Beiträge getaggt mit Sprache

Musik für Conrad Cortin

Animiert durch die Lyrik des Conrad Cortin habe ich immer wieder gerne zur Gitarre gegriffen und eine Untermalung zu seinen gelesenen Werken komponiert. ”Die Rote“ habe ich erst nur selbst gelesen und dann vertont, eh ich sie selbst aufs Band gesprochen habe.

Die Bandbreite seiner Lyrik hat mich immer auf gewagte Ideen gebracht. So habe ich den Sphärenklang mit drei einzelnen Orgelpfeifen und einer Software erstellt, ebenso, wie ich die Instrumente der Partymusik alle selbst gespielt habe (Trompete, Klavier und Kontrabass)

Diese Stücke sind 2015 in einer Literatursendung zu hören gewesen – und durch das niemals vergessende Internet immer noch auffindbar.

Euer

Kariologiker

https://literaturradiohoerbahn.com/sendung/lyrik-conrad-cortin-und-kario-kariologiker/

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Sprache ändert sich, aber nicht mich.

Letztlich, genau am Tag der älteren Generation (3. April), zu der ich mich notgedrungen zählen muss, dachte ich mal wieder daran, wie sich die Sprache doch ändert.

Mittlerweile wird im Fernsehen nicht nur durch alle Kasten gekocht, was sich mir grundsätzlich gar nicht erschließt, denn man kann es über den Äther weder riechen noch schmecken und sicher getraut sich doch niemand vor der Kamera zu sagen, dass diese oft unter grausamen Umständen und von oft recht unappetitlichen Hobbyköchen – Ja, sogar Profi-Köchen – zusammen gemanschte Zutatenfülle wie ”alte Schuhsohlen” schmeckt, und damit man die immer hohe Qualität dieser Wie-auch-Immer Speisen zumindest gedanklich als vortreffliches Produkt erkennt, bekommt es eine  Qualitätsbeschreibung. 

Eine mir gänzlich unappetitliche Speise, deren Verköstigung ich schon seit 50 Jahren ablehne, ist das Risotto – neben Milchreis und anderen breiartigen Aggregatzuständen, die mir nicht nur als essbar vorgesetzt werden, sondern angeblich ganz toll schmecken sollen. Nun…

Um ein richtig gutes, ja perfektes Risotto herzustellen, muss wohl, so wird es mir zumindest vermittelt, immer kräftig gerührt werden, damit es eine Konsistenz bekommt, die sich in der höchsten Qualitätsbekundung ”schlotzig” nennt. – Meine automatische Schreibkorrektur kennt das Wort gar nicht. –

Mir am Tag der älteren Generation zu sagen, dass schlotzig etwas premierwürdiges ist, geht das dann doch zu weit. Hielt sich meine Aversion gegen diese Rezepte bislang noch in Grenzen, so wird bei dem Wort schlotzig (oder schlozig?) derart mein Nervus Vagus gereizt, dass ich dem nur mit einem Antiemetikum begegnen kann oder einem Kräuterschnaps auf Anisbasis.

Schlotzig beschreibt für mich Erbrochenes oder Sputum, wobei ich diesen beiden Abgerungenschaften oder Auswurf des Menschen niemals klassifizieren würde und schon gar nicht premieren. „Ja, Deine Spucke ist mit die schönste und so besonders schlotzig.“

Nein, ich schaue schon lange keine Kochsendungen mehr, allein schon wegen des Küchenlateins und die dazugehörige Küchenphilosophie, die mir immer wie eine Rezitation aus einer Kalendersprüchesammlung vorkommen. Das kann natürlich jeder für sich so sehen wie er es gern hat, aber etwas schlotzig zu nennen ist für mich grottig.

Meint sinnierend

Kariologiker

 

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Zeitig kaufen

Viele umgangssprachliche Alltagsausdrücke ändern sich ebenso, wie vieles andere Alltägliche auch. Besonders in den aktuellen Sozialisationen spricht man in sehr wortarmen Floskeln, deren Inhalt meist nicht mal von den Benutzern selbst verstanden wird.

