Archiv für Oktober 2014

Zeitstunden

Wo ist eigentlich die Stunde geblieben, die wir im Frühjahr abgezogen bekommen haben und die wir Samstag Nacht „geschenkt“ bekommen haben sollen? Ich habe sie weder gesehen noch gefühlt und habe es alles andere als positiv erfahren. Ich war heute morgen und gestern morgen so müde, als wäre mir eine Stunde genommen worden. Ist uns überhaupt Zeit verloren gegangen oder geschenkt worden?

Ich weiß auch nichts von der Stunde, die uns im Frühjahr angeblich fehlt. Wer darf einem Zeit nehmen? Politiker, welch ein Hohn! Wo bewahrt er die Zeit auf? Und wie gibt man sie zurück? Man kann sie nicht anfassen, nicht fühlen und schon gar nicht aufbewahren. Zeit ist nicht konservierbar, denn was verronnen ist, kommt niemals mehr zurück. Baut jemand Stunden? Und wie soll das funktionieren?

Nur wer wirklich nicht nachdenken möchte, wird glauben, dass ihm Zeit geschenkt wurde. Doch nicht einmal ein Gott, sollte es einen geben, kann an dieser Zeit etwas verdrehen. Womit auch immer sich dieser Gott vergnügt, es kann alles sein, nur nicht die Zeit.

Habe ich eigentlich die Zeit, diese Zeilen zu schreiben? Oder vergeude ich sie damit? Nein, niemals, egal wie viel Zeit dabei vergeht, sie ist immer gleich wertvoll oder wertlos. So populistisch wir auch dem Gedanken von Zeitmanagement hinterher hecheln, Zeit ist nicht verbiegbar, aber die Gedanken der Menschen lassen sich immer wieder verbiegen und je öfter wir es wiederholen, dass man Zeit nehmen und geben kann, um so mehr Menschen glauben es.

Zeitlos
Kariologiker

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Gurkensalat

Seit ewigen Zeiten schon esse ich Gurkensalat sehr gerne. Ich möchte sogar soweit gehen zu sagen, es ist mein Lieblingssalat.
Zugegeben, das Rezept war immer gleich, doch die Variation der wenigen Zutaten ist mit den Jahren immer weiter verfeinert worden. Trotzdem, in letzter Zeit jedoch hatte ich mich daran satt gegessen und mich an anderen Salaten gütlich getan, bis ich ein ganz neues, ja, fast umwerfendes neues Rezept für Gurkensalat kennen gelernt habe. Die Rezeptur ist so genial, dass ich fast täglich eine kleine Kostprobe haben muss, so sehr habe ich mich in diesen Geschmack verliebt.
Das Rezept ist so einfach wie genial, man braucht gerade mal so wenige Zutaten, wie in meinen altbekannten Gurkensalat und so möchte ich dieses eine Mal die Rezeptur keinem vorenthalten.

Man nehme eine Scheibe Gurke, die ungeschält sein sollte, wasche sie sorgfältig ab und teile sie in zwei Stücke. Diese gibt man in ein Glas, Longdrinkgröße ist ausreichend und gebe ca. 20 Cl Gin darauf, vorzugsweise Saphire, aber es tut auch London Silver oder schlicht Gordons Dry. Abgerundet wird er mit einem gerüttelt Maß an Tonic und schon stellt sich eine gustatorische Raffinesse ein, die sogar getrunken werden kann oder besser, sogar getrunken werden sollte.

Ja, dieser Gurkensalat ist etwas fürs Gemüt.

© Kariologiker

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Unheimliche Feststellung

Heute habe ich DRAGO zu Gast und möchte einen Beitrag von ihm posten, der mich unmittelbar betrifft. Leider musste ich einsehen, dass Drago das richtig gesehen hat und seinen mahnenden Beitrag als Warnung für alle anderen und werdenden Opas verstanden wissen … is datt nit schrecklisch?
 

