Archiv für November 2012

Zeitig kaufen

Viele umgangssprachliche Alltagsausdrücke ändern sich ebenso, wie vieles andere Alltägliche auch. Besonders in den aktuellen Sozialisationen spricht man in sehr wortarmen Floskeln, deren Inhalt meist nicht mal von den Benutzern selbst verstanden wird.

Statt „rumlungern“ oder neudeutsch „abhängen“ sagt die Jugend heute chillen. „Ausspannen“ heißt analog dazu dann „chill out“ und dass Chili out ist, kann man wirklich nicht sagen, denn beim Currywurstessen geht es streng nach Wilbur Lincoln Scoville, der 1912 einen Test zur Messung der Schärfe von Chilischoten entwickelte, den sogenannten Scoville Organoleptic Test (ugs. Scoville-Skala). Dabei wird der Gehalt von Capsicain (das „Geheimnis“, das einem die Tränen aus allen Poren quellen lässt) durch Verdünnung bis zur Wahrnehmungsschwelle oder gar bis zum qualvollen Chilitod indirekt gemessen wird, was beim Currywurst-Wettessen jedoch nur dazu führt, dass der Schärfegrad mit jeder gegessenen Wurst erhöht wird und bis zu 1.000.000 Scoville Einheiten Schärfe enthalten kann. Und die ist einzig der Bosheit des mediengeilen Currywurstbudenbesitzers in die capsicaindichten Schuhe und besonders Handschuhe zu schieben, der das Chiliwettessen ganz unschuldsbekundend nur als Werbung für seinen Wurstbude hält und ohne jedes Schamgefühl derart seinen Bratphalli überwürzt, dass es jeden normalen Menschen davon abhalten würde auch nur in die Nähe dieser Waffe zu kommen, aber die Wettfress-Deppen sich lieber, mit einem Krankenwagen zur Reanimation fahren lassen, als, wider jeden besseren Wissens vernunftsorientiert zu kapitulieren, bevor ihnen der Magen vollkommen weggebrannt ist.

Doch selbst Chilli con Carne wird beim Mexikaner um die Ecke als Feuertopf deklariert und der hält auch noch, was er verspricht. Da bleibt selbst das letzte Quäntchen Logik auf der Strecke.

Doch wo ich gerade bei Logik bin fällt mir auf, wie oft man sich in dieser verstrickt.

So erkennt man schnell, dass selbst in diesen Sprachumformungen und Aussageverkrümmungen eine gewisse Logik steckt, wenn man auf des Rappers Rappen sitzt und vielleicht einmal ihre Texte hört, was zugegebenermaßen bei den Dezibel geschwängerten Sounduntermalungen oft kaum möglich ist. Da Logik wichtig ist und als Voraussetzung für Zusammenhänge eine Basis bildet, gibt es Logistikzentren in denen logistische Abfolgen und Dispositionen gehändelt werden. Nein, das hat in diesem Fall nichts mit Händel, dem Komponisten zu tun, sondern mit Handhabung. Und Handhabung hört sich für Newcomer zwar etwas antiquiert an, doch scheint sie bei gewissen Dingen des Lebens in einer Tradition zu stehen, die auch mit noch so modernen Umschreibungen ihren Sinn nicht verliert.

Der Logistiker ist heute ein Lehr-Beruf und voller unlogischer Begriffe, die irgendein Schreibtischhengst erdacht und auf unergründlichen Wegen fest in den Alltag etabliert hat. Was auch immer hinter diesen modernen terminologischen Worthüllen stecken mag, es hat zumindest den Effekt, dass die Kampfstätten der dem einkaufvergnüglichen, weiblichen Geschlecht stets genügend Angebote beschert, wenn sie shoppen gehen. Dass man immer irgendetwas einkaufen gehen muss, ist schon als aus ernährungstechnischen Gründen unabwendbar, doch ist das kein shoppen, sondern heißt einfach nur und immer noch wie früher schlicht „einkaufen“.

Und was machen die Männer? Sie machen Frühshoppen. Dieser Begriff bleibt ebenso innovations-resistent und wird sich auch niemals ändern, denn Männer können es gar nicht leiden, wenn sich etwas ändert. Und so gehen sie zwar brav zur Kirche, aber auch direkt an ihr vorbei, um schnellst möglich sich den Appetit in der am Sonntag immer vorzeitig geöffneten Schankstätte anzuregen, der eigentlich nur dazu dient, das Kochergebnis essen zu können. Da offensichtlich die Frauen das wissen, scheinen sie wohl extra so zu kochen, wie der Mann in ihren Augen viel zu früh shoppen geht.

