Kaugummi

Ich benutze regelmäßig Zahnpflegekaugummis. In meiner Profession betrachte ich mich als Vorkauer dieses Naschwerks und bin mir natürlich darüber im Klaren, dass Informationssuchende eine klare Aussage darüber haben wollen, was es denn mit dem Kaugummi auf sich hat.

Ganz vordergründig fällt mir immer wieder auf, wie schnell diese Kaumasse meinen Mund verlassen möchte, wenn ich diesen einmal selbst kaue. Aber nicht, in dem ich ihn mit dem Herunterschlucken einfach verschwinden lasse, sondern ich muss ihn ausspucken. Mir ist diese zähe Masse schon nach ein oder zwei Minuten derart zuwider, dass ich ihn, so schnell es irgendwie geht, entfernen muss. Ich muss einen Kaugummi immer ausspucken. Etwas anderes kommt nicht in Betracht. Aber warum?

Diese Tatsache führte mich schließlich zu der Betrachtung, warum man einen Kaugummi gar nicht oder nur sehr schwer herunterschlucken kann oder möchte. Oder etwas dynamischer gefragt: Wieso schluckt er sich eigentlich nicht selbst runter? Also rein reflektorisch? Dazu sind mir zwei Recherchewege über den Weg gekommen, die ich genau studiert habe und trotz aller Details mir nicht den Hauch einer Erklärung lieferte.

Betrachtet man die „Plaste und Elaste“ aus pharmakologischer Sicht, kauen wir schlicht und wenig ergreifend auf Erdöl herum. Das Polyisobotylen ist ein Produkt der Petroindustrie und scheint schier unzerstörbar. Egal, wie lange man diesen undynamischen Klumpen auch mit den Zähnen bearbeitet, er wird weder weniger, noch ändert sich die Bearbeitbarkeit. Vielleicht haben wir noch unbekannte Rezeptoren, die sich denken: „Oh, ein Kaugummi“, oder besser: „Oh, ein Polyisobutylen, den (oder das) schlucken wir besser mal nicht hinunter, sondern speicheln ihn lieber noch etwas ein. (Und für kölsche Mägen der Zusatz: „… mer weiß et jo nit?“)

Aus der anatomischen Sicht bin ich jedes Mal erstaunt, dass alles, was ich esse ohne jeden erkennbaren Grund plötzlich heruntergeschlungen wird. Dabei gebe ich mir schon alle erdenkliche Mühe, den Schluckakt genau in dem Moment zu erwischen, wenn der Reflex einsetzt. Vergeblich. Ich erwische ihn nicht. Das kann niemand. Der Nutritionsreflex lässt sich nicht in die Karten schauen.

Will man auch nur einen Bissen vom ersten Moment an verfolgen, ab den man ihn in den Mund schiebt bis zum Wegflutschen in den Rachen, stolpern wir sehr wahrscheinlich über genau den selben und bekommt ihn dann als Dank für den Forschergeist auch noch in den falschen Hals – falls man denn einen hat. Ich habe immer nur meinen eigenen Hals und wenn etwas falsch verläuft, dann, dass der Speisebolus in die Luftröhre gelangt. Dort kommt er jedoch meist nicht weit, denn unter heftigem Niesen wird er sofort wieder dahin befördert, wo er her gekommen ist, bis auf eine Ausnahme. Manchmal kommt man eben vom Regen in die Traufe, wie eine andere, viel schönere Floskel sehr illustriert eine Unglückskette beschreibt und der Bissen, eine Nuss oder wie in meinem Fall der Kaugummi landet in der Nase. Von hinten in die Nase. Dann sitzt die weich geknetete Masse in den harten Falten der respiratorischen Anteile der Nase und das birgt ein Erlebnis, an dessen Eruptionen selbst weit entfernt wohnende Nachbarn Anteil haben werden. Aber soweit kommt es zum Glück selten.