Ich habe heute morgen, als ich darauf wartete, 

dass mein Gesicht auch endlich aufwacht, 

eine unheimliche, ja erschreckende Feststellung 

gemacht. Und ich möchte dringend warnen! 

Mich persönlich betrifft es zwar nicht, weil ich 

in einem Alter bin, in welchem dem entdeckten 

Umstand keine Bedeutung mehr zukommt. 

Aber es betrifft – leider! – sehr viele Kinder. 

Großväter sind gefährlich! 

Durch Zufall bin ich darauf gestoßen, dass uns 

die Bezeichnungen der gemeingefährlichen Typen 

auch das Erkennungszeichen mitteilen. 

Aber ehrlich, wer achtet schon auf sowas? 

Doch wenn man es weiß, ist es offenkundig: 

PsychOPAthen 

und 

SoziOPAthen 

beweisen es täglich aufs Neue: 

Großväter sind lebensgefährlich! 

© drago 2014  

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Befremdlich

Mein Verstand geht öfters zwei Stunden vor mir ins Bett –
dafür steht mein Gesicht regelmäßig eine Stunde nach mir auf.
Bis mein Gesicht mich dann erkennt, sind mindestens drei Kaffee vergangen.

Ich räume mich meist rechtzeitig ordentlich auf,
verkleide mich gesund und schaue nicht mehr drauf
auf die zynischen Züge um meinem Mund.

Kariologiker

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9.10.2014

Kario ist Opa

 

Edit: Das Bild zum Glück

Moritz, einen Tag alt.

Moritz ein Tag alt

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Momente

Moment_um

Ich habe die Wäsche erhängt,
mich am Kaffee ertränkt.
Mich ergangen am Rauchen,
jetzt geh‘ ich gebrauchen.

© Kariologiker

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Begriffsstutzigkeiten

Begriffsstutzigkeiten

Oder

Bauer im Brot?

Vier Viren hinterließen Schlieren in meinem Gehirn, wo ist der Zwirn.

 

Nein, ich bin kein Dichter, aber manchmal eben so dicht, dass es mich erwischt. So letztlich irgendwann. Muss schon länger her sein, vielleicht 14 Tage … oder so.

Im Delirium grippus, Grog unterstützt, Aspirin gedopt, sind die Gedanken frei, wirklich. Da kräht kein Hahn danach, was ich verzapfe, obwohl … vielleicht gibt es morgen den Hahn zu Mittag … wenn ich ihn denn erwische.

Gut, es gibt bestimmt Linsensuppe. Wie immer bekommen Kranke so einen ungenießbaren gesunden Kram vorgesetzt, den man bei der eigenen Erkrankung auch selbst eher nicht essen würde. Oder trinken, wie z.B. Fencheltee. Wer auch immer ihn aus tiefster Überzeugung trinkt, für mich ist Fencheltee eine Bestrafung dafür, dass man krank ist und kommt für mich geradezu einer persönlichen Beleidigung nahe. Zweimal habe ich bei einem Krankenaufenthalt dieses Zeugs „versehentlich“ umkippen müssen, bis ich endlich etwas „Normales“ bekam. Tee … mit Mengen von Zucker und Zitrone. Immer alles rein, Hauptsache, man schmeckt den Tee nicht mehr.

Ich kann mich auch noch gut an Zwieback erinnern. Ein Gebäck, das zweimal gebacken wurde (Zwie = zwei) und sich über Jahrhunderte, wenn nicht gar Jahrtausende zu halten scheint. Wenn ich das trockene Zeugs essen musste, war ich bestimmt krank, denn wenn ich es freiwillig essen wollte, durfte ich es nicht, weil ich nicht krank war. Verstehe einer diese Logik.

