Beiträge getaggt mit Herz

Entmenschlichung oder ich mach’ mir noch ein Bier auf

Faltig bin ich geworden, das Gesicht, stark abgebaut,
das Haupt hat an Fülle verloren, ist schwer ergraut.
Ich sehe ein mir unbekanntes, fremdes Bild
in einem viel zu großen Spiegel vor mir steh’n
ungepflegt, ganz fremd, mit viel zu langen Haaren.
Ich beschließe spontan und ganz bescheiden,
nein, diesen Kerl mag ich nicht leiden.

Gedanken preschen vor und flauen ab,
Suchen hält mich gnädig auf Trapp,
nach alten und neuen Sätzen und Gedanken
in dem bewährte Ideen noch immer ranken,
geziem geordnet, als verwelkende Fragmente.
Bald geh ich in Rente als grauer Charmeur
Nein, ich geh heut nicht zum Friseur.

Viel Kreatives steht in mir ungeniert
und kratzt mich, doch das Glück konvertiert.
Tabletten für’s Herz und für den Darm
seit langem halt’ ich nur noch meinen Harn
und brabbel altes Seemannsgarn
Fühle stumm meinen Drei-Tage-Bart.
Ich mach’s, rasiere mich zart.

Papier scheint unendlich geduldig,
wie immer schon und manchmal
hulde ich mit Gewimmer jenen,
denen es noch schlimmer
geht, als heute und mir.
Ich öffne mir noch ein weiteres Bier,
sammele stinkende, alte Flaschen.

Manchmal und an ganz seltenen Tagen
scheint die Sonne mir mit ihren Fragen
zu gefallen, der Saft schießt ein.
Dann erinnere ich mich schmunzelnd
und entscheide mich dagegen. Nein.
Nur das Nichts werde ich nicht missen
Mist, muss schon wieder pissen.

Unvermeidlich kommt ein neuer Tag
eines alten Lebens und ich mag
das Ticken der Uhr nicht mehr hören.
Wieder werde ich alles geben,
bis mich der Zweifel der Realität
abdrängt, ich ins Unverständnis schau.
Ok, morgen kaufe ich Blumen für meine Frau.

© Kariologiker

, , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , ,

10 Kommentare

Zerrissen

Als neue Gastautorin begrüße ich Perdita Klimeck auf meinem Blog. Ihr Gedicht zum Krieg hat mir so gut gefallen, dass ich es hier einstellen möchte.

 

 

 zerissen

 

nicht kind nicht mann

irgendwie dazwischen

steht er da

das gewehr im anschlag

die lippen trotzig aufgeworfen

das herz gefüllt mit hass

genährt an falscher mutterbrust

 

und doch

zittern seine hände

und seine augen suchen

nach der weißen taube

die arglos einen himmel kreuzt

während sich eine

schaukel im wind wiegt

 

sanft

 

© Perdita Klimeck

, , , , , , , , , , , , ,

7 Kommentare

%d Bloggern gefällt das: