Smoothie

Es lebe die englische Sprache, die englische Sprache lebt mit dem Benutzer.
Wir benutzen sie ganz ungefiltert und wir lassen uns vieles an englischen Begriffen aufdrängen, ob wir es wollen oder nicht. Besonders bewirft uns die Werbung, selbst wenn sie aus Deutschland kommt, mit englischen Begriffen, selbst dort, wo es dafür auch deutsche Ausdrücke gibt.
Dabei ist es vollkommen egal um welches Produkt es sch handelt. In der Musik habe ich noch etwas Verständnis, denn die meiste Musik auf dem Markt wird von englischsprachigen Musikern und Firmen produziert.
Ebenso mit dem IT Markt. Da die Erfindungen meist aus Amerika kommen, muss man sich mit diesem technischen Englisch eben abfinden.
Wenn mich etwas wirklich stört, dann sind es solche Produktnamen, die originär deutsch sind, aber aus Marketinggründen in englisch verkauft werden.
So heißt der Fruchtsaft, egal ob aus Früchten oder Gemüse, heute nicht mehr Fruchtsaft, sondern Smoothie.
Nun, wie so oft, ist Sprache auch im Englischen im Wandel und so wurde aus der ursprünglichen Bedeutung, „Lackaffe“, „aalglatter Bursche“ auch die Übersetzung „Charmeur“. Diese Begriffe passen zumindest irgendwie zusammen, aber wie kommt man mit der gleichen Übersetzung von Smoothie auf: „cremiges Getränk aus Obst und Milch oder Eis“?  [Übersetzung aus dict.cc]

Der oder das Smoothie, wie es heute in einem riesigem Angebot im Discounter jeden anschreit, der ganz unbedarft daran vorbei gehen will, ist ohne Milch oder Eis, er oder es ist einfach nur gekühlt.
Es sind, und da muss man nicht viel zu wissen, schlicht nur Gemüse- oder Fruchtsäfte, manchmal ein Mix aus verschieden Früchten oder Gemüsesorten oder beidem. Und es bleiben, egal was man da untereinander mischt, Frucht- oder Gemüsesäfte.
Ok, hießen sie einfach nur so, wie eben das, was sie vielleicht sind, also z.B. Bananen- oder Kartoffelsaft, man würde sie sehr wahrscheinlich weder beachten, geschweige denn kaufen. Aber wie vieles, wird erst durch eine Namengebung allein, die leider wenig schmeichelhaft ist und eher an Comicfiguren erinnert, irgendetwas zu etwas Essbarem, ein Produkt kaufanreizend. Und es wird gekauft, denn sonst würde sich kein Laden die Kosten leisten, die eine eigene Regalwand generiert. Ganz abgesehen von der zwingend notwendigen Gewinnoptimierung.

Kommen wir zu einem weiteren Aspekt. Fruchtsäfte gibt es schon ewig und mal ehrlich, wer trinkt regelmäßig Fruchtsäfte? Das ist doch etwas für Zahnlose. Ich esse noch immer lieber eine Frucht in ihrer gewachsenen Form, als nur ihren Saft zu trinken. Hin und wieder vielleicht einen Orangensaft oder einen Apfelsaft, ok, aber wenn, dann bevorzuge ich die Früchte der Saison.
Der oder das Smoothie aber scheint selbst eingefleischte Früchteesser und Gesundheitsbewusste so sehr zu gefallen, dass sie weg gehen, wie warme Semmel, wobei ich bezweifele, ob warme Semmel in diesem Zusammenhang noch Bestand haben. Doch was ist wirklich in diesen Smoothies enthalten, dass sie so einen reißenden Absatz finden? Es sind, wie immer, diese Aromastoffe. Künstliche Geschmacks- und Geruchsstoffe, wie sie in allen Fruchtmischung-Esswaren enthalten sind. Selbst die Pizza Hawai ist ohne diese künstlichen Geschmacksverstärker nicht mehr denkbar, denn jede Frucht schmeckt nach jeder Ernte und je nach Sorte anders, doch die Smoothies, Joghurts und Torten, die Pizzen, Gummibärchen oder Bonbons schmecken immer gleich. Das geht ohne Geschmacksverstärker und künstliche Aroma-Stoffe einfach nicht.

„Schmutzis“ haben den Charme von Actimel oder anderen Joghurtgetränken, die nur in der Werbebranche als gesund gepriesen werden, aber ansonsten so wertvoll sind wie jedes andere Mixgetränk. Denn sie sind einfach nur eine Trinkmilchjoghurt-Pampe ohne jede gesundheitsregulierende Wirkung.
Also, ich werde diesen, nicht selten abstoßend ausschauenden Saftmix nicht mehr trinken. Ein Versuch hat mir völlig gereicht, um mich wieder einmal komplett fassungslos zu machen.

© Kariologiker

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  1. #1 von Flo am 12. März 2016 - 14:56

    Genau das habe ich auch schon geschrieben. Es ist unfassbar, wie dödelig manche durch die Welt laufen und sich in den Mund schieben, was die Werbung so angeblich schmackofatzig besingt.
    Wer braucht denn noch Zähne, wir können doch von der Muttermilch gleich auf die Breisachen schwenken und dabei bleiben. Kauen ist doch genau so lästig wie laufen in frischer Luft.

    http://www.badische-zeitung.de/gesundheit-ernaehrung/hauptsache-pueriert-wie-gesund-sind-smoothies-wirklich–113017851.html

    Danke für das Aufgreifen
    LG Flo

  2. #2 von kariologiker am 12. März 2016 - 15:40

    Hallo Flo,

    danke für den Hinweis.
    Ich habe den Bericht sofort gelesen und das bestätigt bekommen, was ich in meinen Gedanken oben nicht wagte zu formulieren. Wie der Termomix, ist das Pürier-Gerät das Ziel dieses Trendsettings. Wir lassen uns ganz schön an dem Nasenring der Kaufwilligen durch die Arena ziehen.

    Erstaunlich ist dabei die Ignoranz zu Zähnen. Leider, und das ist sehr blauäugig in einem Untertitel kommentiert – „Kauen ist so gut Wie ein Turbomixer“ – ist Kauen viel mehr, als nur ein Zerkleinern von Nahrungsmittel. Und wenn das tatsächlich sich durchsetzt, dann werden wir bald unterdimensionierte Gesichter sehen. Allein die muskuläre Entwicklung der mimischen Muskulatur wird sich ganz so verändern, dass schon bald die warnenden Wissenschafler auf den Plan kommen und wieder postulieren: „A Apple a day, keeps the doctor away!“

    Danke für Lesen
    Kariologiker

  3. #3 von angelface am 12. März 2016 - 16:24

    autsch….* was fürzahnlose*!!° lieber Kario, ich mixe nur die abgelaufenen etwas dunkler gewordenen Bananen als Fruchtsaftgetränk mit Wasser statt Milch, frischen Äppeln und Zitronensaft pur, ansonsten käme mir nie ein smothie ins Haus, was dür ne dicke Pampe!!° die verbraucher wissen ja gar nicht mehr WAS sie sich alles hinter die Kiemen schieben, orfendlich kauen gibt so viel mehr her, es regt den Speichelfluß an, verstärkt die Geschmacksnerven und sorgt zudem einen Geschmack für die nützliche Säure zu empfinden damit man überhaupt noch merkt was man trinkt/isst.
    freut mich sehr, dass du das Thema zu deinem gemacht hast…
    meint dat Engelschen

  4. #4 von kariologiker am 12. März 2016 - 16:33

    Wie recht Du hast, Engelschen,

    und um Deine Ausführungen etwas zu präzisieren … die Zähne schützen vor zu harten Speisen, helfen maßgeblich beim Sprechen und stützen die Mimik.
    Ganz abgegsehen davon ist der Mund bestens ausgestattet, um jede Speise darauf zu untersuchen, ob sie giftig, zu heiß oder zu kalt und überhaupt essbar ist.

    Gegen einen Fruchtsaft habe ich nichts einzuwenden und ich hoffe, dass das deutlich geworden ist. Aber gegen diese Smoothies entwickele ich schon fast einen Allergie.

    Lieben Gruß
    Kariologiker

  5. #5 von Jupp am 15. März 2016 - 09:11

    1. Kaufe nichts, was in den Medien heftig beworben wird.
    2. Kaufe keine Markenware in den Regalen in Augen- und Griffhöhe. Sie ist überteuert, der Verbraucher bezahlt die Werbung, mit der er zugeschüttet wird.
    3. Kaufe no-name-Produkte aus den oberen oder bodennahen Regalen. Du bekommst dort ohne Qualitätsverlust gute Produkte zu vernünftigem Preis. Beispiel: Ich kaufe preiswertes Naturyoghurt aus dem oberen Regal. In es schnippele ich frisches Obst, im Sommer eine Nektarine, im Winter einen Apfel. Lecker und gesund. Jedenfalls besser als jede zubereitete und angereicherte Ware.

    Guten Apppetit!
    Jupp

    • #6 von kariologiker am 16. März 2016 - 08:33

      Lieber Jupp,

      unterschätze mein Einkaufsverhalten nicht. Ich kaufe immer so ein, und das wundert meine Frau immer, dass ich mit einem fast leeren Korb an die Kasse komme.
      Mich stößt fast alles ab. Dafür finde ich es regelmäßig interessant, mit welchen Marketing Tricks man mir etwas unterjubeln will.
      So auch diese Smootzies … und probiert habe ich es bei einem Bekannten.
      Lieben Gruß
      Kariologiker

  6. #7 von bmh am 16. März 2016 - 08:25

    Smoothies! Was für eine Arbeit, was für eine Vorbereitung … und der Abwasch danach! *grusel*

    • #8 von kariologiker am 16. März 2016 - 08:37

      Diese Schmuuuziiis selbst machen?
      Nä, da spiele ich lieber 10 Stunden am Stück Gitarre, Kontrabass, Klavier, Tenorhorn oder Triangel.*lach

      Herzlichen Dank für’s Lesen
      Kariologiker

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