Heute essen die Gesunden den Kranken alles weg. Knäckebrot, alle „Du darfst“ Produkte und diese probiotische Pampe. In probiotischen Joghurts sind doch diese „lebensfrohen“ Bakterien enthalten. Wie originell und das soll wirklich gesund sein? Die blöden Bakterien, die verdauungsanregenden, sind doch schuld daran, dass der „gepimpte“ Joghurt überhaupt seinen Namen wert ist und deswegen auch immer teurer ist als normale Joghurts sind. Vielleicht gibt es demnächst die Kochsendung „Pimp my Joghurt“. Dabei macht man Joghurt doch schon aus Bakterien, reicht das nicht? Aber das haben die lieben Leut’ ad widder verjesse oder erst gar nicht „assimiliert“. Die meinen sehr wahrscheinlich, dass die weiße Pampe ein Abführprodukt der Sonntagsbratenspenderin ist. Hat sich schon je jemand gefragt, was probiotisch eigentlich heißt? Pro Bios kommt aus dem Lateinischen und heißt fürs Leben. Ein Arzt verschreibt das Gegenteil des Probiotikums, nämlich das Antibiotikum, damit dieser die gepimpte Pampe zu Brei kloppt. Doch diese Antwort bekommt man selten, aber dafür oft von Frauen mit einer leicht entschuldigenden, schulterzuckenden Geste, durchs Lachen entwaffnender Logik: „Die schmecken doch so gut und sollen doch sooo gesund sein … oder nicht?“ Ich bleibe meist geduldig und behaupte, dass Wasser auch ein Probiotikum sei und was für eins, denn ohne Wasser sterben wir eher als ohne diesen Joghurt. Und damit das Wasser lebenserhaltend trinkbar bleibt, ist es unabdingbar, gar lebenserhaltend notwendig, dass dort keine Bakterien drin sind, auch keine Lactobazillen. Nicht eine einzige Bazille!

 

Da stehe ich doch letztens erst an der Theke irgendeines Bäckereiproduktstandes, hinter dem man doch normalerweise eine Bäckereifachverkäuferin erwartet. Die muss nun nicht zwingend blond sein und keine Mannequin-Maße aufweisen, damit ein Ömchen dort auch animiert wird ihr Brot kaufen, sondern im Wesentlichen die Qualifikation haben, einen Fachfrage beantworten zu können.

So fragte ich ein noch recht junge, mich anlächelnde Bäckereifachverkäuferin nach einem empfehlenswerten Brotgebäck und mein Rundblick rastete bei der Bezeichnung ‚Mehl-Brot’ ein und ließ mich sehr erstaunt fragen:

Was, bitte, ist ein Mehl-Brot?“ Diese weltfremd anmutende Frage brachte die heranreifende Bäckereifachverkäuferin augenblicklich aus ihrem Gutes-Reiten-Schlechtes-Reiten-Gleichgewicht und leicht verwirrt stotterte sie zurück:

Waaatt“… ehhh, noch ma‘ neu, watt wollen Se?“ Und altkluge Standards als Entschuldigung hintendran brabbelnd:

Isch hab‘ Se akustisch nitt verstanden“ Ich räusperte mich nur kurz, bremste mich sofort ein nach der Übersetzung für ‚akustisch‘ zu fragen und formulierte meine Frage nach dem Brot um, wohl wissen, dass es wenig Sinn macht ein solches Kommunikationshindernis einfach nur zu wiederholen:

Sie bieten dort ein Brot mit dem Namen ‚Mehl-Brot‘ an. Was also ist denn in den anderen Broten drin?” Nach kurzem, hektischem Umherschauen schien sie noch immer sehr überrascht, konterte dann aber knallhart und vollkommen ungeniert laut:

Dat weiß isch doch nit!“

Ich habe dann wieder ein Bauernbrot gekauft, weil ich mir, gegen alle konsequente Logik und wegen des wiederholten Kaufs sicher war, keinen gebackenen Bauern darin zu entdecken.

© Kariologiker (2.9.2010)

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