Archiv für März 2012

Der letzte Ton der Toccata

In meiner schon frühen Begeisterung für J.S. Bach habe ich dieses Meisterwerk 1978 mit dem Titel „Der letzte Ton der Toccata“ gebaut und viele, viele Liebhaber Bachs haben diesen letzten Ton der Toccata schon gespielt. Der Griff zeugt mit deutlich Spuren davon.

Dieses Werk ist von dem bildenden Künstler Kariologiker in seiner frühen Schaffensphase gebaut worden und hat schon viele Ausstellungsräume verziert.

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Löffelgericht


Mit den Mitteln der Nouvelle Cuisine hat man in der gerichtlichen Entscheidungsfindung von Lapalien, die mehr und mehr die Gerichte versalzen und damit keinem mehr anzubieten sind, sich in der Technik der Molekularküche mit großem Erfolg der

„1-Euro Löffel“ bedient.

Ab sofort werden alle Suppen der unteren Zivilgerichte, besonders für die als „Maschendrahtzaun-Fälle“ bekannt gewordenen Nichtigkeiten an den Molekularkoch zurück verwiesen, damit er selbst die in Stücke geschnittenen Flüssigkeiten auslöffelt, von denen keiner weiß, warum man nicht das schmeckt, was man isst und nicht das ist, was man meint zu sein, wenn man sich mit diesem Gericht auseinandersetzt.

© Kariologiker

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Löffeldurcheinander

Löffel sind nicht immer nur einfach Löffel

 

Man kann den Löffel abgeben. Ein Sprichwort oder fast schon eine Floskel mit mehreren Versionen der Herkunft. So kann man in Wikipedia folgendes nachlesen:

Im Mittelalter war der eigene Löffel ein lebensnotwendiges Werkzeug und wurde immer überall hin mitgeführt. Ihn „abzugeben“ (oder „abgeben zu müssen“) war gleichbedeutend mit „kein Lebensrecht mehr haben“. In einigen Gegenden wie zum Beispiel im Schwarzwald wurde den Knechten vom Bauern für die Dauer ihres Dienstes ein Löffel leihweise überlassen. Nach Beendigung des Dienstes musste auch dieser Löffel abgegeben werden.

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Eine weitere, mir zugetragene Version, kommt aus der jüngeren Geschichte und soll im KZ gebräuchlich gewesen sein:

Wenn man zum „Duschen“ geschickt worden ist, hat man seinem Löffel, wenn man denn einen hatte, an denjenigen abgegeben, der nicht „duschen“ musste. Mir läuft bei diesem Gedanken immer wieder ein kalter Schauer über den Rücken.


 

Ich habe für 1,- Euro in einem 1-Euro-Shop diese „Eislöffel“ erstanden und weil ich kein Eis esse, habe ich mir den Fotoapparat geschnappt und das Durcheinander fotografiert. Ich gebe diese Löffel damit hier im Blog ab. Damit endlich mal dieser Schreck erfüllte Gedanke bei mir eine andere Bedeutung bekommt.

 

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Stimmungsabfahrtsperspektivisch op Kölsch

Wenn es einem eingefleischten, brauchtumspflegenden Kölschen et ens rischtisch schlescht jeht, also, wenn der ens total nevven d’r Spur is … singt er meistens.

 

Zum Beispiel den Trauergesang der „Ahl Säu“:

 

Leck misch am Aarsch,

isch john in’t Kloster,

leck misch am Aarsch,

isch weed Pastuur.

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Katalytisch

Mehrmals warf er sich verzweifelt hinter einen Zug. Die Wunden wurden immer schlimmer, je öfter er auf die Gleise fiel, bis er endlich bemerkte, dass der Zug gar nicht fuhr.

Ein Jahr zuvor war er an Gleichgültigkeit verstorben.

