Die zehn Gebote eines Pessimisten

Heute darf ich noch einmal einen Text von Ignaz Zwirngiebel einstellen, einen Autor, den ich auf meinem Blog schon begrüßen durfte. Auch wenn er sich in diesem Text als Pessimist darstellt, so sehe ich den Inhalt als solchem positiv. Nur wer beide Seiten einer Medaille kennt, weiß letztlich besser den Realismus zu begegnen, der uns umgibt.

Nachdem die offizielle Staatsräson, Religionsdoktrin und Philosophiemaxime der Optimismus ist (ich sag nur Leibniz, dieser Keksbäcker), haben es wackere Pessimisten schwer in diesen Zeiten. Zwar gibt es Bestätigung für ihre Weltsicht in Permanenz und erdrückender Evidenz, man muß nur das Weltgeschehen zur Kenntnis nehmen, doch darum soll es hier nicht gehen. Es geht nicht um den alltäglichen, banalen Pessimismus als Conclusio der Erfahrung, also die Mieselsucht a posteriori, es soll hier um den philosophischen Pessimismus a priori gehen. Den Ekel vor dem Sein an sich.

In Analogie zum den 10 Geboten des Jahwe vom Berg Sinai, könnten die 10 Gebote des philosophischen Pessimisten so aussehen.

1. Du sollst dich töten. Denn jede Existenz ist Qual und von vornherein völlig sinnlos.

2. Trotzdem weiter leben ist inkonsequent und eines anständigen Menschen unwürdig.

3. Die Angst vor dem Tod ist Kennzeichen ausgeprägten Schwachsinns und von Realitätsverweigerung.

4. Die Existenz, das Sein und Dasein, sind absurd, leidvoll und immer ein Irrtum, der so rasch wie möglich zu beenden ist.

5. Die Natur ist eine Höllenmaschine, nur dazu da, dich zu quälen.

6. Die Fortpflanzung ist Werk des Teufels und dient nur der Perpetuierung des Leidens.

7. Tötung auf Verlangen ist die höchste Form der Barmherzigkeit.

8. Gott ist tot. Sollte es ihn dennoch geben, ist er die Ursache alles Bösen.

9. Gottesmord ist die höchste Tugend.

10. Das Nichtsein ist die größte Glückseligkeit.

Amen.

Wer meint, das sei total krank, hat natürlich Recht. Betonung auf natürlich. Er ist noch voll gefangen im Wahn von der Güte in der Welt, in der Verhaftung im ‚Alles-ist-gut-Irrsinn‘, in dem vom sadistischen Schöpfer allem Kreatürlichen eingeprägten Selbsterhaltungstrieb.

Ja, so oder so ähnlich könnte er aussehen, der Dekalog des konsequenten Pessimisten.

© Ignaz Zwirngiebel
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  1. #1 von Dr.Ulrike Lupi-Fuß am 6. Dezember 2014 - 10:35

    Es fallen einem die Schuppen von den Augen. Und mein Bedürfnis – nachdem ich alles bis ins Mark verstanden habe – nach einem gütigen, vielleicht etwas großväterlichen Gott wächst ins Unermessliche. Die Welt, oder besser: das Werk des Menschen auf ihr, ist schrecklich anzusehen, so allein und gottverlassen.

  2. #2 von kariologiker am 6. Dezember 2014 - 12:24

    Wann aber fühlt man sich gottverlassen, liebe Ulrike?

    Ich habe weder das Gefühl, dass ich einen Gott habe, noch, dass ich einen Gott nicht habe. Wenn ich aber etwas fühle, dann ist es etwas ständig Mulmiges, wenn ich die von Menschenhand interpretierte Botschaft von einem Gott lese und dabei sind mir die Gottheiten alle gleich. Anmaßend, stringent und wenig barmherzig.

    Da werde selbst ich zum Pessimisten und das steht mir eigentlich gar nicht. (Wie Du sicher weißt)

    Lieben Dank
    Kariologiker

  3. #3 von Gewitterkind am 26. April 2015 - 11:30

    Lieber Kario,
    mittlerweile denk ich, dass wir, je mehr wir wissen und je angestrengter wir danach (Wissen) suchen, sich mehr von dem entfernen, was wir ohnehin wussten und was zu wissen wirklich wichtig war.

    • #4 von kariologiker am 28. April 2015 - 05:23

      Ob wir uns entfernen oder ob wir nur nur besser differenzieren, liebes Gewitterkind,
      möchte dahin gestellt lassen. Sich ist nur eins, wir bekommen mit jeder Information einen neue Sicht auf die Welt, auf die Aktualität.

      Lieben Gruß
      Kariologiker

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