Ein amerikanischer Weihnachtsmann


Es ist der 1. Weihnachtstag. Der Tag, an dem man sich in Amerika zu Weihnachten beschenkt. Nein, wo der Amerikaner sich schön amerikanisch beschenken lässt. Von einem echten Weihnachtsmann! Jawohl!

Dazu muss dieser Weihnachtsmann bei den amerikanischen Bürgern erst mal durch den Schornstein rutschen – und  danach bleibt immer alles sauber und adrett, ganz Amerika ist schon Hollywood, doch keiner merkt es.
 Der gemeine Amerikaner baut sich sehr wahrscheinlich ausschließlich für den Weihnachtsmann einen Kamin in sein Wohnzimmer, damit Weihnachten nur ja nichts schief gehen kann. Der Kamin wird bestimmt in seinem ganzen Leben für nicht anderes benutzt, als für den Weihnachtsmann, sonst wäre der Weihnachtsmann ja hinterher immer schwarz und das ginge ja auf keinen Fall. Vielleicht lila, ausnahmsweise. Aber Schwarz wäre ja genau das, was die Erfinder nicht wollten. Einen Schornsteinfeger.


Warum ist der Weihnachtsmann eigentlich nicht das Maskottchen von den Schornsteinfegern geworden? Weil der original Weihnachtsmann ja auch kein Weihnachtsmann ist, sondern ’ne Witzfigur. Ehrlich! Wenn man sich den mal ein bisschen genauer anschaut, dann sieht man ein verschwitztes Lächeln in seinem Gesicht. Oder? Der sieht doch immer so ein bisschen danach aus, als ob er nicht ganz zurechnungsfähig wäre und die freundliche Zuneigung den Kindern gegenüber scheint mir nur gespielt, ganz so, wie wir es eben von Hollywood nicht anders kennen.

Und wer hat’s erfunden? Nein, nicht die Schweizer, sondern Coca-Cola. 

Genauer gesagt hat diesen Weihnachtsmann ein Schwede erfunden, also gemalt. Erfunden haben ihn die Werbefritzen von Coca-Cola, zumindest den, der in Amerika von Haus zu Haus durch alle Kamine rutscht und in allen Schaufensterauslagen sitzt und brav: „Hoh, hoh, hooohhh“ sagt, aber das erwähnte ich ja bereits. Woher ich das weiß? Nun, er hat es uns selbst gesagt. Der Schwede, also der Maler von diesem Weihnachtsmann. Doch wer mir nicht glaubt…


Der beste Beweis für die schwedische Urheberschaft ist das Ren -Tier. Der Nordamerikaner hat in der Regel keine Ren -Tiere, sondern dort leben die Karibus. Genauso, wie es am Nordpol keine Pinguine gibt, gibt es in Amerika keine Rentiere, auch wenn sie im Wesen sehr verwandt sind. Die gibt es nur und sogar ausschließlich in Skandinavien. Und weil die Amerikaner alles lustig finden und sogar ein Murmeltier zur Wettervorhersage nutzen, haben die Amerikaner jetzt ein exemplarisches Rentier Rudolf genannt. Und weil der Name Rudolf für ein Rentier – oder für Amerikaner oder gar beidem – nicht witzig genug ist, hat er eine rote Nase bekommen. Und Rudolf ist ein Rentier und nicht etwa ein Karibu mit einer roten Nase.

Schon wegen des anheimelnden Liedes, dass eher einer Weihnachtshymne gleichkommt, in dem eben diese eine Rentier Hauptdarsteller ist, kann Rudolf niemals ein ernsthaftes Zugpferd für den Aladinschlitten des Weihnachtsmannes werden. 
Und dieser Rudolf ist ja auch eine richtig ‚Dumme Nuss‘ und für jeden Ulk zu haben. Eine schenkelklopfende Lachnummern, diese Rentiere, oder? 
Doch warum wohl hat gerade Rudolf eine rote Nase? Eine rote Säufernase für ein Rentier? Diese Nase muss Rudolf tragen, weil der Weihnachtsmann es nicht darf! Auch wenn er so aussieht, wie ein „alter Schwede“. Schließlich hauen sich die Schweden – besonders die Weihnachtsmänner aus Schweden – wo sie gehen und stehen den Alkohol in den Kopf. Das machte ich schließlich auch, wenn’s mir so kalt wäre. Und in Skandinavien kann es ja empfindlich kalt werden. Na, ja, wenn’s hilft…


Also der Weihnachtsmann, den wir so gerne unseren Kindern zeigen … bravo Coca-Cola … ist in Wirklichkeit ein schwedischer Suffkopp. (Sorry, Haddon Sundblom – so heißt der Maler. A.d.R.) 
Habt ihr mal den Maler, also, den Erfinder von dem Weihnachtsmann gesehen? Der Weihnachtsmann sieht wie ’ne Karikatur seines Zeichners aus. Der Maler hat sich sicher selbst zum Vorbild genommen, denn wie wir wissen, leben die Menschen in Schweden, wie überhaupt in ganz Skandinavien – außer in den Großstätten – weit auseinander und da hat der Maler bestimmt in Ermangelung eines passenden Modells einfach in den Spiegel geschaut und wird sich wohl gesagt haben, ‚den nehme ich, bevor ich gar nichts zu Papier bringe‘. 
Das Ergebnis dieses Schweden ist heute schon so etabliert, dass wir uns schon gar keinen anderen Weihnachtsmann mehr vorstellen können. 


Und da sage einer noch, Werbung funktioniere nicht.

 



© Kariologiker

Advertisements

, , , , , , , , , , , , ,

  1. #1 von Dr.Ulrike Lupi-Fuß am 6. Dezember 2014 - 10:29

    Ein schöner Essay über ein Thema, das uns alle angeht… (Mich regt es geradezu auf.)
    Endlich verstehen wir die kulturellen Einflüsse, die aus old Europe über den großen Teich schwappten; und mir wird insbesondere klar, weshalb die Amerikaner mit Schwarzen ein Problem haben, denn sie versuchen mit allen Tricks, den Weihnachtsmann weiss zu halten. Schornsteinfeger und rote Nasen sind aber doch eher ein Accessoire für die Tage zwischen den Jahren, wenn er Weihnachtsmann ausgedient hat.

  2. #2 von kariologiker am 6. Dezember 2014 - 12:27

    Das, liebe Ulrike,

    hat mich schon lange gewundert. Eine rote Pappnase ist eben auch in Amerika ein Attribut des Frohsinns. Doch was die Amerikaner daraus machen, ist schon lange nicht mehr zum Lachen.
    (Wie fast alles, was aus diesem Land nach Europa zurückschwappt!)

    Nachdenklich
    Kariologiker

  3. #3 von Josef Rengaw am 6. Dezember 2014 - 14:16

    Lieber Kario,

    auch im englisch-sprachlichen Raum ist der Weihnachtsmann – gleich unserem Nikolaus – zu einem Maskottchen der Verkaufsförderung verkommen. Die rot5e Pappnase gehört zur aufgesetzten Fröhlichkeit, Konsum soll Spaß machen.

    Herzliche Grüße
    Jupp

  4. #4 von Christine Singh am 17. September 2016 - 11:57

    Soweit ich mich erinnere, bist du ein paar Jahre jünger als ich und das Rentier war damals schon in Amerika etabliert. Da ich aber genau weiß, wie hochsensibel junge Mütter sind, (war ja schließlich auch mal eine), könnte ich mir gut vorstellen, wie niedlich deine Mutter eben dieses Rentier gefunden haben muss. Der Osterhase ist zwar auch süß, aber „Milka“ hätte dann doch nicht ganz gepasst.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s

%d Bloggern gefällt das: