Die Kraft der Worte


Kennt jemand die Stille eines Wortes,
das stundenlang assoziativ
durch die Gyri und Sulci unseres Hirns zieht
und es durchsucht?

In sich potenzierende Farben,
die Worte prospektiv malen
und in neuen Formen
neu Gestalt annehmen?


Formen und Farben, die es nicht gibt,
weil sie, ultrakurzen impressionistischen Skizzen gleich,
uns ständig aufs Neue,
in nicht enden wollende Variationen feil geboten werden.

Nur, um ein einziges nebulöses Bild zu projizieren
und uns paralysierend versucht zu beschreiben,
dass nur unsere Sprache allein eine Kraft besitzt,
die wenigen, zerbrechlichen Fragmente
bis an eine taube Außenwelt zu transportieren,
um schließlich nach allem Schweiß und Mühen
im Sediment der Agonie einer Trieb gesteuerten Kreatur zu degenerieren.

Kennt ihr die Worte, die Eure Lippen nie verlassen,
weil sie in dem Augenblick verblassen,
den Ihr als den einzigen Moment erkannt habt
und der jedes Mal hämisch lächelnd Euch den Spiegel vorhält?

Kennt Ihr die Kraft,
die Euch ermattet in die Kissen sinken lässt,
weil sie Euch die Sinne raubt,
weil sie Euch gefangen hält?

Kennt Ihr sie,
die Kraft der Worte?

© Kariologiker

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  1. #1 von sissi am 12. April 2012 - 09:39

    Kraft der Worte… mitunter fällt es mir schwer, die richtigen Worte zu finden.
    Schreiben, sich richtig ausdrücken kann zur Sucht werden. Ist der Akku leer, werden Worte leere Hüllen, verstecken sich in Hirnwindungen. Ihr Drängen an die Außenwelt…. unmöglich….
    Dein Text verwirrt mich, schickt mich auf die Suche….
    Liegt es daran, dass mir die Worte ausgegangen sind?

  2. #2 von kariologiker am 12. April 2012 - 09:54

    Nein, Sissi,

    daran, dass Dir die Worte ausgegangen sind, liegt es sicher nicht. Aber dass es Worte gibt, die so schnell-lebig sind, dass man sie nur ganz flüchtig erhaschen wird, kurz bevor sie die Farbe ud Form wechseln…

  3. #3 von Miriam Schaffner am 20. April 2012 - 18:07

    Ich kenne sie nicht, die Kraft der Worte.
    Aber manchmal erahne ich sie und dann machen sie mir Angst.
    Zum Beispiel wenn ich die Worte des Anders Andreas Breiwick lese, die nun in sämtlichen Massenmedien feilgeboten werden.
    Mir graut vor der Macht der Worte, wenn ich das lese.

    Aber vielleicht ist Kraft und Macht nicht ein und dasselbe?

    Ich hoffe es

  4. #4 von angelface am 16. April 2016 - 09:14

    wer die Kraft der Worte nie gespürt
    gefühlt
    gelesen und verinnerlicht hat
    wird sie auch nicht erkennen
    wenn sie direkt vorm Fuß liegen
    er wird sie
    achtlos zertreten
    darüber hinwegtreten
    in der Luft zerfetzt sehen
    aber nie erkennen was sie bedeuten
    Worte die bessere Waffe als jedes gewehr
    das nur sinnlos spuckt

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