Alte Schuhe

Alte Schuhe trage ich am liebsten. Ich weiß nicht so recht warum. Sie drücken weniger, mein Fuß hat sich vielleicht schon in das Leder eingearbeitet oder das Leder sich dem Fuß angepasst.

Die ursprüngliche Form ist meist nicht mehr ganz zu erkennen, dafür sind sie etwas individualisiert, auch sieht es nicht immer vorteilhaft aus, aber ich trage sie gerne und natürlich so lange, bis sie endgültig ausgelatscht sind.

Mal reißt ein Schnürriemen, mal geht eine Naht auf und doch versuche ich immer wieder sie noch mal repariert zu bekommen. Ein alter Schuster werkelt z.B. an einem paar Sandalen, die ich mir vor über 10 Jahren gekauft habe, immer wieder erfolgreich herum und ich freue mich jedes Mal, wenn er es wieder und besonders noch mal und ganz besonders, wenn er es gut gemacht hat. Runderneuerung wäre ein treffendes Wort, wenn es sich auf Reifen bezöge.


Ich bin halt so ein Typ. Aus einem konservativen Holz geschnitzt und meist skeptisch gegenüber dem neumodischen Bekleidungs-Schnick-Schnack. Zudem ist es sehr anstrengend und zeitraubend, sich durch Schuhgeschäfte zu kämpfen, in denen Fachverkäufer als einzige Verkaufsanimation und ausreichende Fachinformation drei ganz stereotype Sätze von sich geben können müssen.

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1.“Die machen einen schlanken Fuß“

2.“Die werden gerne genommen.“

3.“Brauchen Sie ein Pflegemittel dazu?“

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Ob überhaupt jemand von denen weiß, was ein Derbyschnitt ist? Wenn ich es mir so recht überlege, kenne ich mich bald besser in Schuhen aus, die Fachverkäufer schlechthin. Na, ja…

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Typen werden oft auch anders eingeschätzt. Als die ewig Gestrigen, als jene, die nie das Maul halten und besonders unbeliebt sind die, die sich immer wieder und oft zum Leidwesen anderer, mit einer Sache ernsthaft und intensiv beschäftigen. So bin ich eben und eben auch wieder nicht. Der Mittelweg ist sicher pragmatischer als die ewige Konfrontation und so bleibe ich lieber bei den alten Schuhen, weil sie so einfach zu handhaben sind.


Dann gibt es wiederum Menschen, die immer neue Schuhe haben wollen. Oder die alten in die Ecke stellen, weil sie unbequem sind. Das sind eben keine Typen.
Internetschwadroniker, die Typen von Typen nicht unterscheiden wollen, sind eben keine Typen. Als Folge der „mittelhochdeutschen Lautverschiebung“ sei noch angemerkt, dass eine Type ein Buchstabe auf einem Holzblöckchen ist, den man mit mehreren zusammen in der alten Druckkunst zu einem Satz zusammen setzte, welches sich dann erst setzen musste, um es dann überhaupt erst drucken zu können. Deswegen kümmerte es mich nur wenig, dass die Bezeichnung Typ mal wieder falsch angewandt wurde.


Doch bleiben wir beim Typen. Für mich hat diese Bezeichnung immer noch etwas positives und so wird es auch bleiben. Ich liebe meine alten Schuhe und ich werde weiter diesem Typus gerecht werden.
Nun haben Typen, die darin etwas Negatives sehen nur selten die Möglichkeit, daraus auch etwas zu lernen. Schade.


Ich liebe meine Schuhe.


© Kariologiker

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  1. #1 von sissi am 25. März 2012 - 08:45

    Füße haben es gerne bequem und ich auch.
    Du bist nicht allein auf dieser Welt, denn auch ich liebe meine Schuhe. Neulich war ich beim Schuster und sagte: noch einmal eine neue Sohle für meine Pumps… dieses Mal wird wohl das letzte mal sein.
    Ich hatte das gleiche Sprüchlein schon einmal aufgesagt. Es gibt viele letzte Male, wenn ich an meine Schuhe denke :-))

  2. #2 von Dr. Ulrike Lupi-Fuß am 27. März 2012 - 09:08

    Gut, dass Du Deinen Füßen die Konfrontation mit neuen Schuhen, die mit den von Dir (und mir) so geliebten Standardsätzen angeboten werden, ersparst – sie würden Hornhäute und Auswüchse dagegensetzen, die Zehen würden zu Hämmern.
    Gut, dass Du Deinen Kopf und Dein Herz für die Konfrontation einsetzst: Die brauchen all Deine Energie, und wir Deine konfrontativen Gedanken.

  3. #3 von angelface am 31. März 2012 - 21:52

    siehst du ..
    nö….hörst du mein Schmunzeln dass beim lesen deines Beitrag mir um die Mundwinkel spielte?:..
    du bringst es doch immer wieder fertig, solch Themen in die Welt und damit zum exra einen längeren Gedanken daran zu entlocken…ach, was wollt ich damit sagen?…ach ja…
    ich liebe meine Schuhe!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!! da kann ich nur 100% beipflichten,
    nicht die neuen, hab im Übrigen keine, sondern selbstverständlich nur schon „eingelaufene – bequeme man könnt sie auch schöne Latschen in leder nennen –
    tja..-, wer ist denn auch so blöd und zieht (wofür auch!) NEUE Schuhe an, die man erst mühselig einlaufen muss, und die es doch nie schaffen, so zum Lieblingsschuh zu werden wie der lange eingelatschte der sich wie eine 2.Haut an die Füßerl anschmiegt

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