Der Kaugummi wurde mittlerweile von allen Süßwarenherstellern als das Geschäft schlechthin entdeckt. Und das nur, weil die Firma Wrigles es geschafft hat, das Marketing auf eine Ebene zu bringen, die allen, die schon immer Kaugummi gekaut haben suggeriert, dass er gesund ist. Und weil die Gesundheit heute alles sanktioniert, was auch nur im Entferntesten den Anschein erweckt, man könne seinen Körper damit gesund erhalten, greifen heute mehr Menschen denn je zu den Kaugummis.

Zahnpflegekaugummis haben heute schon eine eigenartige Logik. Nimmt man nach dem Essen einen solchen Kaugummi in den Mund, dann ist er nach weniger als einer Minute schon ausgekaut und damit auch der pflegende Aspekt vorbei. Dann ist die Masse weich geknetet, der Geschmack weg und mit ihm die Pflegzusätze, die ihn so wertvoll machen sollen, dass man schon scheltende Blicke bekommt, wenn man ihn nicht benutzt.

Statt weiterhin die Zahnhartsubstanz zu pflegen oder zu schützen, machen sich die Milliarden Bakterien nun bereit, diese Kaumasse als Vehikel zu benutzen, um endlich mal in die andere Ecke des Mundes zu kommen, in dem bestimmt viel mehr los ist, als dort, wo man gerade verweilt. Das ist dann gar nicht so verschieden von den Bedient-werden-Verhalten derer, die ihn ununterbrochen kneten. Da sind alle, da ist etwas los. Man trifft neue Freunde, erobert neue Pfründe und wird endlich mal wieder satt. Denn was sich so zwischen den Zähnen an Essen sammelt, macht dieser Kaugummi niemals weg. Im Gegenteil, er arbeitet alles weiter in die unerreichbaren Tiefen und Nischen des Brutkasten Mund (feucht, dunkel und 37°C in Schatten) und bringt der Wirtsbewohner stets im Schlepptau mit.

Das alles würde dafür sprechen, dass wir nach nur kurzer Zeit den Kaugummi runterschlucken. Doch wir schaffen es nicht. Der Amerikaner hat es mit diesem Kaugummi geschafft, dass wir etwas kauend bearbeiten, was eigentlich als unnatürlich gelten muss. Und jetzt ist Schluss.

Nur eins noch. Meine Mutter hat mir, als ich noch sehr klein war, immer gesagt: „Schluck den Kaugummi nicht runter, sonst verklebt Dein Magen.“ Wenn die gewusst hätte? Und somit wirft dieses Produkt der Petrochemie eine weitere Frage auf. Was passiert in unserem Verdauungstrakt mit den ollen, Bakterien beladenen Kaugummis?

© Kariologiker

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  1. #1 von sissi am 24. Januar 2013 - 07:29

    Eine interessante Betrachtung…lach.

    Erinnern, wann ich den letzten Kaugummi gekaut habe, kann ich mich nicht.
    Als Kind liebte ich Kaugummiautomaten und deren Inhalt, doch das ist lange her.
    Ich halte es da wie der Autor… verirrt sich mal ein Kaugummi in meinemMund, möchte ich ihn binnen kurzem wieder los werden.

    Gruss sissi

  2. #2 von kariologiker am 24. Januar 2013 - 19:52

    Merci vielmals, liebe Sissi,

    hinter jedem Produkt steckt ein Geheimnis, meist ein gemeines. In diesem Fall habe ich die Recherche für mich selbst schon mehr als spannend empfunden und natürlich sind mir plötzlich viele Fragen in den Kopf geschossen.

