Archiv für April 2012

Glücks-Tag-Tag

 

Jetzt habe ich doch tatsächlich den Tag des Glücks verpasst … so ein Pech aber auch.

 

 

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Angeln

Ich genieße von meiner Wohnung aus einen sehr schönen Blick auf den „Chrombacher-See“, eine Talsperre, die nicht nur der Trinkwasserversorgung dient. Man kann darauf Segeln, es gibt Tauchschulen, nebst ertrunkenen Tauchern und man angelt. Bei (fast) jedem Wetter.

Angel_Mania

Ich bin heute morgen allerdings fast aus den Latschen gekippt, als ich die Anglerschar dort sah. Was machen die da? Was will man denn in einer Talsperre angeln? Die Damen und Herren, die man auf dem Bild leider nur schlecht erkennen kann, sitzen bestimmt schon seit Stunden da, jeder für sich und doch alle zusammen, schön gleichmäßig Abstand haltend angelt man in vollkommener Kontemplation? Wer angelt dort? Meistens sind es Menschen, die sich den Golfsport nicht leisten können. Doch wenn man die Ausrüstung betrachtet, dann muss man annehmen, dass sie dafür mehr Geld ausgegeben haben als für das Entertainment-Equipment für Zuhause, inklusive dem zwei Meter in der Diagonalen messenden Flatscreen-Fernseher. Und billig ist dieser Sport dann auch nicht mehr, wobei ich die Frage, was daran Sport ist, erst gar nicht stellen möchte.

Als ich in Holland in einem Spezialgeschäft für Anglerbedarf gewesen war, hat mich fast der Schlag getroffen. Es gibt nichts, was es nicht gibt und das zu entsprechenden Preisen. Und das alles sitzt jetzt bei uns am See … und wofür? Angeln die etwas? Und was machen sie mit dem Fanggut? Essen sie es? Ich glaube es nicht. Wozu der Aufwand, wozu sich den Hintern platt sitzen? Nur um mal für ein paar Stunden aus der Sozialwohnung raus zukommen?

Wenn ich das schon nicht verstehe, dann kommt mir eins noch merkwürdiger vor. Die Angeln im Verein und sogar um die Wette. Seltsam, oder?

© Kariologiker

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Lesen Sie Zeitung?

Zeitung lesen dient der Information und damit der Meinungsbildung. So lese ich natürlich täglich die Tageszeitung und bin immer wieder darüber erstaunt, wie alles, was vor eine Kamera gezerrt wird, dämlich gezwungen grinst. Das fängt bei den Politikern an und hört beim lokalen Vorsitzenden des Kaninchenzüchtervereins auf. Wer selbst schon einmal die Ehre hatte in der Zeitung mit Bild erwähnt zu werden, wird sich sicher daran erinnern, dass man immer lächeln musste, auch wenn es noch so gekünstelt aussah. Das allein jedoch wäre keiner Bemerkung würdig, wenn das die einzige Dummblödelei wäre.

Blättert man sich durch die Zeitung durch, merkt man irgendwann, dass wir sehr selektiv lesen. Die Titel reichen oft schon aus, dass man einen Artikel nicht liest. Wenn, wie gestern in unserem Käseblatt, die Headline heißt: „Merkel macht Tempo bei der Energiewende“, dann ist das schon ausreichend, um entweder dem Redakteur für sein Holperdeutsch eins um die Ohren zu geben oder den Chefredakteur zu fragen, warum er diese Überschrift zugelassen hat.

Jeder Mensch weiß, dass es keine Energiewende gibt. Denn die Einwende für die Stellwände, die die Wende bewirken soll, sie aber unübersehbar jeden Versuch eines echten, „alternativlosen“ Energiekonzeptes konterkarieren, sind unübersehbar. Tags zuvor erst hatte man verkündet, dass fast alle Fotovoltaik-Hersteller in Deutschland pleite machen und nur so lange ihre Betriebswirtschaftlichkeit gegen die Konkurrenz aus China aufrecht erhalten werden konnte, solange sie subventioniert worden sind.

