Archiv für April 2015

1. Tarifrunde (Folter) um 1757

Den ersten ernstzunehmenden Tarif erachtete sogar Mister Ben Schott als so wichtig, dass er in seinem Buch „Schotts Sammelsurium“ Erwähnung fand! Dieses Buch gehört eigentlich in den Haushalt all derer, die sich rühmen ein gewisses Allgemeinwissen zu ihrem allgemein wissenslosem Gewissen vorrätig zu halten. Und sei es auch nur in Form eines Sammelsuriums, wie Ben Schott sein Werk nennt, in dem er nutzbare Dinge und Daten des Alltags gesammelt hat.

Doch es geht hier nicht um Ben Schott und seinem Buch, sondern um Folter.

Die Folter beim Zahnarzt ist ja noch gar nicht so alt, war jedoch von je her ein Mittel, um etwas zu beweisen, also etwas in Erfahrung gebrachtes zu rechtfertigen und somit diese Erfahrungen mit Beweisen dann zum Nachweis zu nutzen, um mit dieser Erfahrungen in der heutigen Wissenschaft Wissen zu schaffen, das eben auf der Basis aller Folter entstanden sein muss. Logisch, oder? Diese Technik ist relativ gesehen eben noch sehr jung, also die junge Technik, obwohl auch die alte Technik etwas zu erfahren in dieser Zeit eine nicht unscheinbare Renaissance erfährt, die einen manchmal schon erschaudern lässt.

Offensichtlich ist der gemeine Nutzen einer Folter auch schon in frühester Zeit ein richtiger „Renner“ gewesen. Zumindest scheint es so, denn das Foltern an sich ging den Auftraggebern mächtig an den Geldbeutel und war wohl schon früher ein so teures Vergnügen, dass der Fürst-Bischof von Köln am 16. Januar 1757 einen Foltertarif einführte. Und das, nachdem er dem Oberfolterer schon einen stattlichen Betrag als Vorschuss gegeben hatte, nämlich 80 Reichstaler, 20 Albus, 12 Malder Korn und 4 Klafter Holz.
Das sind umgerechnet … ach, herrje, in Euro wären das … also … na, ja, der hatte auf jeden Fall schon mal einen ganze Menge Holz vor der Tür. Dafür gab es damals auch keine Urlaubsregelung und selbst das Qualitätsmanagement war noch nicht so verpflichtend in den Vordergrund gestellt, wie wir es heute kennen. Man kann eben nicht alles haben, besonders, wenn es an tatkräftigen Aachner Printen fehlt, wie sie eine Trullala Schmidt ist. (Ehemalige Gesundheitsministerin)

In dieser besagten Folter-Tarif-Liste waren ganze 55 Folterarten aufgelistet und natürlich die entsprechende Entlohnung dafür.
Gut verdienen konnte man als Folterer der obersten Tarifklasse (ohne Lohnnebenkosten und Kilometerpauschale!) besonders mit Zerreißen und Vierteilen durch vier Pferde, was 5 Reichstaler und 26 Albus einbrachte, um einmal die lukrativste Variante vorweg zu nennen. Das Vierteilen allein brachte immerhin 4 Reichtaler ein. (Ohne Pferde? Nur mit Menschenkraft – quasi ein „Strongest-Men-Competition“ op Kölsch?)
Nur Köpfen wurde dagegen mit geziemen 2 Reichstalern und 52 Albus vergütet. Ob der Henker auch den Dreck weg mache musste oder ob dafür eigens die Kölner Stadtreinigung erfunden worden war, bleibt dem Chronisten leider verschlossen und selbst in den Stadtarchiven gibt es darüber keine genauen Angaben.

Sehr einträglich waren auch das Herausschneiden der Zunge und das Ausbrennen des Mundes mit einem rotglühenden Eisen. Das war derer von und zum alten Cöln ganze 5 Reichtaler wert. Eine Methode, übrigens, die sich bis heute als Parodontosebehandlung hat erhalten lassen und besonders „genüsslich“ von einem Berufsstand gepflegt wird, der sein „jämmerliches“ Dasein den Friseuren zu verdanken hat und bis heute nur von der Hand im Mund lebt.