© Kariologiker

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Aus den Augen

In Gedenken an Katja Kortin, die vor zwei Jahren von uns gegangen ist.

 

Aus den Augen
von Katja Kortin

Dorothea hat den Gang zum Krematorium lange vor sich hergeschoben, aber es muss sein. So selbstverständlich sie es findet, dass Jakob sie dorthin begleitet, so unbehaglich ist ihr dabei zumute.
Die blasse Hagere an der Schreibmaschine fertigt die Urkunde aus. Mit den Worten „36,- Euro“ schiebt sie ihr das Dokument zur Unterschrift über die Theke und setzt hinzu: „Mit oder ohne Ermordung?“ Dorothea ist platt. Was hat denn Ermordung damit zu tun? „Ohne natürlich!“ entscheidet sie entrüstet.

„Dann“, erklärt die Beamtin in gleichgültigem Ton, „kann ich Ihnen das Dokument nicht aushändigen. Ohne Ermordung hat es nur drei Monate Gültigkeit.“

„Und wenn ich die Frist einhalte“, erwidert Dorothea aufgebracht; insgeheim einen wenigstens etwas wärmeren Ton erwartend. Die Beamtin aber ist bereits mit anderem befasst. Dorothea wendet sich ab, begreift nicht wie bar jeglicher Anteilnahme eine so heikle Sache abgehandelt wird.

Der Weg ins Freie führt durch einen unabsehbar langen Flur, vorüber an einer weit offen stehenden Tür. Sie blickt in die weite Halle, die voll besetzt mit schwarz gewandeten Leuten ist. „A u s d e n A u g e n a u s d e m S i n n“, echot die Stimme des Predigers vielstimmig von den Wänden des Gewölbes zurück. Im Freien angelangt bemerkt Dorothea gleich nebenan das Herren-Krematorium. „Bei mir war das mit der Ermordung nicht“, grübelt Jakob deutlich vernehmbar vor sich hin. Dorothea wartet darauf, dass er weiter redet; zum Beispiel: Unsinn. Das mit der Ermordung machen wir natürlich nicht! Aber er sagt nichts weiter. Sie zieht ihren Umhang fester um sich und geht unwillkürlich schneller. Ihr ist kalt.

 

© Katja Kortin

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Warum die Bayern nicht Tschüss sagen (können oder wollen)

 
Wenn sich zwei Bayern voneinander verabschieden, fallen in der Regel für jedermann verständliche Worte wie Ciao oder Servus. Das im übrigen Deutschland gebräuchliche Auf Wiedersehen ist in Bayern zu Auf Wiederschaun mutiert. Das urbayerische Pfiadi stößt in manchen Bundesländern bereits auf Abschreckung und Unverständnis. Warum aber sagen die Bayern eigentlich nicht einfach Tschüss wie überall in Deutschland?

Bekanntlich mögen die Bayern ja jeden, nur keine Preußen und Österreicher. So könnte man meinen, dass das Wort Tschüss ein preußischer Begriff ist und er deshalb nicht in Bayern verwendet wird. Aber es gibt einen triftigeren Grund, weshalb einem Bayern das Wort Tschüss so schwer über die Lippen geht: In der Bayerischen Sprache gibt es den Umlaut „“ gar nicht!

Wie bitte? In der bayerischen Sprache gibt es kein „“? Das kann doch gar nicht sein, es gibt doch fast unendlich viele Wörter, die ein „“ enthalten, oder? Wie heißt nochmals die Hauptstadt von Bayern…?

Fühlen wir der bayerischen Sprache mal auf den Zahn, was den Vokal „“ betrifft und wir werden sehen, dass der Bayer tatsächlich immer einen Weg findet, dem „“ aus dem Weg zu gehen. In der bayerischen Sprache gibt es nämlich mehrere Phonetikregeln, die bestimmen, wie das geschriebene „“ in der Sprache klingen muss.

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Regel 1

Im einfachsten Fall wird der Umlaut „“ einfach durch den ähnlichen Umlaut „u“ ersetzt. Das dürfte auch Auswärtigen keine allzu großen Umstellungsschwierigkeiten bereiten.

– Hochdeutsch „“ – Bayerischu“:

drücken – drucka, Mücke – Muggn, hüpfen – hupfa, Brücke – Bruggn

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Regel 2

In vielen Fällen wird der Umlaut „“ durch den in der bayerischen Sprache ohnehin viel gebrauchten Umlaut „i“ ersetzt. Auch diese Regel ist in der Praxis schnell umsetzbar.

– Hochdeutsch „ü“ – Bayerisch „i“

Schüssel – Schissei, Krüppel – Gribbi, Dübel – Dibl, München – Minga

 

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Regel 3

Mit der dritten Regel haben vor allem Preußen ihre Mühe. Hier wird der Umlaut „“ nämlich durch eine Kombination zweier Umlaute ersetzt. Man beginnt mit einem schrillen „i“, welches man schleifend in ein „a hinüber zieht.

– Hochdeutsch „ü“ – Bayerisch „ia“

müde – miad, Hosentürchen – Hosndial, gemütlich – gmiadlich, Kühe – Kiah
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Regel 4

Ähnlich wie bei Regel 3 wird auch hier der Vokal „“ durch eine Kombination zweier Standard-Vokale ersetzt. Die Aussprache des „u“ und „i“ muss in einer einzigen Mundbewegung erfolgen. Da diesen beiden ineinander gezogenen Umlauten meist noch ein „n“ folgt, tun sich viele Erstklässler der bayerischen Sprache besonders schwer mit dieser Regel.

– Hochdeutsch „ü“ – Bayerisch „ui“

kühlen – kuihn, Mühle – muih, zerknüllen – zerknuin, Gefühl – Gfuih

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Regel 5

Die schwierigste und eine selten gebrauchte Regel wandelt den Vokal „“ in die beiden Vokale „e“ und „a“ um. Nach Regel 5 ausgesprochene Wörter werden außerhalb Bayerns nur noch in Einzelfällen verstanden.

– Hochdeutsch „ü“ – Bayerisch „ea“

grün – grea, Blümchen – Bleamal

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Regel 6

Ist auf ein Wort, welches ein „“ enthält keine der Regeln 1-5 anwendbar, so wird das Wort durch ein neues ersetzt. Bayerisch-Lernende müssen hier ganz einfach Wörter pauken, genau so also würde man Französisch oder Spanisch lernen.

– Hochdeutsch „ü“ – Bayerische Übersetzung, „neues Wort – ein Neologismus“

küssen – bussln, pflücken – brogga, Pfütze – Logga, Rücken – Buckel, Lümmel – gschertr Lackl, Gülle – Odl, Hühnchen – Hendl

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Man sieht, dass der Bayer mit allen Mitteln versucht, dem „“ aus dem Weg zu gehen. Dem Bayer behagt es nicht, seinen Mund zu spitzen. Vielleicht liegt das daran, dass er im Vergleich zu anderen Deutschen seinen Mund öfters mal zum Biertrinken spitzt…

© Mündlich überliefert

 

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Ich bin

Ich bin Raucher

Ich bin Privatpatient

Ich bin Selbstständig

Ich zahle Steuer,

viel zu viele

Ich bin ‘s leid

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Ich bin Gitarrenspieler.

Ich bin Schreibfink.

Ich bin Tröster.

Ich gebe zu viel,

viel zu viel!

Ich bin ‘s leid

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Ich bin ein Staatsbürger.

Ich bin Autofahrer.

Ich bin ein Bürgersteiggeher.

Ich halte mich an Gesetze,

an zu viele.

Ich bin ‘s leid.

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Bin ich ein Sozialschmarotzer?

Bin ich ein Dummer?

Bin ich wirklich ein Idealist?

oder nur ein Egoist?

Bin ich noch ich?

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Ich bin ‘s leid.

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© Kariologiker

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Die Zeit wird immer knapper

Nun wird es knapp. Sehr knapp. Die Zeit läuft bald endgültig ab.

Also, ich habe schon in allen Ecken gesucht und versucht, hinter den Ecken etwas zu entdecken, aber es ist nicht da. Mein geistiges Eigentum, in Form von zwei Geschichten und ein ganzer Haufen Geld, der in meiner Kasse fehlt. Was könnte man dafür Katzenfutter kaufen. Ich? Nein, ich täte es eh nicht. Niemals! Katzen? Nä! Aber, es soll Verlegenheiten geben, die sich bei Katzen ganz vergessen und wohl auch das Geschäft. Ihr Geschäft.

Ja, so ein Geschäft ist schwer. Ich weiß es ja. Schließlich muss ich auch ein Geschäft schaffen und das schafft einen und so weiß ich sehr wohl, wovon ich spreche. Ausgesprochen anstrengend, ja, ja.

Doch, so sehr es auch anstrengt, schlage ich niemals über die Strenge. Das ist einfach klüger, wenn man Maß halten kann. Die Perspektive bleibt stabil, na, sagen wir besser, man verliert sie nicht so schnell aus den Augen.

Das liebe Geld. Ach, ja. Zahnärzte, so hört man bisweilen, sollen ja ein abnorme Verhältnismäßigkeit an den Tag legen, ja, geradezu schändlich abnorm, doch erstaunt es mich immer mehr, welche Wertigkeit sich andere anmaßen. Nun haben sich die Defizite schon gemehrt. Und die Katzen auch. Nein, nicht meine, sondern andere, ganz wo anders. Unerheblich. Fast. Rom. Athen. Madrid. Überalle das gleiche.

Ob ich Katzen statt Geld nähme? Ja, leven Jott noch, wo kämen wir denn da hin … also wirklich. Alles, nur das nicht. Bleib mir nur ja weg mit den Viechern. Brrrr. Da bekomm‘ isch Ausschlag, Plaque. Muss ’ne Allergie sein. Katzenhaare! Ja, leider … eh … nein, natürlich nicht leider. Also wirklich. Wie bitte? Katzenzungen? Oh, gerne. Danke.

 

Hätte ich doch damals diesen Betrag, ( Ich hoffe es stört nicht, wenn ich mit vollem Mund schreibe, ’schulligung. ) der mir nun in der Kasse fehlt, an UDUMA-EV.de gespendet, hätte ich sicher gewusst, was mit dem Geld passiert wäre. Ganz sicher. Jetzt ist es weg. Leider. Vielleicht in dunklen Kanälen verschwunden. Vielleicht. Tja, wer weiß das schon? Doch sollte ich nicht unerwähnt lassen, dass es Privateigentum ist und ich verzweifelt darauf warte, dass man sich erklärt, wie privat es ist. Oder sollte es gar hinterhältig als Faustpfand einbehalten worden sein? Also, so in der geballten Faust stecken? Dann soll es in 1 Cent-Stücken durch die Finger gleiten. Nein, das wäre ja unmöglich und ein schändliches Ansinnen. So etwas denke ich noch nicht mal. Ehrlisch. Kannste fraren!

Offensichtlich scheint es heute allgemein üblich zu werden, sich am Eigentum anderer zu bereichern. Desinteresse ist dabei schon kühn? Tumb und taub. Nein, nein, nicht die Katzen! Man streicht sich anmaßend Geld ein, für eine Leistung, die keiner nachvollziehen kann und, die keiner gefordert hat. Doch um eine mögliche Erklärung zu haben, suchte ich in einer PDF Datei nach, mit welch inhaltlicher Art, sich diese Inbesitznahme begründen ließe? (Ist das nun zu altklug? Sorry, aber Barock passt zu meinem Alter.) Ich fand sogar etwas und es sah so aus, als ob neben der gedachten Leistung, ein Buch dafür verlegt werden sollte und mir auch noch die Tantiemen aus einer Anthologie zustünden, damit ich sie einem gutem Zweck zuführen kann. Ich bin zwar nicht inhaltlich in diesem Buch vertreten, aber ich habe zugestimmt, bestimmt(!), dass ich dafür bin und, es gibt noch nicht einmal einen Auflösungsvertrag. Was das ist? Ja, das weiß eine Geschäftsfrau auf jeden Fall. Ganz bestimmt. Da bin ich mir ganz sicher. Ob es sie nervös machte, wenn sie plötzlich bemerkt, wie viel Geld sie anderen in den selbigen schiebt, obwohl es niemandem gefällt? Nicht mir und auch nicht meinem Nachbarn, weder den Griechen noch Portugiesen.  Ja, wie sieht das denn eigentlich aus. Da kommt eine Mutti daher und drängt einem vollkommen fremden Menschen ein unglaublichen Batzen Geld auf. Ich würde sofort denken: „Da ist etwas faul, das kann nicht stimmen. DAS ist ein TRICK!“

 

Was sagen Sie eigentlich dazu? Sie sind so still. Ist Ihnen denn wirklich alles egal? Ach, hör’n Sie mir doch auf. Ich will keine Ausflüchte mehr hören. Ich hab’s satt. Aber so richtig!

 

Kariologiker

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Neues Haus, neues Glück

Ein Krankenhaus nach meinem Gusto. Moderne Architektur, geschmackvolle Inneneinrichtung und, was man auf den Bildern weniger sieht, nettes Personal.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

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