Ohne einen Satz des Artikels gelesen zu haben, frage ich mich weiter, was die (neue) Floskel „Tempo machen“ wohl bedeuten soll? So spricht vielleicht das Präkariat in ihrem intelligenzreduziertem Umgangston, doch ich hätte zumindest die Umschreibung „auf’s Tempo drücken“ gewählt, weil hier zumindest die Assoziation mit einem Gaspedal, das man drückt, diese Floskel m.E. mehr rechtfertigen würde.

Nachdem ich dann diese Überschrift zerbröselt hatte, habe ich das sogenannte „Abstracts“ gelesen, also den Teil, der weniger dick und weniger groß vor dem eigentlichen Artikel kommt, in dem dann das alles noch einmal verhackstückt wird.

Angela Merkel (CDU) verschärft das Tempo in der Energiewende.“ beginnt diese Zusammenfassung – und dann kommt die Kernaussage, wie diese Verschärfung aussieht. Mario Barth würde jetzt in einer unendlichen Wiederholung den Witz mit seinem „Pass uff, jetz‘ kommt’et“ verkümmern lassen, doch dieser konditionierenden Vorspannung bedarf es bei dieser comediengleichen Selbstverstümmelung ganz und gar nicht, denn nun heißt es schlicht:

Bis Jahresende will die Bundeskanzlerin Merkel (CDU) wissen, welche zusätzlichen Netze wir brauchen und welcher Handlungsbedarf im Kraftwerksbereich besteht.“

Spätestens an dieser Stelle ist der Artikel für mich gestorben und blättere umgehend zu den Todesanzeigen weiter. Warum soll ich einen Artikel lesen, dessen Inhalt schon im Titel die politische Unfähigkeit demonstrativ zur Schau stellt.

Nett fand ich, dass man dem Leser erst gar nicht zutraut, nach nur wenigen Worten noch wissen zu können, welcher Partei unsere „Bundesmerklerin“ angehört (CDU). Danke, Westfalenpost, für diese Demaskierung, denn der Redakteur schließt hier wohl von sich auf andere.

Erinnern wir uns, wie die Energiewende zustande kam, dann ist es doch toll, dass die politische Führung dieses Landes, die vom Wähler das Vertrauen (!) zugesprochen bekam, für das Wohl unseres Landes zu sorgen, und damit für jeden einzelnen Bewohner sich dafür verantwortet, dass dessen Leib und Leben keinen Schaden nimmt, sich jetzt, nachdem sie in einem unvergleichlichen Schnellschuss ihre eigenen Überzeugungen über Bord geworfen hatten, nun wie der Wirbelwind sich nahezu in einem Affenzahn an die Aufgabe heran wagt, den Akt der Energiewende zu beschleunigen. Man will bis Jahresende – also quasi schon bis morgen! – wissen, was man für eine Energiewende überhaupt braucht.

Puhh, das ist mir fast schon unheimlich. Wenn das mal nicht in einem Geschwindigkeitsrausch endet…

Ich bin so stolz auf unsere „Bundesmerkel“ und „Mutti der Nation“, die schlägt jeden Handwerker um Längen.

© Kariologiker

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Tagtäglich gibt es den ‚Tag der Tage‘

Oder marketing-orientiert den Tag-Tag, also einem Tag, der an einen Tag erinnern soll, an dem an etwas Besonderes gedacht werden. So ein Tag ist z.B. der Tag des Buches. Dabei haben an dem Tag die meisten ihn bestimmt verpasst. So, wie ich auch und ich weiß auch nicht, wann der Tag der Erde „The Earth Day“ ist. Und warum? Der Tag des Buches ist für mich genauso sinnvoll, wie der Tag der Erde. Und noch weniger interessieren mich alle Tage von Heiligen. Und besonders wenig der Valentinstag.

Ich frage mich, wie man solche Tage schafft zu erfinden und es dann auch noch schafft diese offiziell eintragen zu lassen. Bei wem muss man diess Tage eigentlich anmelden und wo muss man sie melden? Gibt es ein Welttage-Anmelde-Amt?

Man kann fast keinen Tag in Jahr mehr ruhig leben, ohne irgend einen „Tag des Tages“ zu feiern. Bei jeder passenden und unpassenden Gelegenheit wird einem einer dieser Tag-Tage auf’s Auge gedrückt.

Beim Valentinstag ist es nun sehr deutlich, dass die Floristen dahinter stecken und es geschafft haben, neben den hohen Feiertagen eine zusätzliche Einnahmequelle zu etablieren. Gut, ‚Mon Cherie‘ hat sich erfolgreich an den Karren dran gehängt … sie sind also quasi Trittbrettfahrer.
Doch wem, außer dem Buchhandel, dem es ja nun wirklich nicht so schlecht zu gehen scheint, seit dem das „Zweitbuch“ in Mode gekommen ist, wem wird wohl die pekuniäre Belobigung Welttag zuteil? Dem Käufer eines Buches? – Entschuldigung, wenn ich lache.

Letztlich war ja, was mir rein zufällig bekannt geworden war – ich wollte nur schauen, wann wer Geburtstag hat – der Tag der Erde. Toll. Die überschwängliche Freude darüber war so groß, dass es fast keiner bemerkt hätte. Oder haben sie es bemerkt? Ist da wirklich noch jemand anderes, außer mir?

Welche neuen Feiertage gibt es denn sonst noch? Den Tag der Politiker? Den Tag des Kindes kenne ich, der muss jetzt irgendwann sein. Da gehen mir auch die Argumente aus. In einem so reichen Land, wie Deutschland, gibt es noch den Tag des Kindes. Den Weltkindertag verstehe ich, aber nicht hier. Wer verdient daran eigentlich? Die Medien und wie ich die kenne, schmeißen die ihr Geld nicht zum Fenster raus, sondern in den Rachen von Dummbeuteln, wie Bohlen und Feldbusch, was in meinen Augen noch verwerflicher ist. Dagegen wäre es schon fast eine gute Tat, das Geld nur zum Fenster raus zuschmeißen.


Gibt es den Tag der Dummen?
Gibt es den Tag der Müllabfuhr?
Gibt es den Tag der Tornado-Abfangjäger? Den Tag der Sekunden, den Tag des Kunden oder den Tag von Kundus?

Gibt es den Tag der Beuteltratte, der Spatzen, der Atomkraftgegner oder der Attentate oder gibt es etwa den Tag der Schauspieler, Satiriker und Autoren? Den Tag der Komponisten oder den des Komposts? Den der Sonnenblume oder den der Coca-Cola?

Ich weiß es nicht.

Es gibt den Tag der Zahngesundheit. Er ist – glaube ich – am 22. September. Ja, ist klar, dass der nicht ausgelassen werden konnte. Und was machten die Kollegen in Siegen daraus? Sie luden sich 3000 Kinder in die Siegerlandhalle und ließen alle Kinder auf Komando auf einmal sich die Zähne putzen. Warum 3000? Damit sie ins Guinessbuch der Rekorde kommen. Und das haben sie geschafft. Jetzt haben die Siegener den Münsteranern den Rekord abgenommen. ‚Hach, denen haben wir es aber gezeigt, was?‘ Und was ist an dem Zahngesundheitstag wirklich passiert? Nichts! Zumindest nichts von Bedeutung für die Zahngesundheit.
Und so weiter … und so fort, es gibt bestimmt noch dümmere Tage, als den Tag der Erde und den Tag des Buches. Also klatsche ich mal Applaus und wünsche diesen Tagen ein gutes Betragen.

Ich warte darauf, dass es den Tag des Facebook gibt. Dauert bestimmt nicht mehr lange und wenn es darum geht diesen Tag finanziell zu protegieren … also ich denke, dass wir uns diesen Tag bald auch gönnen dürfen. Doch wofür?

