Akustischer Moment 

Ich habe vor einigen Tagen eine Hommage an die akustische Gitarre gelesen, von einem Musiker, der durch alle Genres gegangen ist und sehr respektvoll von seine Rückkehr zur akustischen Gitarre beschreibt und besonderes zu der mit Nylonsaiten bespannten.Als ich diese Zeilen las, kam ich nicht umhin, an meine Erfahrung mit all den elektronischen Hürden zu denken, die ich bei meinen kurzen Ausflügen in das Rockgenre gemacht habe. Vielleicht ist es eine Frage des Typs, aber ich war in dieser Zeit weniger mit Harmonien beschäftigt, als mehr mit den kleinen Rädchen und Schiebern, die es an den Verstärkern und Effektgeräten in solchen Mengen gibt, dass man sich ständig genötigt fühlt daran herum zu spielen, in der Hoffnung seinen Sound zu optimieren oder bekannte Sounds zu finden. Ich habe mich immer in diesem WirrWarr verirrt und bin stets weiter weg von dem gedriftet, was ich eigentlich wollte und weswegen ich mich dem elektronischen Überbau gewidmet hatte. Letztendlich habe ich es ganz gelassen und arbeite, wie in alten Zeiten mit sechs akustischen Saiten, in denen mich heute nur noch die Suche nach neuen harmonischen Gerüsten leitet.

Dann und wann legen sich heute die Finger auf die Saiten und es erklingen, ohne dass ich auch nur annähernd bewusst mache, neue Harmonien, wie ich sie wissend nicht gefunden hätte. Dann überraschen sie mich, die akustischen Momente.
© Kariologiker 

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  1. #1 von Jupp am 8. April 2017 - 08:18

    Lieber Kario,

    Du schreibst: „Dann und wann legen sich heute die Finger auf die Saiten und es erklingen, ohne dass ich auch nur annähernd bewusst mache, neue Harmonien, wie ich sie wissend nicht gefunden hätte.“ Mich erinnert das an das dictum von Picasso, das ich als Motto meinem jüngsten Buch vorangestellt habe. „Ich suche nicht, ich finde.“

    Herzliche Grüße
    Jupp

  2. #2 von kariologiker am 11. April 2017 - 08:37

    Danke, Jupp,

    ich stimme Dir und Picasso – oder umgekehrt – gerne zu. Alles, was man macht, ist ein endloses Suchen und ergo auch ein endloses Finden.

    Lieben Gruß
    Kariologiker

  3. #3 von sissi am 19. April 2017 - 13:32

    Manchmal ist das Einfache das Besondere.
    Diesem kann man sich dann mit ruhigem Gewissen widmen in der Erkenntnis, das Andere versucht zu haben.

    Liebe Grüße
    sissi

  4. #4 von kariologiker am 19. April 2017 - 15:56

    Ja, liebe Sissi,

    und auch wieder nein. Mir kommt es, wenn ich Dich richtig verstanden habe, eher so vor, dass das Einfache heute schwieriger geworden ist, weil es nicht dem Mainstream entspricht. Das Einfache zu finden ist für mich die große Herausforderung, zumindest in der Musik.

    Lieben Gruß
    Kariologiker

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