Musik, Text – Beides ein Instrument?

Text und Musik

oder

Text gleich Musik?

Die Besonderheit vieler Deiner Texte, Kariologiker, liegt nicht nur in Deiner herausragend feinen Beobachtungsgabe und der oft lakonischen, meist humoristischen Ausdrucksweise, mit der Du immer treffsicher abschlägst und punktgenau einlochst, sondern vor allem anderen an der Musikalität Deiner Sprache.

Der Jazzer und frei improvisierende Gitarrist in Dir bahnt sich mittels Deiner Diktion einen (zusätzlichen) Weg nach außen. Dein Kopf und/oder Herz müssten sonst wahrscheinlich platzen bei dieser Anzahl von Ideen und Eingebungen.
Die angestaute Kreativität muss einfach raus, egal welches Ventil sie dabei nutzt, wie jener berühmte Affe, der uns alle gelegentlich juckt.

Da nun die Musik Dein eigentliches Steckenpferd und Deine besondere Berufung ist, singst und musizierst Du einfach mittels Deiner Sprache, wenn gerade kein geeignetes Instrument (und das ist bei Dir schwierig) zur Verfügung steht. Die wohlgesetzten Worte klingen immer dynamisch, die darin mitschwingenden Harmonien klingen regelmäßig nach.

Es ist wirklich interessant, wie sehr man Deiner Sprach- und Ausdrucksweise den Jazzmusiker anmerkt. So enthalten sämtliche Deiner Texte unerwartete Rhythmen- oder Wechsel der Tempi. Die "Brüche" in Deinen Erzählungen wirken dann wie Taktsprünge - als Leser meint man, fast wie in einem Lied, zu hören, wenn Du das Tempo der Erzählung einmal plötzlich anziehst, dann wieder maximal entschleunigst. Und immer finden sich mehrere Stimmen in Deinen Texten, sogar ein Basso Continuo liest man deutlich heraus, der dunkelrote Faden, der - kaum sichtbar - doch alles zusammenhält mit seiner tiefen Harmonie.

Besonders angetan aber haben es mir Deine "blue notes", diese leisen, jazzigen Zwischentöne, die Deinen Texten eine ungeheure Tiefe geben. Der jeweilige Handlungsstrang Deiner Schriften ist ohnehin bereits mehrschichtig angelegt, durch die Verwendung emotionaler Klangbilder und "schräger" Töne werden sie dann noch zusätzlich aufgefächert. Einfach wunderbar...

Diese "blauen" Töne zwischen den Tönen, die sonst nur im Blues und Jazz bekannt sind, jenen Genres, denen gemeinhin attestiert wird, die emotionalsten aller Musikarten zu sein, lassen Deine Texte immer genau an der Grenze zwischen dur und moll pendeln. Jede Erzählung eine Gradwanderung der Gefühle. Die Musik eines traurigen Clowns geschrieben mit den Worten der Poesie.

Jetzt wo ich ihn kennen lernen durfte, den Musiker und engagierten Arzt und erfahren durfte, woher der Autor diese Energien schöpft, jetzt erst weiß ich diese vollkommen harmonischen Dissonanzen und leisen Crescendos wirklich zu deuten.

Deine Texte sind pure Musik, voller unerwarteter Harmonien und gewaltiger Akkorde, mal vielstimmig wie der Kanon, mal einstimmig für den rheinischen Monologisten. Und manchmal - nur ganz selten - komponierst Du einen Text als "Pas de deux".

© Ge.Sa.-Voir


Musikschreibender

Hatte ich schon erwähnt, dass ich eigentlich Musiker bin? Ja, ich komponiere sogar Musik und spiele sie auch, auf mehreren Instrumenten sogar.

Ja, und warum schreiben sie dann?

Nun, es ist sicher seltsam, aber immer wenn ich schreibe, fällt mir ein, was ich komponieren möchte und kaum dass ich komponiere oder z.B. Klavier spiele, müsste ich sofort an die Tasten des Rechners und noch spielend zu schreiben, was ich schreibend noch gedacht habe spielen zu müssen.“

Sie spielen also um zu schreiben und ebenso schreiben sie um zu spielen?“

So könnte man es nennen.“

Warum schreiben Sie denn nicht einfach während sie ein Musikstück hören, also sich eine CD oder Schallplatte auflegen?“

Das ist unmöglich. Jedes Musikstück, das mir gefällt, nötigt mich analytisch zu hören und dabei erkenne ich nicht selten, dass ein Grundgerüst eines früheren Meisters missbraucht wurde, ja, abgekupfert wurde. Dann muss ich unwillkürlich darüber nachdenken und verliere den Faden zu dem, was ich gerade schreibe, weil ich dann spielend nachfühlen möchte, was der Komponist vielleicht meinte.“

Also wäre es am besten, sie würden nur Musikkritiker werden und schrieben über das, was sie wissen?“

Ja, das wäre logisch, aber wenn ich dies wiederum genau betrachte, dann müsste ich große Abstriche machen, weil ich nicht gerne Musik höre und deswegen auch selten Musik als gut befinde, die populär ist.“

Und wie ist es bei den alten Meistern?“

Alte Meister sind mein Vorbild. Sie stellen für mich die Wahrheit in der Musik dar. Obwohl ich erkennen muss, dass auch sie sich nicht frei davon sind, sich eines Älteren zu bedienen und den Zuhörer versuchen in die Irre zu führen, indem sie nur den Rhythmus und vielleicht die Melodie etwas verändern.“

Dann sind sie sicher der Meinung, dass es nichts mehr zu komponieren gibt und alles, was heute an Musik auf dem Markt ist, schon komponiert worden ist?“

Ja, genauso, wie ich der Meinung bin, dass es nichts neues mehr zu schreiben gibt, weil alle Themen schon geschrieben oder beschrieben wurden. Und das ist schließlich wohl auch der Grund, warum ich stets ans Schreiben denke, wenn ich spiele. Denn das Spiel der Gedanken benutzt kein bestimmtes Medium und weil diese Gedanken mit der Vielfalt des Ausdrucks arbeiten und dieser Eindruck immer wechselt, bin ich immer auf dem Sprung vom Schreibgerät zum Spielgerät und umgekehrt.“

Haben sie den schon mal etwas komponiert?“

Natürlich! Einen Liedtext von einer Liedmaschine, die von einer Gitarre begleitet wird, mit der man einen Text schreibt.“

Ahhh, ha!“

© Kariologiker

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  1. #1 von silberperlen am 21. März 2012 - 15:55

    Toll Verbindung – kario-logiker!

    Herz und Verstand – „Pas de deux“.
    Was für ein Tanz!

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