Wege gehen
Veröffentlicht von kariologiker in Beiläufiges, Gedanken, Lyrik am 19. Mai 2013
Wir gehen Wege,
wohl wissend,
dass es keinen Weg gibt,
der endlos ist.
Ist der Weg wirklich das Ziel?
Sind vielleicht gerade Ziele
die Endlichkeiten unserer Wege?
Welchen Weg auch immer wir wählen,
er verpflichtet.
Kein Weg ist steinig genug,
als dass er unbegehbar ist
und kein Stein ist nur ein Hindernis.
Er kann schmücken,
er mag den Weg glätten
oder den Weg führen.
Wir kennen sie alle,
diese Steine
und wir gehen sie ständig,
diese Wege.
Sie mögen uns vor Gefahren mahnen
und doch ständig
den Reiz in uns wecken
wissen zu wollen,
was hinter diesen Steinen ruht, droht.
© Kariologiker
Penelope von Saltimbocca
Veröffentlicht von kariologiker in Gedanken am 18. Mai 2013
Penelope von Saltimbocca ist tot
Aktennotiz: PvS/Wol/Tee-06.102009-815763.1-wol Bitte bei allen
Schreiben bitte mit angeben.
Höchste Priorität – Zur Vorlage Frau Ministerin U. Schmidt persönlich.
Der Tatbestand – nach Anwenderaussage:
Der Trauermarsch erklang eher zufällig im Radio und es entstand ein
tief betroffenes Schweigen. Penelope ist tot. Die 1,276 cm große, adelige
Springspinne, Penelope von Saltimbocca, die seit 2 Tagen im rechten
Waschbeckenwinkels des linken Behandlungszimmers im zweiten Stock
eines dreistöckigen Büro- und Wohngebäudes immer brav und
angenehm unaufdringlich, ja geradezu höflich, distinguiert den
Waschungen beigewohnt hatte, war durch höhere Gewalt abrupt in den
Tod gerissen worden.
Eine noch 13jährige mimikreduzierte Botox Patientin hatte gerade die
Leitungsanästhesie im Unterkiefer rechts gesetzt bekommen, als sie
entsetzt, mit zu Berge stehenden Haaren (Dreiwettertaft) im rechten
Augenwinkel, durch die Winkelwirkung und der damit, in ihrer myopen
Fehlsichtigkeit verbunden vergrößernden Verzerrung der Darstellung,
gesehen hatte, wie sich Penelope, die gerade aufgestanden war und sich
nun umdrehen wollte, damit sie ordentlich den Hintern versohlt
bekommt – was ihr während ihres langen, unbemerkten Aufenthaltes
immer gefallen hatte – also genau in diesem Augenblick, jedenfalls,
erblickte die 13jährige Botox benebelte sie, die Springspinne Penelope,
und mit einer tai-chi-chuan-ähnlichen, reflexartigen Bewegung landete
ihre unschuldige, vom Beten und Beichten noch reine, weiße und
makelfreie Hand aus nicht unerheblicher Höhe in der ganzen Länge und
Breite auf Penelope.
Alle Wiederbelebungsversuche waren vergebens. Ein eigens, eilig
herbeigerufenes Arachno-Rescue-Team der Schweizer Spezial-
Cavumwacht kam nur wenige Minuten zu spät. Penelope erlag den
Folgen ihrer Schlafsucht.
Penelope ist tot. Keiner konnte die Angehörigen rechtzeitig unterrichten
und so landete Penelope nach großen Ach und Weh, nach sorgfältiger
Enthaarung und vonhagenscher Plastifikation, mit anschließender,
intensiver alkoholischer Sterilisation im Papierkorb der nahen, nicht
ortsgebundenen Bedürfnisanstalt. Ihrem Andenken wurde im Dixi-Klo
Nr.: 12462357,7 mit einem goldenem, dokumententauglichen Edding
die letzte Ehre erwiesen.
Keiner trauert um Penelope … wann gibt es endlich Kaffee und
Streuselkuchen?
Der Leichenschmaus fiel leider aus und das war durchaus
nachvollziehbar, wenn auch strittig. Liegt doch mittlerweile dieser
Vorgang als Begründung für einen Verfahrensanweisungsvorschlag einer
Arbeitsgruppe des unteren Vorschlagsgremiums des
Gesundheitsministeriums unter der federführenden Leitung des
ehemaligen Patienten und Ressortleiter, Dr. rer.pol. Willi Wolverast, vor,
den er persönlich mit der höchster Wichtigkeitsstufe versehen hatte, er,
Dr. Wolverast, persönlich!
Was war passiert, dass es ihn, Dr. Wolverast, immer wieder in einer,
für sein Ressort eher unverhältnismäßigen, ja, fast hartnäckigen
Intensität und Beharrlichkeit, mit seinem Antragsvorschlag vor Trullalas
Türe trieb?
Antragsausführungsbegründung: nach Anwenderaussage
Erst letztes Jahr, es war ebenso traurig, wie unerwartet, denn wir
wollten gerade um etwas trauern, ist die Teerraupe „Blacky“ direkt vom
vorderen Rand der Behandlungslampe – wohl wegen der erheblichen
Zunahme der Wärmeentfaltung – nach verzweifelten Versuchen doch
noch irgendeinen Halt zu erhalten, wohl eher versehentlich abgerutscht
und von dort aus ungebremst in den Mund von Manfred Wolverast, dem
Bruder von Dr. rer.pol. Willi Wolverast, seines Zeichens Oberstudienrates
und Lehrer für Biologie und angewandte Thermodynamik, derart
ungünstig hinein gefallen, dass dieser, M. Wolverast, unmittelbar an den
Folgen eines Teerraupenbronchialkarzinoms brachial sich seiner
Bronchien, noch vor den Augen der Aufsicht führenden Ziehschwester
seiner Mutter Hildegard entledigt hatte, war während der nun auch für
diesen außergewöhnlichen und zutiefst bedauernswerten Zwischenfall
bei der, mit großer Anteilnahme besuchten Trauerfeierlichkeiten, die
hauseigene Kaffeemaschine schon nach den ersten zwei Kondolierenden
nur noch bereit, Tee zu kochen.
Tja, watt so alles kaputt gehen kann … traue keiner Kaffeemaschine vor
13.64 Uhr.
Anmerkung des Verfassers:
Nach unbestätigten Informationen soll der Antrag „Kaffeemaschinen bei
Trauerfeierlichkeiten“ noch morgen dem TÜV Rheinland vorgelegt
werden, der seinerseits in einer Vorankündigung schon einer
gutachterlichen Vorprüfung stattgegeben hatte, wohl dem Papier keine
Zustimmung erteilen werden, weil in den Augen der juristischen
Oberinstanz des Fachnebenressorts „Maschinen in öffentlichen
Veranstaltungsstätten“ des TÜVs, nach erster Voreinschätzung, ganz
entscheidend für eine weitere Prüfung es sich nicht um eine
Teemaschine handeln würde und in der gleichen gutachterlichen
Vorabstellungnahme dem Ansinnen von Dr. rer.pol. W. Wolverast
obendrein vorzuwerfen wäre, dass eine klar heraus lesbare, rassistische
Einstellung den Teetrinkern gegenüber mit den geltenden, gesetzlichen
Bestimmungen derzeit nicht vereinbar wäre.
© Kariologiker
PS Saltimbocca bedeutet auf Deutsch: Spring in den Mund
Ein neues Hilfsmittel Ein neues Hilfsmittel
Veröffentlicht von kariologiker in Beiläufiges, Gedanken, Informatives, Empfehlungen am 10. April 2013

Ich benutze jetzt ein Tool … ehmmmm … APP, das PixelPumper heißt.
Ich benutze jetzt ein Tool … ehmmmm … APP, das PixelPumper heißt.
Das Foto, das ich einfüge, kennt ja jeder … oder? Jaaa, da war ich noch jung und schön … jetzt sind wir nur noch jung … aber es ist ja nur ein Versuch.
© ha … sogar das Copyright kann es…
Synchronschwimmen
Veröffentlicht von kariologiker in Beiläufiges, Gedanken am 30. März 2013
Synchronschwimmen
Eine Sportart, die man vielleicht mögen kann, zu der man aber zumindest schon eine gleichwertige Einstellung haben muss, wie zum Eiskunstlaufen, denn das Schwimmen an sich ist kein Schwimmen, wie man es langläufig als Schwimmen kennt, da man mit derartigen Verrenkungen noch nicht einmal das Seepferdchen bekäme, ist das Sychronschwimmen. Und weil es bei dieser Sportart Schiedsrichter gibt, die nicht nur darüber entscheiden müssen, ob die Schwimmanstrengungen synchron waren, sondern auch noch benoten, ob das schön war, was der Wassersportler erschwommen hat, ist es eher ein Wettkampf, den nicht der Sportler gewinnt, sondern ein Richter gewinnen lässt. Wobei Schwimmen in dieser Sportart sehr wenig mit synchron zu tun hat, es sei denn man definiert Schwimmen einzig als die Fähigkeit, nicht zu ertrinken.
Eine ganz spezielle und von mir überaus begierig verfolgte Disziplin des Synchronschwimmens ist das
Einzelsynchronschwimmen.
Schon die Wahl des Begriffes lässt mich stark an dem Gesinnungszustand der Sportartenbezeichner zweifeln, denn wenn synchron etwas damit zu tun haben könnte, dass zwei Individuen etwas Identisches gleichzeitig und parallel ausführen, dann hat das Einzelsynchronschwimmen schlicht einen Schwimmer zu wenig, um auch nur annähernd definitionsgerecht als Bezeichnung erklärbar zu machen, was wirklich damit gemeint ist.
Das Einzelsynchronschwimmen wird, wie alle anderen Synchronschwimmendisziplinen, als offizielle Wettkampfdisziplin ausschließlich von Frauen ausgeübt. Undenkbar, und wodurch es zu einem direkten Ausschluss einer Synchronschwimmerstaffel kam, ist die Teilnahme eines männlichen Synchronschwimmers. Männer können das nicht und damit dürfen Männer das nicht, entschied das IOC vor nicht all zu langer Zeit und damit basta. – Und der Mann konnte vielleicht synchron … also ehrlich, ich kenne mich darin vielleicht nicht so gut aus … doch wenn der nicht synchron war … aber lassen wir das -
Eine grazile, dem Hungertod nah erscheinende, blonde Zierlichkeit – alle Synchronschwimmerinnen sind blond … bis auf die dunklen – grell und wasserfest geschminkt, die Haare kunstvoll in Form gebracht und noch kunstvoller festgesteckt, mit einer überdimensionalen Nasenklammer im Gesicht, steht nun in ihrem Glitterbadeanzügleinchen, schielend ( wegen der Nasenklammer schielen fast alle Synchronschwimmerinnen ) am Beckenrand, verbeugt sich gekünstelt wie eine Ballettratte, schwingt ihre spargeldünnen Ärmchen in ‚pas-de-deux Stellung’ und wartet.
Plärrend laut und scheppernd setzt plötzlich Musik ein, die, schon allein durch die ureigene Schwimmbad-Akustik in unendlicher Doppelung durch reflektierende Kachelwände entstanden Echoeffekte, frühestens nach der Hälfte der Darbietung erst erkennen lässt, dass es sich um ein klassisches Stück handelt. Dieser Musikeinsatz nun provoziert reflektorisch bei der Einzelsynchronschwimmerin eine kaum merkliche Bewegung. Sie hupft vom Beckenrand ins Wasser und ist weg. Untergetaucht. Sie bleibt abgetaucht und fast schon haben sich die Wellen verlaufen und die Wasseroberfläche sich geglättet, da taucht etwas auf. Beine. Mit durchgestreckten Füßen voran bohren sich diese Beine aus dem Wasser.
Nun kommt die Kür, die fast ausschließlich, wie eine Ente beim Essen sammeln, mit dem Kopf unter Wasser stattfindet. Die langen, ebenfalls spargeldünnen Beine ragen in anstrengend aussehender Verrenkung aus dem Wasser heraus und versuchen nicht nur eine grazile Bewegung durch kreuz und quer schwingen zu vollziehen, sowie in wechselseitig rasanten Drehungen ihre Extremitäten ein und abzuknicken, sondern lösen bei jedem unbedarften Besucher und Zuschauer einen unvermeidbaren Rettungsinstinkt wach, so dass man sie alle, fast körperlich schon rufen hört: „Mädchen, komm, nun hol doch endlich mal Luft.“ Die Tauchphase ist oft so lange, dass niemand daran glaubt, dass es ohne Unterwasserbeatmung durchführbar ist, was diese Synchronschwimmerinnen leisten. Ich kenne keinen, der es solange unter Wasser, ohne Luft nachzutanken, aushielte, besonders dann nicht, wenn er unentwegt zappelt. Bei mir zu Hause in der Badewanne schaffe ich es keine Minute lang unter Wasser zu bleiben und das bei völlig entspannter Badelage.
Die kakophone, echoverstärkte Musik läuft unerbittlich weiter und das arme Mädchen muss sich immer weiter abstrampeln. Plötzlich verstummt die Musik. Die Kacheln geben die restlichen, reflektierten Töne noch zaghaft abklingend wieder und genau mit diesem finalen Ton reißt die Einzelsynchronschwimmerin den Kopf aus dem Wasser, giert unendlich beherrscht nach Luft und setzt, während sie in einer Schlusspirouette den Spargel über den Kopf wirft, eine Lächeln auf, als ob sie so eben erfolgreich einen weiteren Abschnitt ihres einsamen Sexuallebens absolviert hat. Tosender Applaus soll nun die Schiedsrichter beeindrucken, die alles scharf beobachten haben, – weswegen sie noch lange nicht Scharfrichter genannt werden… - und nach den Höchstnoten greifen lassen.
Die Ente ist aufgetaucht und wer nun meint, sie watschelte völlig entkräftet aus der Schwimmhalle, der hat sich getäuscht. Mit der zweiten Luft, denn mehr hatte sie bisher nicht, stolziert sie nun im Zehenspitzengang und ballerinahafter Körperstreckung am Beckenrand entlang, als ob sie damit einen der strammen Turmspringer für den Abend aufwärmen wollte und das mit unvermindertem, wie fest gefrorenem Lächeln.
Der Wettkampf ist für diese Teilnehmerin des Einzelsynchronschwimmens zu Ende.
Nach der Leistungseinteilungsentscheidung, deren Begutachtungskriterien mir völlig schleierhaft sind, klappt das Klappergestell dann endlich doch noch auf Normalgröße zusammen und schlendert so, wie man es von einem normalen Menschen kennt, aus der Schwimmhalle heraus.
Doch bevor die Nächste, quasi die Zwillingsschwester auftritt, denn alle Einzelsynchronschwimmerinnen sehen gleich aus – fast gleich aus – stellt sich mir dringlicher den je die Frage, warum ertrinken diese Hungerstangen nicht und warum heißt es Einzelsynchronschwimmen? Müsste es nicht Einzelsynchrontauchen heißen oder gar Einzelsynchronextremtauchen? Denn das diese bulämiebetonte Sportart von jeder Akteuresse synchron war, sollte nicht die Frage sein. Schließlich gab es ja keine störende Einzelsynchron-mit-schwimmerin.
Doch so ist der Sport eben. Fair? Hauptsache Wettkampf, doch für welchen Preis?
© Kariologiker
Anrufversager
Veröffentlicht von kariologiker in Gedanken am 23. März 2013
Mein Beispiel für kölsches Monologisieren im neuen Kleid.