Zu Ehren genadelt

 

Ein untrügliches Zeichen dafür, dass man alt wird, ist die Überreichung von Ehrennadeln. Ich habe so eine Ehrennadel für eine 25 jährige Mitgliedschaft nun schon zum zweiten Mal überreicht bekommen. Das Grauen vor solchen Ehrungen, die in meinen Augen ohne jede Aussage sind außer, dass man schon so lange bei einem Verein ist, hat mich davor zurück schrecken lassen, sie persönlich in Empfang zu nehmen und so wurde mir die letzte ehrenvolle Nadel mit einem noch ehrenvolleren Schreiben per Post zugesandt. – An dem Besäufnis allerdings, dass zu Ehren der Ehrennadelträger bei dem nächsten standespolitischen Abend gegeben wird, werde ich natürlich persönlich mein Päckchen abholen … keine Frage.

Der Text der Urkunde, die immer zu einer solchen Ehrennadel dazu gehört, entspricht nicht annähernd dem, was ich aktiv in den Verein eingebracht habe. Das gilt sowohl für die berufspolitische Vereinigung, als auch für den Schützenverein, dessen Ehrennadel mir letztes Jahr schon zuteil wurde. Mit stolz geschwollenen Worten gleiten diese Ehrenurkunden für Ehrennadelträger in Sphären der Ode ab, die wahrlich an etwas anderes denken lassen, als dass man nur Mitglied ist. So ist es nur verwunderlich, dass es solche Ehrennadeln überhaupt gibt und festigen wohl einzig die Daseinsberechtigung für einen Ehrennadelnvergabebeauftragten. Für mich haben solche Ehrungen nur einen praktischen Sinn. Sehen und gesehen werden. Unter allen Würdenträgern der standespolitisch Geehrten, sind nicht nur, rein zufällig, viele Gutachter, sondern auch Neider, genau jene, die einem nicht das Schwarze unter dem Fingernagel gönnen und die sich rein taktisch etwas zurück nehmen, wenn man in der selben Liga spielt.

So nehme ich die Ehre gerne entgegen, schon aus dem profanen Grund, für die Jahrzehnte der Beitragszahlungen mal ein Freibier zu bekommen. Das werde ich genießen und mir dazu einen guten Zwirn überziehen um mit dieser Show maßlos über ein Ziel hinaus zu schießen, das sowieso niemand glaubt. Denn den Möchtegern kehrt jeder dieser Ehrwürdigen gerne heraus und so uniformiere ich mich dazu und denke mir meinen Teil – wenn mir die mentale Erweiterung mittels eines Obergärischen nicht wieder einen Strich durch die Rechnung macht.

Bei der letzten Einladung ging es derart gediegen zu, dass ich einen zerbrochenen Sessel am nächsten Morgen in meinem Zimmer vor fand und dabei war ich mir sicher, dass ich nur 5 Bier getrunken habe. Ganz sicher. Nein, es waren bestimmt nicht mehr. Bestimmt nicht. Ganz bestimmt nicht. Mensch, was wird das für eine Ehre. Ich bin schon jetzt ganz ergriffen. Das merkt man doch sofort, nicht wahr?

Obwohl es mir widerstrebt, mein Jackett mit derartigen Nutzlosigkeiten zu zerstechen, werde ich diese gute Stück anstecken. Und da bleibt es dann auch, bis das Jackett verschrottet wird. Ob wohl, ich habe mir schon überlegt, ob es ein netter Streich ist, den Verein zu verklagen, wegen eines Lochs in meinem besten Jackett? Oder? Vielleicht hört dann der Blödsinn endlich mal auf.

© Kariologiker

 

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  1. #1 von Josef Rengaw am 18. April 2014 - 13:59

    Lieber KIario,

    es wäe interessant, einen Essay zu schreiben: „Zum Wesen des Vereinswesens“. Oder eine satirische Erzählung: „Präsident Hannes, Opfer seiner Saufleber“.

    „Der Verein“ ist wahrscheinlich der häufigste vorgeschobene Grund für ein Besäufnis, wenn man saufen will.

    Herzliche Grüße
    Jupp

  2. #2 von sissi am 21. April 2014 - 09:34

    Es gibt Menschen, die tragen diese Nadeln mit Stolz und Würde… ja, ich kenne da einen Feuerwehrmann, der auf unendlich viele Jahre zurückblicken kann, sein ganzes Leben gerne diesem Verein angehörte und der diese Nadel trägt.
    Habe ich nicht auch eine…. nein, sie ist verloren gegangen. Ehrenamt ist eine schöne Sache, ich bin gerne dabei, doch damit hat es sich auch schon.
    Sicher wird ordentlich getrunken, doch die Gemeinschaft finde ich auch wichtig. Oute ich mich da gerade…lach.
    Nee, ich finde Vereinsmeierei und Saufgelage schrecklich.
    Auf jeden Fall ist dir hier eine klasse Satire gelungen und ich nehme es mit Humor, denn Ausnahmen bestätigen die Regel. Immer schön sauber bleiben und das mit dem Loch ….. ich würds in Rechnung stellen. Geht doch net, dass man sich dat Sakko kaputt macht mit so nem unnützen Dingen.
    Heuer ist noch frei und ich hoffe, du hast die freien Tage genussvoll genutzt.

    Lieben Gruss sissi

  3. #3 von angelface am 26. April 2014 - 08:20

    dat jute Jacket vis zur Unkenntlichkeit zerstechen NUR damit andere sehen dat man eine Ehrenrunde hinter sich hat – geht garrr nicht! Man kann auch anders ehren, :)) und die Ehre hast du sicher verdient lieber Kario – naja, wenn schon, dann trage sie wenigstens mit stolz geschwellter Brust und erhobenem Haupte.
    hab dich leider zu deinem anderenh EHRENTAG nicht erreicht um dir zu gratulieren, versichere dir aber, mein Gedanke ging zu dir…!
    ich dachte mir, es ist Frühling und er joggt nun um den See um sich’s Hirn auszulüften…stimmts?….

  4. #4 von kariologiker am 27. April 2014 - 07:46

    Ja, ja, so ist datt mt den Ehren.

    Dabei jibbet weiß Jott noch besser Methoden. Nur die blöxen Ehrennadeln sehen immer alle gleich aus. Ehre und Nadel. Und die Nadel ist datt längste Teil an der Ehrennadel. Der Nüssel, der anderen sacht wofür Du geehrt wurdest, is esu klein … da musste ad mit ner Lupe janz nah ran jehen…

    Z.B. Fußballverein. Ich spiele gar keinen Fußball und ich habe auch überhaupt kein Interesse daran, aber ich habe von den ne bronzene und ne silbere bekommen.

    Warum bekomme ich eigentlich keine Krone?

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