Statt „rumlungern“ oder neudeutsch „abhängen“ sagt die Jugend heute chillen. „Ausspannen“ heißt analog dazu dann „chill out“ und dass Chili out ist, kann man wirklich nicht sagen, denn beim Currywurstessen geht es streng nach Wilbur Lincoln Scoville, der 1912 einen Test zur Messung der Schärfe von Chilischoten entwickelte, den sogenannten Scoville Organoleptic Test (ugs. Scoville-Skala). Dabei wird der Gehalt von Capsicain (das „Geheimnis“, das einem die Tränen aus allen Poren quellen lässt) durch Verdünnung bis zur Wahrnehmungsschwelle oder gar bis zum qualvollen Chilitod indirekt gemessen wird, was beim Currywurst-Wettessen jedoch nur dazu führt, dass der Schärfegrad mit jeder gegessenen Wurst erhöht wird und bis zu 1.000.000 Scoville Einheiten Schärfe enthalten kann. Und die ist einzig der Bosheit des mediengeilen Currywurstbudenbesitzers in die capsicaindichten Schuhe und besonders Handschuhe zu schieben, der das Chiliwettessen ganz unschuldsbekundend nur als Werbung für seinen Wurstbude hält und ohne jedes Schamgefühl derart seinen Bratphalli überwürzt, dass es jeden normalen Menschen davon abhalten würde auch nur in die Nähe dieser Waffe zu kommen, aber die Wettfress-Deppen sich lieber, mit einem Krankenwagen zur Reanimation fahren lassen, als, wider jeden besseren Wissens vernunftsorientiert zu kapitulieren, bevor ihnen der Magen vollkommen weggebrannt ist.

Doch selbst Chilli con Carne wird beim Mexikaner um die Ecke als Feuertopf deklariert und der hält auch noch, was er verspricht. Da bleibt selbst das letzte Quäntchen Logik auf der Strecke.

Doch wo ich gerade bei Logik bin fällt mir auf, wie oft man sich in dieser verstrickt.

So erkennt man schnell, dass selbst in diesen Sprachumformungen und Aussageverkrümmungen eine gewisse Logik steckt, wenn man auf des Rappers Rappen sitzt und vielleicht einmal ihre Texte hört, was zugegebenermaßen bei den Dezibel geschwängerten Sounduntermalungen oft kaum möglich ist. Da Logik wichtig ist und als Voraussetzung für Zusammenhänge eine Basis bildet, gibt es Logistikzentren in denen logistische Abfolgen und Dispositionen gehändelt werden. Nein, das hat in diesem Fall nichts mit Händel, dem Komponisten zu tun, sondern mit Handhabung. Und Handhabung hört sich für Newcomer zwar etwas antiquiert an, doch scheint sie bei gewissen Dingen des Lebens in einer Tradition zu stehen, die auch mit noch so modernen Umschreibungen ihren Sinn nicht verliert.

Der Logistiker ist heute ein Lehr-Beruf und voller unlogischer Begriffe, die irgendein Schreibtischhengst erdacht und auf unergründlichen Wegen fest in den Alltag etabliert hat. Was auch immer hinter diesen modernen terminologischen Worthüllen stecken mag, es hat zumindest den Effekt, dass die Kampfstätten der dem einkaufvergnüglichen, weiblichen Geschlecht stets genügend Angebote beschert, wenn sie shoppen gehen. Dass man immer irgendetwas einkaufen gehen muss, ist schon als aus ernährungstechnischen Gründen unabwendbar, doch ist das kein shoppen, sondern heißt einfach nur und immer noch wie früher schlicht „einkaufen“.

Und was machen die Männer? Sie machen Frühshoppen. Dieser Begriff bleibt ebenso innovations-resistent und wird sich auch niemals ändern, denn Männer können es gar nicht leiden, wenn sich etwas ändert. Und so gehen sie zwar brav zur Kirche, aber auch direkt an ihr vorbei, um schnellst möglich sich den Appetit in der am Sonntag immer vorzeitig geöffneten Schankstätte anzuregen, der eigentlich nur dazu dient, das Kochergebnis essen zu können. Da offensichtlich die Frauen das wissen, scheinen sie wohl extra so zu kochen, wie der Mann in ihren Augen viel zu früh shoppen geht.

© Kariologiker

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Warum die Bayern nicht Tschüss sagen (können oder wollen)

 
Wenn sich zwei Bayern voneinander verabschieden, fallen in der Regel für jedermann verständliche Worte wie Ciao oder Servus. Das im übrigen Deutschland gebräuchliche Auf Wiedersehen ist in Bayern zu Auf Wiederschaun mutiert. Das urbayerische Pfiadi stößt in manchen Bundesländern bereits auf Abschreckung und Unverständnis. Warum aber sagen die Bayern eigentlich nicht einfach Tschüss wie überall in Deutschland?

Bekanntlich mögen die Bayern ja jeden, nur keine Preußen und Österreicher. So könnte man meinen, dass das Wort Tschüss ein preußischer Begriff ist und er deshalb nicht in Bayern verwendet wird. Aber es gibt einen triftigeren Grund, weshalb einem Bayern das Wort Tschüss so schwer über die Lippen geht: In der Bayerischen Sprache gibt es den Umlaut „“ gar nicht!

Wie bitte? In der bayerischen Sprache gibt es kein „“? Das kann doch gar nicht sein, es gibt doch fast unendlich viele Wörter, die ein „“ enthalten, oder? Wie heißt nochmals die Hauptstadt von Bayern…?

Fühlen wir der bayerischen Sprache mal auf den Zahn, was den Vokal „“ betrifft und wir werden sehen, dass der Bayer tatsächlich immer einen Weg findet, dem „“ aus dem Weg zu gehen. In der bayerischen Sprache gibt es nämlich mehrere Phonetikregeln, die bestimmen, wie das geschriebene „“ in der Sprache klingen muss.

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Regel 1

Im einfachsten Fall wird der Umlaut „“ einfach durch den ähnlichen Umlaut „u“ ersetzt. Das dürfte auch Auswärtigen keine allzu großen Umstellungsschwierigkeiten bereiten.

– Hochdeutsch „“ – Bayerischu“:

drücken – drucka, Mücke – Muggn, hüpfen – hupfa, Brücke – Bruggn

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Regel 2

In vielen Fällen wird der Umlaut „“ durch den in der bayerischen Sprache ohnehin viel gebrauchten Umlaut „i“ ersetzt. Auch diese Regel ist in der Praxis schnell umsetzbar.

– Hochdeutsch „ü“ – Bayerisch „i“

Schüssel – Schissei, Krüppel – Gribbi, Dübel – Dibl, München – Minga

 

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Regel 3

Mit der dritten Regel haben vor allem Preußen ihre Mühe. Hier wird der Umlaut „“ nämlich durch eine Kombination zweier Umlaute ersetzt. Man beginnt mit einem schrillen „i“, welches man schleifend in ein „a hinüber zieht.

– Hochdeutsch „ü“ – Bayerisch „ia“

müde – miad, Hosentürchen – Hosndial, gemütlich – gmiadlich, Kühe – Kiah
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Regel 4

Ähnlich wie bei Regel 3 wird auch hier der Vokal „“ durch eine Kombination zweier Standard-Vokale ersetzt. Die Aussprache des „u“ und „i“ muss in einer einzigen Mundbewegung erfolgen. Da diesen beiden ineinander gezogenen Umlauten meist noch ein „n“ folgt, tun sich viele Erstklässler der bayerischen Sprache besonders schwer mit dieser Regel.

– Hochdeutsch „ü“ – Bayerisch „ui“

kühlen – kuihn, Mühle – muih, zerknüllen – zerknuin, Gefühl – Gfuih

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Regel 5

Die schwierigste und eine selten gebrauchte Regel wandelt den Vokal „“ in die beiden Vokale „e“ und „a“ um. Nach Regel 5 ausgesprochene Wörter werden außerhalb Bayerns nur noch in Einzelfällen verstanden.

– Hochdeutsch „ü“ – Bayerisch „ea“

grün – grea, Blümchen – Bleamal

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Regel 6

Ist auf ein Wort, welches ein „“ enthält keine der Regeln 1-5 anwendbar, so wird das Wort durch ein neues ersetzt. Bayerisch-Lernende müssen hier ganz einfach Wörter pauken, genau so also würde man Französisch oder Spanisch lernen.

– Hochdeutsch „ü“ – Bayerische Übersetzung, „neues Wort – ein Neologismus“

küssen – bussln, pflücken – brogga, Pfütze – Logga, Rücken – Buckel, Lümmel – gschertr Lackl, Gülle – Odl, Hühnchen – Hendl

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Man sieht, dass der Bayer mit allen Mitteln versucht, dem „“ aus dem Weg zu gehen. Dem Bayer behagt es nicht, seinen Mund zu spitzen. Vielleicht liegt das daran, dass er im Vergleich zu anderen Deutschen seinen Mund öfters mal zum Biertrinken spitzt…

© Mündlich überliefert

 

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