Träumer

Man hat ja vor lauter Träumen gar keine Zeit mehr zu schlafen. Die ganze Nacht muss man sich diese Geschichten über sich ergehen lassen, ob man will oder nicht. Dabei möchte ich gar nicht träumen. Es gab sogar eine Zeit, da habe ich gar nicht geträumt. Wenn ich nachts wach wurde, dann nur um pinkeln zu gehen. Als ich meinem Körper mit Granofink gedroht habe, hat dieser auf der Stelle damit aufgehört und wartet seitdem geduldig mit der Notdurft, bis es Morgen ist.
Letztens hat der Traum sich beschwert. Er könne nicht ständig sich für jeden Träumer neue Geschichten ausdenken, das wäre so anstrengend, dass er selbst ja gar nicht mehr zum Schlafen käme. Und bei mir wäre es besonders schwierig, da ich ja immer schreckliche komplizierte Träume haben wolle und entschuldigte sich gleichzeitig, dass ihm dann und wann der Faden verloren ginge und er mir dann Träume von einem anderen erzähle, die auch immer sehr verworren sind. Aber, so räumte er ein, es müsste mir eigentlich nicht auffallen, denn im Grunde genommen sind es ja fast die gleichen Geschichten.

Heute Morgen fragte er mich, ob ich denn zufrieden sei mit dem letzten Traum? Ich schüttelte nur den Kopf und sagte, wie kann man sich nur so einen Scheiß ausdenken, das wäre doch vollkommen unrealistisch. Ja, sagte er, die realistischen Träume, das wäre lange vorbei. Die habe er mir doch alle schon vor Jahrzehnten erzählt und außerdem könne er nur das erzählen, was ich ihm auftragen würde. Aber, erwiderte ich, ich hätte doch gar nichts gesagt und schon gar nichts mir gewünscht. Ja, sagte er, das sagen sie alle.
© Kariologiker

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  1. #1 von sissi am 18. April 2016 - 11:56

    Ich träume nie …. kenne ich, sage ich immer und doch scheinen Träume vorbeizuschweben, die auch mir den Nachtschlaf rauben.
    Wie trete ich in Kommunikation mit meinen Träumen? Im o.g. Text scheint es zu funktionieren.
    Beschissener Traum, denke ich, wenn du mich schon weckst, dann red gefälligst auch mit mir und lass mich wissen, was fürn Müll ich geträumt habe … muss Müll sein, denn Schönes würd ich ja sicher noch wissen am Morgen oder am Tag danach oder überhaupt.
    Ich denk, ich träum nie … ist besser so.

    Ein bissl hat der Text mich inspiriert und ich habe mal meine Gedanken fließen lassen.
    Auf einen guten Schlaf und das tief und traumlos … lächel
    sissi

    • #2 von kariologiker am 18. April 2016 - 13:31

      Ich freue mich immer, liebe Sissi,

      wenn meine Leser sich animiert fühlen meine Gedanken weiter zu spinnen. Ein untrügliches Zeichen dafür, dass meine Gedanken sich in anderen Köpfen auch eingenistet haben.
      Du darfst so lange meine Gedanken weiterspinnen, wie Du es möchtest.
      Ich bitte sogar darum.

      Herzlichst
      Kariologiker

  2. #3 von Jupp am 18. April 2016 - 19:29

    Drohung mit Granofink scheint wirksamer zu sein als die Märchen von S. Freud.

    Herzliche Grüße
    Jupp

  3. #4 von kariologiker am 20. April 2016 - 08:59

    Ja, lieber Jupp,

    was ich bei dem einen Problem recht einfach abstellen konnte, hat sich beim anderen verstärkt. Auch wenn ich an Freud so gar keine Freude habe, muss ich wohl damit leben von ihm weiterhin belästigt zu werden.

    Lieben Gruß
    Kariologiker

  4. #5 von angelface am 25. April 2016 - 06:52

    ich träum fast immer
    und das jede Nacht
    meist, oft, manchmal weiß ich*s noch wenn ich erwache
    dann versuche ich ihn festzuhalten
    was mir nicht gelingt, der Bube entschwindet kaum wach wieder
    und verflüchtigt sich
    nächtliche Träume so süss wie ein marzipansternchen oder so bitter wie saure Gurke
    oder
    so furchterweckend wenn
    von unterm Bett die blitzende Messerlinge hervorschimmert
    die mich murden will..
    lacht:))
    du inspirierst ungemein….
    zu schade, dass man so manchen Traum nicht weiterträumen kann weil einen irgendsoeinblödian aufweckt…:))

    • #6 von kariologiker am 25. April 2016 - 07:10

      Zu Träumen, leev Engelschen,

      habe ich eine klare Vorstellung. Leider nur ein physiologische. Theoretisch ist der Traum nur eine Verirrung der nervösen Entladungen durch Neurotransmitter, die eher ungezielt ausgeschüttet werden. Dass sie dabei aber in Schubladen rutschen, in denen wir unsere Erinnerungen speichern, ist so ungezielt wie überraschend, weil dort mitunter Emotionen aus einer Zeit liegen, in denen wir das Erlebte noch nicht kognitiv verarbeiten konnten.
      Und so werden wir uns weder gegen Träume wehren können, noch sie als Fortsetzungsfilm weiter träumen können.

      Lieben Gruß
      Kariologiker

  5. #7 von Jupp am 27. April 2016 - 08:06

    Lieber Kario,
    Du scheinst an die Nachtträume zu denken. Wie ist es mit den Tagträumen, den Träumen nach vorne? Sie sind bewusst, auch wenn die klassische Logik und die Vernunft weitgehend ausgeschaltet sind.

    Herzliche Grüße
    Jupp

  6. #8 von kariologiker am 1. Mai 2016 - 22:43

    Tja, Jupp,

    die meisten Tagträume sind wirklich dumme Träume, eher Wuschträume. Schäume und Seifenblasen, die eher platzen, als dass man den Traum zuende geträumt hat.

    Nein, Tagträume habe ich noch weniger, als Nachtträume.
    Mich verwundern die Träume der Nacht mehr, als ich es in einem Tagtraum projizieren kann…

    Verträumt
    Kariologiker

  7. #9 von bmh am 16. Juni 2016 - 18:17

    Realistische Träume? dann brauchten wir doch gar nicht zu träumen.
    Einen roten Faden durch das nächtliche Wirrwar suchen, finde ich spannend.

    Was habe ich mir alles vorgestellt, warum ich mich seinerzeit Straßenbahn fahrend mit Gorbatschow in reger Unterhaltung befand ;-).

    Spannend wird es dann, wenn ich morgens aufstehe und fertige Gedichte aufschreibe.

    Herzliche Grüße
    Barbara

  8. #10 von kariologiker am 17. Juni 2016 - 21:21

    Danke, Barbara,

    fürs Lesen und für Deine Gedanken. Ich finde meinen Text dazu gerade nicht, aber, es gibt Träume, die so real sind, dass sie gar nicht auffallen … alles, was wir mit Träumen verbinden und gleichsetzen, ist in der Regel das Irreale. Das Reale verarbeitet das Gehirn fast nebenbei … quasi „umsonst“.

    Lieben Gruß
    Kariologiker

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