Wer hat noch Ideen für den „Tag der Tage“ und wer weiß, wo man ihn einreichen darf?

© Kariologiker

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Schlanke Lyrik – dick aufgetragen

 

 

Wir Menschen sind zum Posten da –

im Internet da kann man’s ja.

Doch ist es keine richt’ge Post,

eher weichgekochte Hausmannskost


So manche Lyrik

Kür ik

Wie Schuhe,

die manikür’ik

in Ruhe.

Auch wenn der Schlamm dick.


Doch wenn durch Urgewalten

Worte mehrfach um und umgefalten

Dann kann ich mich auch nicht mehr halten

Und so lass ich die geballten

Gedanken ranken,

bis sie erschlanken,

die kranken.


Wie hässlich

Unendlich grässlich

Zeilenqual

Alle mal

Ein Jammertal.

Mir egal.


© Kariologiker

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Achtung!

Achtung, die; mit Abstand der doppeldeutigste Begriff, und damit gleichzeitig im Gebrauch wohl eine gegensätzlichere Definition, als dass man sie nur manchmal, vielleicht gar nicht wahr nimmt oder nur selten seine diametral konträre Bedeutung erkennen kann.

So ist die Achtung jemandem gegenüber durchaus eine Respektbekundung, die man sich sehr wohl mit Konsequenz und Glaubwürdigkeit erarbeiten muss.

Nicht selten aber dreht sich durch eine kleine Unachtsamkeit dieses sehr positive Attribut vollkommen ins Gegenteil um und man erfährt eine Achtung, die der einer Verbannung gleich kommt. Wird einem die Ächtung zuteil, fährt man gerne in das Land der unbegrenzten Möglichkeiten. Dort leckt man sich sein Wunden, schreibt eine Wunddokumentation mit taktischem Hintergrund und steuert nach einer geschätzten Halbwertszeit für politisches Fettnäpfchen treten von ca. 4 Wochen wieder in das Land, in dem flächendeckend an jeder denkbaren und undenkbaren Ecke oder Autobahn – usw. – ein Schild zu sehen bekommt, auf dem „Achtung!“ steht.

Mit diesem Schilderwald nun hat niemand, der den Auftrag für die Positionierung in Auftrag gegeben hat daran gedacht, die Menschen damit aufzufordern, Herrn von und zu „Gutmensch“ wieder Achtung entgegen zu bringen, sondern ausnahmsweise soll auf eine Gefahrensituation aufmerksam gemacht werden.

Doch auch das scheint nicht immer so durchdacht zu werden, wie Schilder aufgestellt worden sind. Und hier zitiere ich gerne Volker Pispers, der zurecht das Schild „Achtung Nebel“ mit Hohn überschüttet:

Entweder es ist nebelig, dann sieht man das Schild nicht oder es ist kein Nebel, dann braucht man es nicht.“

Im nahen, angrenzenden Europa heißen solche Vorsichtsauforderungenschilder:

Rappel, Let op, Attenzion, Attenzione, Attention Please … und so weiter und sofort…

© Kariologiker

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Nonne

 

Nonne,

 

heißt diese Theater-Puppen-Figur, gebaut und mit Leben erfüllt von Cordula Thonett … und ja, die Cordula ist wirklich so nett, wie der „(Unter)Ton“ es zu sagen scheint.

Ihre Figuren leben alle in ihrem Figurentheater „Im Kabuff“ – in Eckernförde – auf, werden lebendig und versetzen den Zuschauer in längst vergessene und doch noch immer reale Illusionen.

Andere Eigenproduktionen findet Ihr unter dem Link auf meiner Liste. Rein schauen und staunen.

 

Kariologiker

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Die Qual der Wahl

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Welche Frau soll man da wählen?

Ich habe sie mir wirklich alle vier lange und genau angeschaut … ich könnte mich für keine spontan entscheiden.

Für diese?

Oder vielleicht doch sie?

Oder diese?

Oder gar diese?

Wir Männer haben es wirklich schwer … diese Make Ups sind auch nicht mehr das, was sie mal waren. Diese natürliche Unnatürlichkeit. Wie sie wohl ohne alles aussieht?

Sie gefallen mir alle, zugegeben, aber ich wüsste nicht zu sagen warum.

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Die Kraft der Worte


Kennt jemand die Stille eines Wortes,
das stundenlang assoziativ
durch die Gyri und Sulci unseres Hirns zieht
und es durchsucht?

In sich potenzierende Farben,
die Worte prospektiv malen
und in neuen Formen
neu Gestalt annehmen?


Formen und Farben, die es nicht gibt,
weil sie, ultrakurzen impressionistischen Skizzen gleich,
uns ständig aufs Neue,
in nicht enden wollende Variationen feil geboten werden.

Nur, um ein einziges nebulöses Bild zu projizieren
und uns paralysierend versucht zu beschreiben,
dass nur unsere Sprache allein eine Kraft besitzt,
die wenigen, zerbrechlichen Fragmente
bis an eine taube Außenwelt zu transportieren,
um schließlich nach allem Schweiß und Mühen
im Sediment der Agonie einer Trieb gesteuerten Kreatur zu degenerieren.

Kennt ihr die Worte, die Eure Lippen nie verlassen,
weil sie in dem Augenblick verblassen,
den Ihr als den einzigen Moment erkannt habt
und der jedes Mal hämisch lächelnd Euch den Spiegel vorhält?

Kennt Ihr die Kraft,
die Euch ermattet in die Kissen sinken lässt,
weil sie Euch die Sinne raubt,
weil sie Euch gefangen hält?

Kennt Ihr sie,
die Kraft der Worte?

© Kariologiker

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Sind Literaturplattformen möglich?

N E I N!

Auf wie vielen Plattformen oder Foren auch immer ich Mitglied war, überall zeichnet sich mit der Zeit durch Simplifizierung, durch Unwissenheit, Klischees und Wortarmut ein erschreckendes Bild des literarischen Grauens ab.

Je mehr User eine Plattform „überfallen“, desto größer wird die Zahl der präkariösen Bildungsresistenten, die aber stets von sich behaupten alles zu wissen und der an Dreistigkeit grenzenden Überzeugung sind, das Wissende blöd sind.

Ja, in diesem Widerspruch lebt jedes Forum, jede Plattform und jeder „Verkaufsbude“ im Internet – wenn nicht gar, bis auf wenige Ausnahmen, das ganze Internet? Sogar das Bedienungspersonal wird gerne, ja sogar vorzugsweise aus jenem Pool rekrutiert, die das oben genannte Niveau zu bedienen wissen, denn was will sich ein Plattform-Anbieter mit einigen wenigen Klugen herum schlagen, wenn sich 100.000 denkeingeschränkte Plagiatoren leicht lenken lassen? Dafür müssen die Administratoren – oder Ad-Mini-Diktatoren – eben nur die Qualität haben, dem geistigen Mainstream folgen zu können oder zu wollen und nicht die Kunst der Lyrik beherrschen oder gar Prosa kennen müssen. Welch ein hehrer und doch unsinniger Anspruch.

Man hat mich in einer geradezu menschenverachtenden und Urheberrecht verletzenden Form nun von der selbst ernannten „demokratischen Literatur-Plattform“ BookRix – www.bookrix.de – verwiesen, um nicht zu sagen raus geschmissen. Mit dem kompletten Löschen meines Account hat gleichzeitig alle meine Werke, die natürlich nur mein geistiges Eigentum sind und damit auch im Internet geschützt sind gelöscht.

BookRix ist alles andere als demokratisch. Die Administratoren kennen eben den alten Henry Ford Spruch nicht: „Keine Werbung ist schlecht, selbst schlechte Werbung ist gut, weil man besser nicht ins Gerede kommt.“

Gegen Dummheit ist eben kein Kraut gewachsen!

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Mein lieber Weggefährte auf BookRix und Literatur-Freund Josef Rengaw hat für meinen unfreiwilligen Abgang sehr schöne Worte gefunden und so will ich sie auch keinem vorenthalten.

Versuch einer Annäherung

Wer sich Kario, dem Typ Mensch, dem Kölner, nähern will, mehr als die Belanglosigkeit der Bezeichnung als „Freund auf Bx“ hergibt, muss sich dem Verstehen der Tiefe, dem Ernst, hinter Tünnes und Schäl und deren Verhalten nähern. Ich versuche es mit einem Zitat aus der persönlichen Korrespondenz – Kario wird das nicht als Vertrauensbruch ansehen – anlässlich seines Textes über die „Ahl Säu“.

„… evver für die kölsche Hymne jiddet ne Text, der alternativ vun de „Ahl Säu“ (die bodenständge, straßenkarnevalistische Truppe, der ich seit 40 Jahren angehöre) kreiert han:
„Wenn isch so aan d’r Dinge denke
un sin d’r Minge vür mir stohn
mösch ich d’r Minge jlatt verschenke
un mösch mit Dingem poppe john.“
Die ‚Ahl Säu‘ wurden ca. ’36 von Kölner Künstlern als Protest gegen den konventionellen Karneval ins Leben gerufen und behaupten sich bis heute als widerspenstiger Haufen, dem kein Blatt zu „dreckelisch“ (Firkesfött’sche) ist, es vor (!) den Mund zu nehmen.“

Das Widerspenstige, das Anarchistische im Bürger tut sich auf; wird sichtbar im hoch gebildeten Bürger, Welten von der Flachhirnigkeit der Comedys in den Pissrinnen (Georg Schramm) der Matschbirnenmedien entfernt. Die Herkunft des Karnevals aus der Verhohnepipelung der (französischen) Besatzungsmacht; harter Kern der Satire, die erst mit dem wiehernden Lachen anfängt: der Bürger als Aufklärer. Kario.

2008 wurde ich Mitglied von Bx, damals mit einigen vielversprechenden Eigenschaften, die dem Gedanken eine Literaturplattform zu werden nahe kamen. Kario war ein Leuchtturm und Garant für die erwartete Qualität, insbesondere für eine Unterhaltung auf hohem Niveau. Unvergessen sind mir seine Texte, etwa die Betrachtungen über die 13 Vorhäute oder die Szene im chinesischen Restaurant.
Mit der Zeit hat sich der Charakter von Bx stark gewandelt, im letzten halben Jahr radikal und mit Verve zu einer infantilen Schulhofdaddelbude, in der die herrschende Einfalt von Bx via Ebook abgegriffen wird. Man muss schon Glück haben, unter den Elfen, Vampiren, Werwölfen und dergleichen Gehirndiarrhoe auch einen genießbaren Text zu finden.
Vor diesem Hintergrund ist der von Bx getätigte Rauschmiss von Kario völlig – so pervers das klingen mag – konsequent. Niveau stört die Harmonie des flachhirnigen Gedaddels der Fäkebukgeneration, besonders wenn die offene Schnauze kritisch ist.

Der „Fall Kario“ ist für mich exemplarisch für die große Enttäuschung und Ernüchterung des web 2.0. „Jeder kann jederzeit seine Gedanken der Öffentlichkeit zugänglich machen“ hat die in der Gesellschaft herrschende Blödigkeit zutage gefördert.

ridi, Pagliaccio, e ognun applaudirà!
Tramuta in lazzi
lo spasmo ed il pianto;
in una smorfia il singhiozzo
e’l dolor! Ah!
Ridi, Pagliaccio,
sul tuo amore infranto.
Ridi del duol che t’avvelena il cor.

Herzliche Grüße, Dir Ahl Säu,
Jupp

Danke, lieber Jupp

Kariologiker

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