Alles Breierlei

Früher hat Muddi morgens die Sachen rausgelegt, die der Junge an diesem Tag anziehen soll. Was haben wir uns immer gesträubt. ”Das soll ich anziehen? Nein, niemals.“ 

”Du ziehst das an, die anderen Sachen sind in der Wäsche und damit basta!” , war die lapidare, aber entschiedene Antwort, der man nichts zu entgehen wusste, denn so viele Anziehsachen hatten wir gar nicht. Sogar unsere Sporthosen und -hemden wurden nicht öfter gewaschen. ”Pass auf, dass Du Dich nicht einsaust, dann musst Du es selbst mit der Hand waschen”, mahnte Muttern immer. Und das taten wir auch.

Da komme ich auch gleich zum Waschen. Es wurde früher nicht jeden Tag gewaschen. Wir haben das, was uns Montags zum Anziehen herausgelegt worden ist bis zum Wochenende getragen. Sonntags gab es Sonntagskleidung und Montags erst wieder neue Wäsche. Nun hat die Werbung  es geschafft uns eine Scham zu suggerieren, wenn wir zweimal hintereinander das gleiche anziehen. Ebenso ist es ganz trendy, wenn man ein Waschmittel im Beutelchen mit Schwung in die Waschmaschine wirft. Bald gibt es bestimmt Wasch- … ähm … Geräte, die gar keinen Einschub mehr für Waschpulver haben. Bestimmt.

Waren wir früher begierig darauf uns endlich unsere eigenen Klamotten kaufen zu dürfen, ja, unseren eigenen Bekleidungs-Stil umzusetzen, so wird heute vom Sofa aus eingekauft. Online.

Was Muddi früher an Anziehsachen herausgelegt hat, wird heute von dem ”kleinen” Junge an Outfittery übergeben. Die Aufgabe ist die gleiche, nur bezahlt man heute dafür eben Geld, das angeblich keiner hat und zudem auch keine Zeit hat sich Kleidung im Geschäft kaufen zu gehen, weil er seine Zeit für‘s Geldverdienen braucht, also, Zeit drauf geht und natürlich für Partys. Die sind ja ganz wichtig. Und so kommt wöchentlich, quasi als Abo, so ein Paket ins Haus, in dem wieder eine gelernte Bäckereifachverkäuferin, die im Zweitjob Klamotten zusammenschmeißt, um sie irgendeinem Modemuffel zuzuschicken – alle Männer haben ja keine Ahnung von Mode (Frau M. Reinigungskraft aus München), der dann immer chic und trendy gekleidet, quasi uniform unter die Leute kommt, die, und das erstaunt, ja das gleiche tragen, wie man selbst. Da kann dann für das viele Geld auch mal ne kaputte Hose dabei sein. 

Mit dem Essen ist es kaum anders. Wer sich heute Convenience bestellt, das geschmacksneutral und labbrig aus der Schaumstoffbox gereicht wird, hat einen weltweit uniformen Geschmack bekommen, der in jedem All-Inclusive Hotel serviert wird.

Man sollte meinen, keinen interessiert es mehr wie etwas gekocht wird und warum gerade Kochen etwas kreatives hat. Dabei mühen sich Profis und Amateure ständig ab, uns im Fernsehen, mal ästhetisch, mal eher flapsig, die Kunst des Kochens nahe zu bringen. Es gibt schon Geschäfte, die ausschließlich Kochutensilien verkaufen. Erstaunlich, dass sie nicht schon längst pleite sind, bei der für beide Geschlechtern eigenen und üblichen Lieferando-Philosophie. 

Zugegeben, ich kann jetzt auch nicht so gut kochen, aber meine Frau ist auf dem Niveau eines  Sternekochs. Einzig diese Fine-dining Attitüde macht ihr gar keinen Spaß. Sie sagt immer: 

”Wenn jemand so viel fürs Auge tun muss, hat er bestimmt beim Geschmack etwas vergessen.” Zudem wird über das Gefummel drum-herum immer das Essen kalt. Und kaltes Essen mag eigentlich keiner.

Und genau diese Jungend wirft uns Alten jetzt vor, dass wir das Klima ”verkackt” haben und zeigt u.a. auf YouTube mit dem Finger auf uns, dass alle Erwachsene, und besonders die Politiker der CDU Lügner sind. Auf dem Weg zur FridayForFuture Demo wird zwischendurch bei McDonalds oder Burgerking mal eben schnell Fastfood konsumiert und dazu diese gesunde Cola aus Pappbechern mit Plastikdeckel und Plastikstrohhalm getrunken. Die Parolen sind alle genauso uniform, wie das Essen und die Kleidung und ich sehe schon, dass diese Jugend mit diesem Rüstzeug ganz bestimmt das Klima und damit die Welt retten wird.

Alles Breierlei, meint

Kariologiker

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  1. #1 von angelface am 23. Mai 2019 - 08:17

    “ Breierlei ist gut – formuliert denn das ist unter anderem auch Einheitsbrei, alles zusammengemischt ergibt auch – ein Ganzes – und alles lacht fröhlich und findet es „gut“. wie beispielsweise Resteessen, das vorzüglich schmecken kann, aber sch…aussieht weil keiner mehr weiß WAS eigentlich drin ist.
    Schon das neueste VIDEO in You Tube zur CDU gesehen und WARUM man „sie nicht wählen soll, wie auch die SPD natürlich und die AFD auch nicht obwohl sie sich in vielen Punkten einig und ähnlich sind.
    hm….darüber und über so vieles andere sollte man sich gedanken machen auch wenn sie hinterher wuschig sind..
    meint Angel und findet deine Ausführungen gut!!!!!!!!!!!!!!!!!

  2. #2 von kariologiker am 23. Mai 2019 - 09:23

    Danke, Engelschen,

    zu dem Youtuber Gequassel wäre ich ich noch gekommen. Er, wie alle Influenzer, haben den Part der Sendung mit der Maus übernommen. Nur etwas simpler, damit die hirnfreien Follower auch nur ja alles verstehen. Nicht verstehen muss man, warum dann so ein Mensch damit Geld verdient, aber schließlich bekommt die BILD ja auch Geld dafür, dass sie mit Halbgarem die Quote hält.
    Danke aber auch für die Zustimmung zu meinen Gedanken. Wenn man sich wirklich ums Kochen bemüht und nicht alles, aber wirklich alles im Internet bestellt, der wird sich irgendwann fragen, was man mit den Resten macht und vielleicht, wie Du und ich und viele unserer Generation, auf die Idee zu kommen daraus ein Resteessen zu basteln. So viel zum kreativen Kochen. Man muss dafür keine Babyaale in einer Hummersoße basteln.

    Ganz liebe Grüße
    Kariologiker

  3. #3 von angelface am 24. Mai 2019 - 06:08

    weisst du lieber Kario, gerade heute hab ich mir Gedanken darüber gemacht dass ich – eigentlich – würde ich mich nach den neuesten ERKENNTNISSEN verhalten wollen – den gesamten Inhalt meiner Küchenschrankvorräte entsorgen und wegschmeissen könnte – wenn ich Gäste bewirten müsste die bei jeder Nudel nachfragen:ob nicht doch ein Ei drin ist, oder ob das Brot nicht nur Dinkelmehl enthält, oder ob der reis wirklich und wahrhaftig auch bitte bitte ungeschält sein sollte….es ist :zum kotzen..sorry meine Ausdrucksweise: früher wurde gegessen was auf den Tisch kommt“ – und nicht alles hinterfragt, und immer bemerkt dass das was auf dem Tisch war.einfach nur gekocht lecker sei.
    Was ist die Welt und die menschen darin nur so unglaublich kompliziert geworden!!!Afrikanische, syrische kinder würden froh sein Pasta mit Ei essen zu können und sind nicht deswegen gesundheitsgefährdet sondern weil sie am Hungertod sterben…
    mei ich habs sooo satt!
    herzlichst Angelface

    • #4 von kariologiker am 24. Mai 2019 - 06:32

      Es ist wahrlich kompliziert geworden, Engelschen,
      und ich stimme Dir zu. Vielleicht liegt es daran, dass wir nicht mehr zufrieden sein wollen, mit nichts und allem, nicht mehr zufrieden sein können.
      Ist es nicht beschämend, dass Kinder schon meinen, sie könnten die Welt retten und das mit Mitteln, die nicht ein bisschen einen Ansatz auf Erfolg haben?
      Wir sorgen schon mit dem Resteessen dafür, dass weniger Essen im Müll landet. Das muss die Jugend erst noch wieder lernen. Aber wie, wenn man nicht kochen kann? Diese Mäkelfritzen und -tanten essen doch nur noch das, was ein Lieferdienst bringt. Was übrig bleibt landet im Müll.
      Ist die Konsequenz nicht eher, dass an den Schulen wieder kochen gelehrt wird? Aber dafür ist ja keine Zeit, denn Greta ruft jetzt schon zum Generalstreik auf. Wer wird wohl seine Butterbrotbox mitnehmen, wenn es an jeder Ecke Fastfoot gibt? Und bei diesem Angebot der Fastfoodketten fragt keiner, was da drin enthalten ist.
      Ich mache mir jetzt erst einmal ein Frühstücksei…
      Kariologiker

  4. #5 von angelface am 26. Mai 2019 - 06:22

    guten Appeteit“ zum Ei“chen – lieber Kario – hoffentlich hat`s dir zwischenzeitlich geschmeckt:-))
    du hast so recht…
    um uns herum – warum nur – sieht man oft unfröhliche gespannte Gesichter und ab und an ein unbefriedigtes „lachen“!* dass die Welt so bös geworden ist, selbst haben sie nichts dazu getan sie besser oder zumindest erträglicher zu machen..
    die Unzufriedenheit ist groß und größer geworden, die Unsicherheit was wir wirklich von dieser welt wollen – auch!
    Zufriedenheit kann man nur erreichen wenn man nicht ständig etwas will…höher-schneller – weiter – und nie ist es genug – diese Einstellung wird denen die ständig suchen noch einen Strich durch die .Endabrechnung machen – wetten?
    Wie lange haben wir denn diesen Planeten noch um ihn zu bewohnen?
    die verzweifelten Versuche einiger diese Welt und die Menschen in ihr zu erhalten, sind
    nicht genug.
    aber – Kopp hoch, wir machen alle weiter…jeder so, wie er kann…
    herzlichst Engelschen….

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