    Lieben Gruß
    Kariologiker

  3. #3 von Dr. Ulrike Lupi-Fuß am 29. Januar 2013 - 14:28

    Der letzte Kaugummi, der mir untergekommen ist, klebte an meiner Schuhsohle, weil ein lieber Zeitgenossen ihn spuckend auf die Straße katapultiert hatte. Ich verteilte den Ekelbrocken nichtsahnend auf dem Fußbodenbelag meines Autos; und konnte trotz eines gewissen Klebeeffekts, der sich vor allem nachher beim Versuch des Entfernens des Kaugummis bemerkbar machte, im aktuellen Fall eine Vollbremsung hinbekommen.
    Nun eine Frage an den Fachmann: Hat aber nicht auch die Anregung zum Kauen – und damit Benutzen der Zähne und der Kiefermuskulatur – einen gewissen Gesundsheitseffekt? Mit fällt dazuhin auf: Der nervöse Mensch kaut intensiver.

  4. #4 von kariologiker am 29. Januar 2013 - 15:50

    Es gibt tatsächlich DEN gesunden Aspekt beim ZahnPFLEGEkaugummi, liebe Ulrike,

    aber der währt eben – nach Aktivität des Speichels bemessen – nicht viel länger als ca. eine Minute. Weitere negative Effekte sind Bruxismus – wegen der verstärkten Masseter bei Dauerkauer und hoher Speichelfluss.

    Lieben Gruß
    Kariologiker

  5. #5 von Angelface am 1. Februar 2013 - 18:30

    iiihh…wußte ich’s doch!!!!!
    na dann….
    einfüllen, hineinschieben nicht bis tief in den Rachen, nur vordergründig und nur 1 knappe Minute kauen um einen frischen Pfefferminz oder weiß der Deibel Gechmack im Mund zu haben falls die Zahnbürste mal nicht gleich bereit ist oder man unterwegs gern ein wenig FRische tanken möchte,
    ansonsten ist der K a u g u m m i diese ominöse Substanz die nach wenigen minuten geradezu eckelig schmeckt – für mich Tabu!
    super Thema ich bin noch schlauer als vorher!..lacht…

  6. #6 von Martina am 8. Februar 2013 - 22:40

    Wahrscheinlich bin ich der Albtraum aller Kaugummihersteller und möglicherweise auch der Zahnärzte, aber ich lehne Zahnpflegekaugummis generell ab. Wie komm ich denn dazu, diesen wunderbaren Geschmack eines erstklassigen Steaks, eines erlesenen Desserts oder eine der vielen anderen herrlichen Köstlichkeiten direkt nach dem Essen aus meinem Mund zu verbannen? Erst recht nicht, wenn ich womöglich für teures Geld im Restaurant war. So lange wie möglich, möchte ich diesen Genuss in Erinnerung bzw. im Mund behalten. Und normale Kaugummis, nein Danke. In jungen Jahren gab zwar auch ich mich diesem Kauen hin, aber nachdem eines dieser Gummiteile die mühselige Arbeit eines Zahnarztes zunichte machte, lasse ich es lieber bleiben. Denn ich spuckte nämlich nicht nur den Kaugummi aus, sondern eine Füllung gleich mit.
    Liebe Grüße
    Martina

  7. #7 von Winnie am 10. Februar 2013 - 08:31

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  8. #8 von kariologiker am 12. Februar 2013 - 17:15

    Liebe Martina,

    Deine Beispiel-ldeen sind auch bei mir nicht selten ein Grund mich der Pflege eines solchen Kaugummis zu entziehen. Wenn man bedenkt, dass z.B eine wirklich gute Schokolade einen „Abgang“ (so erfuhr ich es im Schokoladenmuseum, Köln) von mindestens 20 Minuten haben soll, der Pflegezusatz in den Kaugummis aber gerade mal fünf Minuten wirkt, müssen wir uns in diesen Fällen für eine Abstinenz alle Geschmacksvernichter nach den gustatorischen Highlights unseres Lebens nicht mehr erklären, warum nach einem guten Essen diese „Kauzahnbürste“ gar keinen Sinn macht. (Prinzipiell aber wirken sie nach jedem Essen gleich – und übertünchen all noch so feinen Genüsse mit ihrem brutalen Menthol/Pfefferminzzusatz)

    In einer große Metastudie hat man allerdings – neben praktischen Studien und Statistiken – feststellen können, dass es bei bewusstem und kontinuierlichem Einsatz dieser Polyisobutilene tatsächlich es eine Hilfe und Erweiterung zu den mechanischen Mundpflegeartikeln darstellt. Doch wie so oft, hat die Medaille auch eine Kehrseite.

    Der „Plombenziehefekt“ wird auch durch noch so geschickte Zusätze nicht im geringsten vermindert, doch sollten moderne Restaurationstechniken in Deinem Mund eingebracht worden sein, darf auch nach dem x-ten Kaugummi diese nicht beschädigt werden können. Dann ist etwas falsch gelaufen…

    Lieben Gruß von einem verständnisvollem
    Kariologiker

  9. #9 von kariologiker am 12. Februar 2013 - 17:26

    Dear Winnie,

    thanks for your wunderful greatings. My statings are simply the result of my life. Good reflektions generate such Idears and so it’s only the way to wright about and it implicate the best honor for me, if people like to read it, than I’m happy.

    Best regards
    Kariologiker

    PS It’s not my way to wright in english. Sorry about to all my mistakes.

  10. #10 von Karla am 5. Oktober 2013 - 16:48

    Was für ein miserabel recherchierter, sinnloser, unlogischer und blöder Text. Die Zeit bekomme ich nie mehr zurück… :(

    • #11 von kariologiker am 8. Oktober 2013 - 16:50

      Aber, Aber … Karla…

      kann ich Dir sonst wie die Zeit stehlen?

      Kariologiker

  11. #12 von Jan am 16. November 2015 - 14:00

    Nun muss ich als Vertreter der Kaugummi produzierenden Zunft auch mal zu Wort melden. Alleine berufsbedingt und wegen des nahezu unausschöpflichen Nachschubs an Wrigley Produkten, kaue ich beinahe täglich Kaugummi. In der Regel bleibt es dabei nicht bei einem pro Tag. Einen negativen Effekt auf meinen Kauapparat habe ich dabei noch nicht feststellen können, wenngleich ich heute morgen noch in der Praxis vom Kariologiker war um mir an eben diesem rumbohren zu lassen. Der pflegende Aspekt von zuckerfreien Kaugummis beschränkt sich im wesentlichen auf den gesteigerten Speichelfluss, was wiederum für eine Regulierung des PH Werts im Mind sorgt. Ich selber genieße auch gerne den Geschmack eines saftigen Steaks oder einer guten Schokolade, bin aber auch froh, wenn ich nach dem Genuss die Spuren mit Hilfe von Kaugummi und viel Spucke beseitigen kann (die Schokolade mal ausgenommen:-)).

    Was den Schluckreflex angeht, so glaube ich schon, dass unser Unterbewusstsein sich im Klaren darüber ist, dass es im Moment des Kaugummikauens einen nicht zu verdauenden Gegenstand bearbeitet. Kaut man auf sehnigen Fleisch, schluckt man es ja auch nicht mit Vergnügen oder unbewusst runter.

    Schöne Grüße
    Jan

    • #13 von kariologiker am 18. November 2015 - 22:56

      Hallo Jan,

      dass ich Dich hier treffe, oder umgekehrt, dass wundert mich jetzt sehr. Aber andererseits ist es ja fast unausweichlich, dass ein Fachmann der Firma Wrigleys irgendwann auf den Artikel hat stoßen müssen und wenn ich es mir so recht überlege, weißt Du auch ganz bestimmt, wer hinter dem Artikel steckt.

      Danke für den sehr informativen Kommentar und natürlich ist meine Artikel mehr eine Humoreske als ein erst zu nehmender wissenschaftlicher Beitrag. Dafür steht diese Seite. Und auch, wenn ich sie zur Zeit eher weniger bediene, so kommt irgendwann dann wieder ein Schub und es werden neue Themen bedient werden.

      Einen ganz herzliches Dankeschön und lieben Gruß
      Kariologiker

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