Dagegen nimmt sich Verbannen aus der Stadt und das Verprügeln mit 52 Albus Salär eher als Dienst für den „Lehrling“ aus. Und sogar die Schreckensverbreitung durch Vorzeigen der Folterinstrumente, quasi der „Tag der offenen Tür“ der Folterinnung zu Colonia Claudia Ara Agrippinensis, im Jahre Anno dazumal, hatte man den Akteuren mit 1 Reichtaler entgolten. Immerhin, so hatte man wenigstens den Aufwand entschädigt. >hüstel< Also doch vielleicht die erste Kilometerpauschale? Mer weiß et nitt.
Wenn ich es mir aber so recht überlege, war Köln, das Forum Germanum der römischen Legionen unter Claudius, immer schon eine sehr handelstüchtige Stadt und vielleicht wurde damals schon der Grundstock für die Messehallen in Köln-Deutz gelegt. Auch das weiß man leider nicht, besonders in Bezug auf die Tatsache, dass Deutz früher für Köln Ausland war und noch heute mit dem Rhein auf die natürlichste Weise getrennt bleibt.
Außer dem Ausstellen der Folterinstrumente hatten pfiffige Kaufleute noch gute Marketingideen entwickelt. Die Marketing-Idee ist eben weder neu, noch von Amerikanern erfunden. Das waren natürlich wieder wir Kölner. So spannten kölner Kaufleute eine Kette über den Rhein und kassierten die Heringe ein, die rheinaufwärts getreidelt worden waren und benannte es zum Stapelrecht. Um all das Gestapelte an den Mann, oder die Frau zu bringen sind mal eben ein paar verschimmelte Knochen in Mailand geklaut worden, hatte diese als die Gebeine der heiligen drei Könige deklariert, sehr goldig und edelsteinprotzig eingefasst und um diese Präziose herum dann einen Dom gebaut. Und dieses mittelalterliche bis barocke Prunkstück christlicher Vorsintflut ist noch heute die Vorhalle des Kölner Hauptbahnhofs, in dem jedes Jahr Tausende Pilger ankommen. Tja, dumm waren die Kölner damals nicht und nicht umsonst ist Köln noch heute die reichste Diözese der Welt. „Vun nix kütt nix“, sagt man noch heute in Köln nicht umsonst.

Doch weiter in den Foltermethoden:
Für das Abschneiden einer Hand oder mehrerer Finger und auch für das Köpfen wanderten pauschal nur 3 Reichtaler und 52 Albus in des Henkers Geldbeutel. Man sieht also, dass es ganz egal war, was man abschnitt, es wurde alles gleich bewertet, denn der Delinquent verstarb ganz sicher, was natürlich die Sinnvielfalt der Folterziele, damals wie heute, stark in Frage stellt. Doch zeigt es deutlich auf, welchen Wert ein Mensch hatte, sowohl damals, als vielleicht noch heute?

Nun, so war Knochen brechen bei lebendigem Leibe wieder etwas lohnender, denn dafür zahlte man sogar 4 Reichstaler, ebenso wie fürs Hängen und Verbrennen. Ob man allerdings letzteres als Druckmittel erfolgreich einzusetzen gedachte, ist nicht übermittelt. Dafür aber mit Sicherheit die Chronik von 1757, in der all diese netten gesellschaftlichen Accessoires niedergeschrieben worden sind. Das ist nicht nur heute noch normal, das war früher viel normaler!

Was nun das Herausreißen eines Zahnes oder mehrerer Zähne, natürlich ohne Betäubung, zu dieser Zeit gekostet haben mag, entzieht sich ebenso der Kenntnis des Chronisten, denn die Barbiere oder Bader hatten leider erst sehr viel später, vielleicht viel zu spät sich Gedanken um einen Gebührenordnung für dental-medizinische Leistungen gemacht. Vielleicht bekam ein halbes Schwein oder man hatte Schwein, wenn man keins über die Rübe bekam, welche, für sich genommen, damals eher der Schnapsgewinnung diente und dieser wiederum eher zur Betäubung herangezogen wurde.

Nimmt man nun die Tarifrunde 1757 als das Maß Null, dann müssten heute Unsummen für die gleiche Tätigkeit bezahlt werden müssen und vielleicht ist das mit ein Grund, warum man diese Machenschaften an offensichtlich gesetzlose Strukturen weiterreichte. Unerklärlich ist dabei allerdings, dass man grün, schwarz oder blau eingekleidete Machenschaftsverhinderer den Auftragsbeauftragten hinterher schickt, um ihnen, so gut es geht, die Suppe zu versalzen.

Aber, man muss ja nicht immer alles wissen, oder? Und wie sagte meine Oma stets in rheinischer Ergebenheit so schön op kölsch:
*„Jung, mer weiß nitt, wofür et ens jot sin kann. Vun nix kütt nix. Also, bes jetz still!“

© Kariologiker
Übersetzt:
„Junge, man weiß nie, wofür es gut ist. Von nichts kommt nichts. Also, sei jetzt still!

© Kariologiker

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WENN

Wenn du heute in den Spiegel schaust, wirst du dich noch erkennen und vielleicht ausschau’n wie gestern.

Wenn du heute aus dem Fenster schaust, wird vielleicht das Grün der Bäume ein wenig mehr sein als gestern.

Wenn du heute in dein Auto steigst, wird es vielleicht ein weniger staubiger sein als gestern.

Wenn du heute über die Straße gehst, werden dir vielleicht ein wenig mehr lächelnde Menschen begegnen als gestern.
Wenn du heute beim Bäcker deine Brötchen kaufst, werden sie vielleicht ein wenig frischer sein als gestern.

Wenn du heute blau machst und dir einen Spaziergang durch den Wald gönnst, wird die Luft vielleicht ein wenig kühler sein als gestern.

Was zum Kuckuck will ich dir eigentlich sagen?

Schreibt … Sissi

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