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”Wir sind mehr”

 

Sind wir das immer noch? Man hört so gar nichts mehr. Dabei hörte es sich so an, als ob ein Ruck durch die Gesellschaft gegangen sei und gab zeitweilig einer recht aussagelosen Floskel etwas Inhalt bis es zum Einhalt gekommen ist. Viele schmückten ihre Konterfeis in den Social Media mit einem Banner. Und jetzt? Sind wir endlich wieder normal oder haben wir schon vergessen, warum wir mehr sind? 

Gut, ich gebe es gerne zu, ich weiß gar nicht mehr warum wir mehr sein wollten oder es vielleicht immer noch sind. Jetzt sind wir jedenfalls nicht mehr mehr. Schon erstaunlich, was ein Herdentrieb so bewirken kann.

Nachdem mir dieser Gedanke gekommen war, wurde ich gleich umfassend aufgeklärt.

”Das war schon immer eine Totgeburt. Nach einer Demonstration in Chemnitz wollte man beweisen, dass man doch ausländerfreundlich ist. Was tat man dafür? Man organisierte keine Gegendemonstration, wäre zu blamabel gewesen, da allein auf der Bühne zu stehen, sondern veranstaltete ein Konzert unter dem Motto, fast schon Volksfest, zu dem dann natürlich 65000 Leute da waren und nannte das „Gegendemo“. Das war ein Streich, der der Schildbürger wert gewesen wäre. Chemnitz ist nicht mehr oder weniger fremdenfeindlich als jede andere Stadt in Deutschland auch. Die Menschen dort haben nur eine extrem harte Zeit hinter sich, da die ehemalige Hochburg des Maschinenbaus über Jahre ausblutete und sich nur langsam wieder erholte. Sie sind deshalb  reizbarer. Bestreite ich gar nicht. Wir SIND mehr, aber so lange wir es zulassen, dass sie uns aufeinanderhetzen, hat das keinerlei Vorteil. Und ja, ich bin Chemnitzerin und stolz drauf.”, schrieb Eike Handtrack mir.

Mir erschließt sich diese Haltung nicht, auch wenn ich diesen Einwand durchaus verstehe. Ich war mir stets genug. Ich war nie zu wenig und wollte – vielleicht – einmal mehr sein, als Musiker, aber nicht als Mensch. Doch wenn wir Menschen es nicht mehr verstehen, dass  die Umstände sich nicht immer ändern lassen und man sich damit arrangieren müssen, dann ist man natürlich auch nicht genug und muss mehr sein. Und was sind wir jetzt? Nachdem wir weniger waren und dann mehr, sind wir heute wieder im Lot. 

Und datt is jot!

Denkt

Kariologiker

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