Archiv für April 2016

Träumer

Man hat ja vor lauter Träumen gar keine Zeit mehr zu schlafen. Die ganze Nacht muss man sich diese Geschichten über sich ergehen lassen, ob man will oder nicht. Dabei möchte ich gar nicht träumen. Es gab sogar eine Zeit, da habe ich gar nicht geträumt. Wenn ich nachts wach wurde, dann nur um pinkeln zu gehen. Als ich meinem Körper mit Granofink gedroht habe, hat dieser auf der Stelle damit aufgehört und wartet seitdem geduldig mit der Notdurft, bis es Morgen ist.
Letztens hat der Traum sich beschwert. Er könne nicht ständig sich für jeden Träumer neue Geschichten ausdenken, das wäre so anstrengend, dass er selbst ja gar nicht mehr zum Schlafen käme. Und bei mir wäre es besonders schwierig, da ich ja immer schreckliche komplizierte Träume haben wolle und entschuldigte sich gleichzeitig, dass ihm dann und wann der Faden verloren ginge und er mir dann Träume von einem anderen erzähle, die auch immer sehr verworren sind. Aber, so räumte er ein, es müsste mir eigentlich nicht auffallen, denn im Grunde genommen sind es ja fast die gleichen Geschichten.

Heute Morgen fragte er mich, ob ich denn zufrieden sei mit dem letzten Traum? Ich schüttelte nur den Kopf und sagte, wie kann man sich nur so einen Scheiß ausdenken, das wäre doch vollkommen unrealistisch. Ja, sagte er, die realistischen Träume, das wäre lange vorbei. Die habe er mir doch alle schon vor Jahrzehnten erzählt und außerdem könne er nur das erzählen, was ich ihm auftragen würde. Aber, erwiderte ich, ich hätte doch gar nichts gesagt und schon gar nichts mir gewünscht. Ja, sagte er, das sagen sie alle.
© Kariologiker

Advertisements

, , , , , ,

10 Kommentare

Schönes Fest

Heute möchte ich ein Gedicht von Florian Tekautz als Gastautor vorstellen.
Florian, 1976 geboren, lebt und arbeitet in Linz, Österreich, und hat zwei Gedichtbände veröffentlicht – Sanft wie eine Kettensäge und Flüsternde Rebellion.

Schönes Fest
Ich halte nichts von euren Autos
Euren Frauen, unser Geld
Zeig mir einen, den es langweilt
Und ich zeig dir einen Held

Euer Glauben, eure Werte
Sind mir ferner als ein Stern
Und ich halte mich so gut
Wie´s geht von eurem Leben fern

Denn ich bin kein Freund des Schmerzes
Ich mag Spaß und Harmonie
Pflege lieber meine Tasten
Als die beste Therapie

Euer Dasein ist die Krätze
Euer Weltbild ist die Pest
Jede Stunde ohne Fratzen
Ist für mich ein schönes Fest

© Florian Tekautz

, , , , , , , , ,

2 Kommentare

Wirr_Sinn

 

Ich habe mich lange gesträubt,
mich dafür ständig betäubt
mit allem was es gibt,
auf dass mich einer liebt.

Immer und immer wieder
schreibe ich kleine Lieder
bis mir die Augen zu fallen,
höre Melodien nächtens hallen.

Wie oft verwiesen meine Sinne,
mich, denn sie wohnen in mir
und manchmal halt ich inne
und träume einfach von Dir.

Du wirst mich befreien,
von dem anderen Ich
und freiwillig werde einreihen
ich in mich und in Dich.

, , , , , , , ,

5 Kommentare

Stuhl

Ich kaufe mir einen zweiten Stuhl,
damit ich mich gezielt dazwischen setze.
Auch wenn man nur auf einem sitzen kann, hat man dann die Wahl.

Noch sitze ich auf zwei weichen Kissen, die beide so bequem sind, dass das eine nichts vom anderen will wissen will und ich mich trotzdem von der einen Bequemlichkeit zu anderen wälze.
Morgen werde ich die Kissen entfernen und mich auf die harten Stühle setzen. Morgen werde ich mein Gewissen prüfen und ich weiß, es fliegen Fetzen.

Denn man kann nur auf einem Stuhl sitzen, doch sollte man wissen, auf welchem.

5 Kommentare

Verboten

 

Meine Frau hat mir 
das Aussehen verboten.

Ich tat ihr den Gefallen.

Als sie mich wieder ansah, 
entsetzte sie sich, 
“Du siehst ja verboten aus.“

Ich nahm ihr den Gefallen.

© Kariologiker

, , ,

5 Kommentare

Für Sissi

, , , , ,

8 Kommentare

Pane et … ähm … Dingens

Der Bundestag soll
auch
abgeschafft werden und statt dessen ein Soap Opera im Stile von House of Cards eingeführt werden. Man erspare sich so auch den Wahlgang, so eine Pressemitteilung, weil durch die Einschaltquoten darüber entschieden werden würde, welche Kandidaten nicht mehr mitschauspielern dürfen., was sie sowieso jetzt schon nur machten.Als einzige Alternative für die Wahlurne käme noch das Dschungelcamp in Frage. Und nein, so die Verlautbarung, man sehe darin keine Gefahr für die Demokratie, die jetzt schon ein ganz neues TV Format bekommen hätte. 

NTV und N24 bekunden Zustimmung. Man könne so mit Phönix die Sendetermine besser koordinieren.

Neues aus aller Welt, heute für ohne Geld.

Kariologiker 

2 Kommentare

%d Bloggern gefällt das: