Solo Rotzpiefist

oder

Der erste, kölsche Rotzpief-Solist

Nun, man kann es wirklich keinem übel nehmen, wenn sich nicht jeder sofort etwas unter diesem Begriff vorstellen kann. Schließlich ist es eine noch recht unbekannte, ja, fast unscheinbare Rarität aus dem großen Potential einer, sich in Quantensprüngen aufbauenden Entwicklung oder Verfeinerung von Erfindungen, die einmal die Welt bewegen wird.

Wer wusste bis vor kurzem denn schon was Parcouring ist? Hüppe över Mauern, Geländern, Zäunen und städtischen Hindernis-Accessoires, wie z. B. diese Poller, eine immer noch omnipräsente Phalluisierung, die meist Innenstädten ziert, aber mehr und mehr auch Vor- und Kleinstädte schmückt, jene, in keiner westlichen Großstadt wegzudenkenden kleinen Poller, die eigentlich nur als Hilfsmittel dazu dienen sollen  kleine Areale oder Gehwege so abzugrenzen, dass man seinem Verkehrsmittel schon einen erheblichen Schaden zufügt, wenn man sie ignoriert. Doch leider, und darauf hat mich eine Frau aufmerksam gemacht, sind diese Poller immer mit der Assoziation eines Penis verbunden. Stark in der Verankerung und am „luftigen“ Ende nicht selten Fetisch artig anzüglich abgerundet und zudem meist Hardcore mäßig mit Ketten verziert.

Heute stört es weder jemanden, noch sieht man es, ja, man will es nicht sehen, denn man muss ja auch mit kleinen Kindern an diesen, meist wie aus dem Nichts auftauchenden Hindernissen vorbeigehen können ohne sich jedes Mal erklären zu müssen. Und diese Sportler, die sich diesem Parcouring verschrieben haben, üben darüber zu springen, z. B. im Bocksprung.

Nun gut, so will ich jetzt aber wieder zum Thema zurückkehren und von einem, relativ betrachtet, sehr jungen Instrument sprechen, das unter meiner intensiven Bewerbung bald für Furore sorgen wird. Es wird sicher so weit kommen, dass bei DSDS nicht die beste Sing-Stimme gesucht werden wird, sondern im Kontest DSDSR (Deutschland-Sucht-Den-Solo-Rotzpiefist) der beste Solo-Rotzpiefist.

Im allgemeinen Sprachgebrauch nennen viele dieses Instrument noch Nasenflöte, aber mal ehrlich, wer will schon mit einem lächerlichen Kinderspielzeug sich einen Namen in der immer schräger werdenden Musikindustrie machen?

So darf man mich gerne nach dem Funktionsprinzip dieses ungewöhnlichen Tonerzeugungskonstrukts fragen.

Datt iss’e so:

Der Luftstrom, der ausschließlich aus der Nase kommend über das Instrument zur Stimmlitze geführt wird, ist immer etwas „feucht“ und so kann man nun durchaus auch den etwas euphemistischen Neologismus nachvollziehen, denn das rheinische Wort für Flöte ist „Pief“ und was die Feuchtigkeitsform der Nasenaustrittsluft betrifft … da möchte ich mich lieber etwas zurückhalten, denn jeder Jeck is anders. Oder: jeder Solo-Piefist hat da seine spezifischen, individuellen Eigenheiten, deren Ausführungen, wenn auch rein spekulativ, ins Intime gehen. Ein bisschen Respekt wollen wir hier schon walten lassen, nicht wahr?

Mit dieser, nun etwas verständlicheren Darstellung der Funktionsweise erklärt sich aber noch nicht, wie man aus dem unten abgebildeten Instrument einen Ton heraus bekommt, den man, auch ohne sich bei DSDS das Gehör geschädigt zu haben, leicht als einen, fast schon orchestralen Melodie-Ton wahrnehmen kann. Ja, das ist schon etwas schwieriger und alle Geheimnisse gehören nicht in die Öffentlichkeit, denn sonst wäre ja bald jeder Solo-Rotzpiefist. Und das wollen wir doch auch nicht, oder?

Vielleicht sollte ich noch schnell erwähnen, dass mir der Ruf vorauseilt, der erste Solo-Rotzpifist für J. S. Bach – z.B Baderini – und für L.v.Beethovens Mondschweinsonate  zu sein.

© Kariologiker

Und hier ist sie: Ming Rotzpief – im eingespielten Zustand, quasi schon veredelt.

Rotzpief

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  1. #1 von Angelface am 4. März 2012 - 11:05

    oh….ich kann komentieren! wie schön…..also scheint dein Häkchen versetzen und /oder weglassen doch von ERfolg gekrönt zu sein, ich danke dir für deine Bemühungen….
    ein schöner, typischer im Kariologikerstil geprägter Beitrag der mich im Ausdruck schmunzeln ließ….und
    nun bin ich wieder um ein Eckelchen schlauer! lacht….das Angelface

  2. #2 von sissi am 4. März 2012 - 11:06

    :-))
    Lieber Kario…. in Erwartung eines kleinen Konzertes als erster Kölner Rotzpiefist wünsche ich mir das Wiegenlied von Brahms. Sollte ich dabei einschlafen, dann hättest du den ersten PiefistenOskar verdient.
    Aber du gibst ja Bach und Beethoven der Vorzug…. schade,schade… grins…
    dann wird dat wohl nix.
    Auf was für Ideen du auch immer kommst, sach ma, deine Kreativtät kennt keine Grenzen…
    Nun grins ich mir ein und danke für den Lacher am Morgen.
    Herrlich schräg.

  3. #3 von kariologiker am 5. März 2012 - 14:22

    Ob Brahms vielleicht mit dem Wiegenlied mein Repertoire erweitern würde? Ja, warum nicht, Sissi … dann muss ich mir das Arrangement vorknöpfen und … mer weiß et jo nitt.
    Danke Für Deinen Kommentar, Sissi

    Ja, Engelschen,
    wenn ich etwas schreibe, dann eben nur so. Wer sonst würde später glauben wollen, dass es ein Text von mir ist.
    Danke für Deine Bestätigung, Engelschen

    Ein lieben Gruß an Euch beide, Sissi und Angelface
    Kariologiker

  4. #4 von anner griem am 5. April 2012 - 13:05

    dett iss mal wieder ein typischer kariologigelinger, wie ich ihn mag (und weit wesch vom schuschikühlschrank in the morningtime -you remember?-). erst konnte ich ja mit dem ….piefist nix anfangen, aber dann ging dem kleinen hessen(ge)hirn ein teichlicht auf und es erinnert sich wage (komme irgendwie aus den tiefsten tiefen der grauen masse), desses rotzpiefisten auch bei einigen ozeanischen und südamerikanischen völkern gab/ gibt; die haben unterschiedlichste formen.

    die intonierung der mondscheinsonate kann ich mir lebhaft vorstellen, insbesondere die tönigen grunzlaute als begleitende basslinie wirken da sehr naturnah.

    einzig das papiertaschentuchhalteloch vermisse ich an deinem instrument: watt machste, wenns dir inne näse kitzelt und, sagen wir mal, sich beide nasenöffnungen einem duecento nähern?

    danke für den krzweiligen moment, anner

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