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Das mit den „Pfaffen“ – Relative Gedanken

Wie schnell wird aus der Verurteilung einzelner eine Vorverurteilung für alle? Dass sich die Kirche mit ihren aktuellen Entscheidungen zu den Vorfällen an kirchlich geführten Schulen kein Krönchen aufgesetzt hat, ist für den Leumund der vielen aktiven, ehrlichen und engagierten Mitarbeitern an der Basis eher ein Schlag ins Gesicht, als dass es etwas Positives für die Glaubwürdigkeit dieser Institution erreichen konnte.

Ich möchte hier einmal eine Lanze für die Priester und Pfarrer brechen, die nicht zu den Päderasten und Homosexuelle gehören, zumindest einmal versuchen das Gros der Pastoren und Priester aus einer anderen Sicht darzustellen, nämlich aus der Sicht ihrer Verpflichtungen und Arbeit.

Mittlerweile haben die amtlich verpflichteten Gottesdiener nun schlicht weg die Pest am Hintern. Denn wenn diese erst einmal medial einer Verunglimpfung anheim gefallen sind, egal ob sie wahr oder falsch ist, die über allen Geistlichen christlicher Konfession ausgesprochen worden ist, sind mit einem Mal alle gleich schlecht, haftet ihnen unisono ein modernes Stigma an.

Kennt man jedoch einige privat und erlebt ihren Alltag der mannigfaltigen Verpflichtungen, kommt man nicht umhin sie so zu behandeln, wie jeden x-beliebigen Bekannten auch. Dabei habe ich die Erfahrung gemacht, dass diese von der Führung des Klerus im Rom geforderten Einhaltung eines gottähnlichen Habitus – ähnlich dem der Ärzte – wenig halten und sie ganz privat und und auch meist öffentlich Menschen sind wie Du und Ich. In vielen Fällen sogar mehr als das, denn ihre aufopferungsvolle Arbeit macht aus ihnen schon etwas Besonders.

Wer die Aufgaben der hauptamtlich bestallten Geistlichen, und besonders jene auf dem Lande kennt, weiß, dass sie Tag und Nacht im Einsatz sind. Neben der allgemein bekannten Gottesdienstordnung – wie im Islam – müssen sie fünf mal am Tag eine Messe abhalten, haben sie jede Menge zu tun. Das mit der frühen Messe allein ist schon eine Herausforderung, der ich nicht standhalten würde. Von morgen um sechs bis nachts um zehn kann man sie in der Kirche zu den großen und kleinen Gottesdienstveranstaltungen antreffen. Zumindest in unserem Dorf. Zwischen den Messen nehmen die katholischen Pastoren ihren anvertrauten „Schäfchen“ die Beichte ab. Hinzu kommen Altersheime und Krankenhäuser, in denen sie neben der Seelsorge auch noch ortsgebundene Messen abhalten. Dazwischen sind Pastoren und Pfarrer in der privaten Seelsorge abrufbar, wo sie sich nicht nur die Sorgen der Menschen zuhause anhören, sondern ihnen eventuell die letzte Ölung geben oder die Pflegenden wieder mental aufbauen. Hinzu kommen Kindergottesdienste, und sei es nur einmal in der Woche, dass die Kinder in Kindergartenstärke die Kirche „überfallen“. Sie müssen Hochzeiten mit Würde für das junge Paar ausrichten – egal ob hetero- oder homosexuelle und zudem auf Beerdigungen den letzten Weg eines Gemeindemitglieds begleiten.

Die ehrenamtlichen, nicht kirchlichen Verpflichtungen, wie ihr Einsatz bei Feuerwehr (unser letzter Pfarrer hat sich wie ein Schneekönig über den Führerschein für Feuerwehrzüge gefreut), dem DRK oder in Vereinen möchte dabei nur am Rande erwähnen.

Neben all diesen Verpflichtungen müssen sie Predigten vorbereiten, Essen und Trinken und Schlafen. Und das alles in der zeitlichen Enge eines 24 Stunden-Tages. Wer würde das mit einem normalen, tarifgebunden Job in acht Stunden stemmen? Wo bleibt die Freizeit für den Pfarrer oder Pastor?

Ich bin gewiss das schlechteste Beispiel für den Befürworter der Institution katholische Kirche und wer mich kennt weiß, dass ich ein eingefleischter Agnostiker bin. Doch bei aller Kritik zum System Kirche und Religion möchte ich diesen Arbeitsaufwand einmal ins rechte Licht rücken und meinen ganzen Respekt für diese Menschen zollen. Denn neben der reinen Aufzählung ihrer vielen Aufgaben sollte man nicht vergessen, dass die Amtsträger im Zweifelsfalle von einer Beerdigungen zur einer Hochzeit hetzen, sich minutenschnell von einem Thema dem anderen wenden und widmen und jedem Fall individuell gerecht werden müssen. Man kann eben nicht die gleiche Rede und Rituale für alle Fälle aus Tasche ziehen, sondern muss sich Gedanken über den Verstorben machen und sich mit den Hinterbliebenen austauschen, sowie in vielen Vorgesprächen sich den zu Trauenden widmen. Nicht selten soll es vorkommen, dass der Geistliche von den Hochzeitsvorbereitungen zu einem Sterbefall gerufen wird. Da muss man nicht nur flexibel sein, dafür muss durch und durch Pfarrer sein.

Fasse ich diesen Arbeitsaufwand zusammen, frage ich mich nicht selten, wann Menschen mit dieser Profession noch Zeit für sittliche Entartung haben? Welche Pflicht kommt bei diesen Geistlichen dann zu kurz?

Dies soll einfach nur einmal ein Gedankenanstoß sein, der vielleicht wieder etwas mehr Verständnis für das verantwortungsvolle Amt eines aktiven „Pfaffen“ ist.

© Kariologiker

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