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© Kariologiker

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Die Bilder des Fred Rauch

Ein befreundeter Maler aus München hat diese Zeichnungen für unser Buch „In aller Kürze“ gemalt.    ISBN 978-3-8448-0500-0

Sie allein sind schon einen Augenweide, abgesehen von den Texten…

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Alle Rechte zu den Zeichnungen liegen bei Fred Rauch. Kopieren ist nicht erlaubt und bedürfen der vorherigen Erlaubnis.

Vielen Dank.

Kariologiker

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Handtaschen-Dame


Im Sediment der Handtasche trägt
die Grand Dame von Welt
mehr mit sich als nur Geld.

Frau Gräfin von Annodazumal,
heute Klofrau im Wartesaal
hat immer ’ne Tasche dabei.

Dort trägt sie nichts drin
außer einem Taschentuchbehelf
zum Auftragen von 4711.

Die schweren Beutel
könne sie kaum noch heben,
wollte einzig den Flair durchleben.

© Kariologiker

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Alte Schuhe

Alte Schuhe trage ich am liebsten. Ich weiß nicht so recht warum. Sie drücken weniger, mein Fuß hat sich vielleicht schon in das Leder eingearbeitet oder das Leder sich dem Fuß angepasst.

Die ursprüngliche Form ist meist nicht mehr ganz zu erkennen, dafür sind sie etwas individualisiert, auch sieht es nicht immer vorteilhaft aus, aber ich trage sie gerne und natürlich so lange, bis sie endgültig ausgelatscht sind.

Mal reißt ein Schnürriemen, mal geht eine Naht auf und doch versuche ich immer wieder sie noch mal repariert zu bekommen. Ein alter Schuster werkelt z.B. an einem paar Sandalen, die ich mir vor über 10 Jahren gekauft habe, immer wieder erfolgreich herum und ich freue mich jedes Mal, wenn er es wieder und besonders noch mal und ganz besonders, wenn er es gut gemacht hat. Runderneuerung wäre ein treffendes Wort, wenn es sich auf Reifen bezöge.


Ich bin halt so ein Typ. Aus einem konservativen Holz geschnitzt und meist skeptisch gegenüber dem neumodischen Bekleidungs-Schnick-Schnack. Zudem ist es sehr anstrengend und zeitraubend, sich durch Schuhgeschäfte zu kämpfen, in denen Fachverkäufer als einzige Verkaufsanimation und ausreichende Fachinformation drei ganz stereotype Sätze von sich geben können müssen.

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1.“Die machen einen schlanken Fuß“

2.“Die werden gerne genommen.“

3.“Brauchen Sie ein Pflegemittel dazu?“

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Ob überhaupt jemand von denen weiß, was ein Derbyschnitt ist? Wenn ich es mir so recht überlege, kenne ich mich bald besser in Schuhen aus, die Fachverkäufer schlechthin. Na, ja…

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Typen werden oft auch anders eingeschätzt. Als die ewig Gestrigen, als jene, die nie das Maul halten und besonders unbeliebt sind die, die sich immer wieder und oft zum Leidwesen anderer, mit einer Sache ernsthaft und intensiv beschäftigen. So bin ich eben und eben auch wieder nicht. Der Mittelweg ist sicher pragmatischer als die ewige Konfrontation und so bleibe ich lieber bei den alten Schuhen, weil sie so einfach zu handhaben sind.


Dann gibt es wiederum Menschen, die immer neue Schuhe haben wollen. Oder die alten in die Ecke stellen, weil sie unbequem sind. Das sind eben keine Typen.
Internetschwadroniker, die Typen von Typen nicht unterscheiden wollen, sind eben keine Typen. Als Folge der „mittelhochdeutschen Lautverschiebung“ sei noch angemerkt, dass eine Type ein Buchstabe auf einem Holzblöckchen ist, den man mit mehreren zusammen in der alten Druckkunst zu einem Satz zusammen setzte, welches sich dann erst setzen musste, um es dann überhaupt erst drucken zu können. Deswegen kümmerte es mich nur wenig, dass die Bezeichnung Typ mal wieder falsch angewandt wurde.


Doch bleiben wir beim Typen. Für mich hat diese Bezeichnung immer noch etwas positives und so wird es auch bleiben. Ich liebe meine alten Schuhe und ich werde weiter diesem Typus gerecht werden.
Nun haben Typen, die darin etwas Negatives sehen nur selten die Möglichkeit, daraus auch etwas zu lernen. Schade.


Ich liebe meine Schuhe.


© Kariologiker

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Heilige, im Besonderen

Wenn ich die Zeit dazu hätte, ich könnte mich stundenlang über Heilige amüsieren. Es gibt ja für alles und jeden, für Sinniges und Unsinniges und was weiß ich alles, Heilige. Die müssen irgendwie sehr wichtig sein, obwohl ich mir auch hier bei nicht vorstellen kann, was der nun macht, außer sich ganz heilig zu geben. Die sind doch so nutzlos wie ein Doppelbett für den Papst. Also ich wüsste nicht ein Beispiel, bei dem mir so ein Heiliger … gut, ich habe auch keinen gerufen und um etwas gebeten.

Der heilige Patrick ist nicht nur ein einfacher Heiliger, sondern sogar der Nationalheilige von Irland. Wir Deutsche haben, glaube ich, gar keinen … oder? Komisch, das überrascht mich jetzt doch etwas.

Also dieser irische Nationalheilige, dieser heilige Patrick, also so viel weiß man gar über nicht ihn. Fast gar nichts. Also wenig historisch verbrieftes, aber eines ist so sicher wie das Amen in der Kirche:

Er war kein Ire. Ehrlisch, kannst’e fraren.

Kariologiker

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Musik, Text – Beides ein Instrument?

Text und Musik

oder

Text gleich Musik?

Die Besonderheit vieler Deiner Texte, Kariologiker, liegt nicht nur in Deiner herausragend feinen Beobachtungsgabe und der oft lakonischen, meist humoristischen Ausdrucksweise, mit der Du immer treffsicher abschlägst und punktgenau einlochst, sondern vor allem anderen an der Musikalität Deiner Sprache.

Der Jazzer und frei improvisierende Gitarrist in Dir bahnt sich mittels Deiner Diktion einen (zusätzlichen) Weg nach außen. Dein Kopf und/oder Herz müssten sonst wahrscheinlich platzen bei dieser Anzahl von Ideen und Eingebungen.
Die angestaute Kreativität muss einfach raus, egal welches Ventil sie dabei nutzt, wie jener berühmte Affe, der uns alle gelegentlich juckt.

Da nun die Musik Dein eigentliches Steckenpferd und Deine besondere Berufung ist, singst und musizierst Du einfach mittels Deiner Sprache, wenn gerade kein geeignetes Instrument (und das ist bei Dir schwierig) zur Verfügung steht. Die wohlgesetzten Worte klingen immer dynamisch, die darin mitschwingenden Harmonien klingen regelmäßig nach.

Es ist wirklich interessant, wie sehr man Deiner Sprach- und Ausdrucksweise den Jazzmusiker anmerkt. So enthalten sämtliche Deiner Texte unerwartete Rhythmen- oder Wechsel der Tempi. Die "Brüche" in Deinen Erzählungen wirken dann wie Taktsprünge - als Leser meint man, fast wie in einem Lied, zu hören, wenn Du das Tempo der Erzählung einmal plötzlich anziehst, dann wieder maximal entschleunigst. Und immer finden sich mehrere Stimmen in Deinen Texten, sogar ein Basso Continuo liest man deutlich heraus, der dunkelrote Faden, der - kaum sichtbar - doch alles zusammenhält mit seiner tiefen Harmonie.

Besonders angetan aber haben es mir Deine "blue notes", diese leisen, jazzigen Zwischentöne, die Deinen Texten eine ungeheure Tiefe geben. Der jeweilige Handlungsstrang Deiner Schriften ist ohnehin bereits mehrschichtig angelegt, durch die Verwendung emotionaler Klangbilder und "schräger" Töne werden sie dann noch zusätzlich aufgefächert. Einfach wunderbar...

