” sagte sein Zug-Ren noch bevor er den nächsten Zug nahm, und dass er etwas für seine Nase tun wolle, ja müsse.

Nach Stunden endlich hatte er es gefunden. Bis zur Lichtmaschine war er vorgedrungen und dann hatte er es gesehen … ein Engelshaar. Es hatte sich in der Windung verfangen. Sah irgendwie unschuldig aus, hatte aber viel kaputt gemacht. Wie soll ich den jetzt wieder zusammen bekommen … und morgen soll ich … hmmm … na, ja, dann eben später. Jesus ist schließlich auch erst so im März oder Mai zur Welt gekommen, was weiß ich. Da kommt es auf einen Tag nicht an und dieser Osterhase solle sich mal nichts ins Hemd machen. Der hat sich ja nicht mit der neuen Technik herum zu schlagen. Er gehe lieber zu Fuß, hatte er noch hochnäsig gesagt.
“Rudolf,” schrie er in den Schuppen, “hilf mir wenigstens diesen Motorschlitten wieder zusammen zu bauen, muss ich denn hier alles alleine machen?”

Zum Wind (ad vent)

© Kariologiker

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