Überfüllte Leere

Es gibt Bücher, die die Welt nicht braucht. Besonders ein Buch mit ausschließlich leeren Seiten, ein Notizbuch, z.B., das nur dann Sinn zu machen scheint, wenn man es wirklich für Notizen braucht. Was aber, wenn man keine Notizen macht – wer nimmt von leeren Seiten Notiz?

Leere Seiten ohne Bestimmung sind jedoch nicht selten in vielerlei Hinsicht mahnend, nötigend, drohend, zum Verzweifeln, hemmend, auffordernd animierend, assoziativ und ganz selten, manchmal vielleicht einfach nur leer. Doch letzteres nur in den aller seltensten Fällen.

Wie oft steht schon etwas auf diesen Seiten, die nur ein Betrachter zu lesen weiß und genau deswegen es ihm schwer fällt, das was imaginär schon geschrieben steht noch einmal zu schreiben? Ist es das was wir nicht sagen können, nicht sagen wollen, nicht sagen dürfen? Viele Seiten lang.

Was steht schon auf diesen leeren Seiten, wartend auf den Gierigen, das aufzuschreibend sichtbar werden zu lassen, was scheinbar längst dieses Blatt Papier ziert? Sind leere Seiten eine Einladung? Ganz unpersönlich und wirklich wertfrei? Warum wirkt es dann für so vielen Menschen bedrohlich?

Ist es die Magie des Nichts? Der Leere? Die geballte Kraft mit der wir uns explosionsgleich artikulieren können und das nach Lust und Laune und ohne jegliche Begrenztheit?

Doch warum hemmen sie mit der gleichen Kraft, diese leeren Seiten genau so, wie sie einladend wirken sollen?

Was passiert mit der Leere, wenn sie voll ist? Wird sie Bestand haben unter all dem Vollen oder ist sie nun überfüllt?

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© Kariologiker

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  1. #1 von silberperlen am 18. März 2012 - 14:22

    Interessant Deine Assoziationen und die spielerische Herangehensweise an die “Leere” und das “Nichts” *schmunzel*

  2. #2 von kariologiker am 18. März 2012 - 17:09

    Danke Barbara,

    für diesen netten Kommentar, in dem das für mich besonders lobend wirkende Wort „spielerisch“ ist.

    Wenn ein Text schon nach dem Schreiben den „Tisch zerbricht“, auf dem er geschrieben wurde, war er m.E. zu schwer.
    „Schwere Texte“ versteht kaum noch jemand zu lesen, zumindest werden es scheinbar immer weniger.

    Lieben Gruß
    Kariologiker

  3. #3 von Darkandcheesy am 19. März 2012 - 01:25

    Mich hemmt die Leere eines Blattes genauso wie der Anblick des Lecker-Alete-Breis – nichts will mehr gehen. Leere Blätter müssen beschrieben werden, mit Gedanken für mich, für andere. Aber manches Mal will es nicht gelingen, ich habe lieber schon etwas auf dem Blatt stehen, deshalb verwende ich Schmierzettel für Ideen und Gedanken auch immer bis zur Unkenntlichkeit!

  4. #4 von Claus Karst am 19. März 2012 - 09:58

    Dieser Gedanke, Kario, ist überaus nach-denkenswert und grandios formuliert, wie es selbst berühmtere Schriftsteller/-innen nicht besser machen könnten. Ich bin beeindruckt.
    Gruß, Claus

  5. #5 von angel am 17. November 2013 - 13:28

    ich sinne deinen Worten nach die hier schon länger geschrieben stehen! MÄRZ 2013 – „° da war ich noch lädiert und mit meinem Umzug/Umbruch beschäftigt, also alles andere als LEEre in mir! – °L e e r e – diese Leere – Schreiber kennen sie, viele erschreckt sie – manche wollen sie mit Nichtsnutzigem füllen damit die Worte Gestalt annehmen, sind die Worte – manche Worte dazu da andere zu animieren selbst etwas dazu zu sagen…? ich sehe ein Blatt an und je nachdem was mich eben bewegt sprudeln Worte aus meinem Bauchund finden den Weg aufs Papier, – heraus, aus mir – manchmal aber bleibt das Blatt auch kalt!

  6. #6 von kariologiker am 17. November 2013 - 21:25

    Danke, Angel (meinst Du wirklich das Sportgerät für Fischer? *hüstl)

    Danke für Deine Reflektion, denn wie Du es richtig gesagt hast, Leere kennen mehr Menschen als Fülle.

    Lieben Grüße
    Kariologiker

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