Diese "blauen" Töne zwischen den Tönen, die sonst nur im Blues und Jazz bekannt sind, jenen Genres, denen gemeinhin attestiert wird, die emotionalsten aller Musikarten zu sein, lassen Deine Texte immer genau an der Grenze zwischen dur und moll pendeln. Jede Erzählung eine Gradwanderung der Gefühle. Die Musik eines traurigen Clowns geschrieben mit den Worten der Poesie.

Jetzt wo ich ihn kennen lernen durfte, den Musiker und engagierten Arzt und erfahren durfte, woher der Autor diese Energien schöpft, jetzt erst weiß ich diese vollkommen harmonischen Dissonanzen und leisen Crescendos wirklich zu deuten.

Deine Texte sind pure Musik, voller unerwarteter Harmonien und gewaltiger Akkorde, mal vielstimmig wie der Kanon, mal einstimmig für den rheinischen Monologisten. Und manchmal - nur ganz selten - komponierst Du einen Text als "Pas de deux".

© Ge.Sa.-Voir


Musikschreibender

Hatte ich schon erwähnt, dass ich eigentlich Musiker bin? Ja, ich komponiere sogar Musik und spiele sie auch, auf mehreren Instrumenten sogar.

Ja, und warum schreiben sie dann?

Nun, es ist sicher seltsam, aber immer wenn ich schreibe, fällt mir ein, was ich komponieren möchte und kaum dass ich komponiere oder z.B. Klavier spiele, müsste ich sofort an die Tasten des Rechners und noch spielend zu schreiben, was ich schreibend noch gedacht habe spielen zu müssen.“

Sie spielen also um zu schreiben und ebenso schreiben sie um zu spielen?“

So könnte man es nennen.“

Warum schreiben Sie denn nicht einfach während sie ein Musikstück hören, also sich eine CD oder Schallplatte auflegen?“

Das ist unmöglich. Jedes Musikstück, das mir gefällt, nötigt mich analytisch zu hören und dabei erkenne ich nicht selten, dass ein Grundgerüst eines früheren Meisters missbraucht wurde, ja, abgekupfert wurde. Dann muss ich unwillkürlich darüber nachdenken und verliere den Faden zu dem, was ich gerade schreibe, weil ich dann spielend nachfühlen möchte, was der Komponist vielleicht meinte.“

Also wäre es am besten, sie würden nur Musikkritiker werden und schrieben über das, was sie wissen?“

Ja, das wäre logisch, aber wenn ich dies wiederum genau betrachte, dann müsste ich große Abstriche machen, weil ich nicht gerne Musik höre und deswegen auch selten Musik als gut befinde, die populär ist.“

Und wie ist es bei den alten Meistern?“

Alte Meister sind mein Vorbild. Sie stellen für mich die Wahrheit in der Musik dar. Obwohl ich erkennen muss, dass auch sie sich nicht frei davon sind, sich eines Älteren zu bedienen und den Zuhörer versuchen in die Irre zu führen, indem sie nur den Rhythmus und vielleicht die Melodie etwas verändern.“

Dann sind sie sicher der Meinung, dass es nichts mehr zu komponieren gibt und alles, was heute an Musik auf dem Markt ist, schon komponiert worden ist?“

Ja, genauso, wie ich der Meinung bin, dass es nichts neues mehr zu schreiben gibt, weil alle Themen schon geschrieben oder beschrieben wurden. Und das ist schließlich wohl auch der Grund, warum ich stets ans Schreiben denke, wenn ich spiele. Denn das Spiel der Gedanken benutzt kein bestimmtes Medium und weil diese Gedanken mit der Vielfalt des Ausdrucks arbeiten und dieser Eindruck immer wechselt, bin ich immer auf dem Sprung vom Schreibgerät zum Spielgerät und umgekehrt.“

Haben sie den schon mal etwas komponiert?“

Natürlich! Einen Liedtext von einer Liedmaschine, die von einer Gitarre begleitet wird, mit der man einen Text schreibt.“

Ahhh, ha!“

© Kariologiker

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