Kuriose Präsentation

  Eines Abends haben zwei meiner Musikerfreunde und Mitglieder der „Schwarzmeerflotte“ ihre eigene CD Präsentation mit ihrer eigenen Band gegeben. Die Paul Fels Combo – oft fälschlicherweise als Faulpelz Combo bezeichnet – stellten sich und ihre Musik vor. In einem kleinen Theater in Köln, im „Eifelturm“. Ein skurriler Name, denn das Theater ist in einem Kellergeschoss und nur weil es sich in der Eifelstraße befindet, heißt es eben so. Dort passten ca. 80 Leute rein, es waren etwa 60 da.
Die Combo besteht seit zwanzig Jahren und heute eben haben sie die gesammelten Werke aus der Schublade geholt und auf eine CD gepresst.

So skurril wie der Name des Theaters, ist die Gründung der Band. Eines Tages begegnete Ludwig, der Bassist, Trompeter, Sänger und Hornist, Georg, dem Gitarristen, „Akkordeonist“ und Sänger, sich auf der Straße. Ludwig hatte seinen roten Kontrabass dabei, der genauso weiße Streifen hatte , wie das Akkordeon von Georg. Ob Ludwig nicht Lust hätte, mit ihm Musik zu machen, fragte Georg Ludwig und begründete dies nur damit, dass sie beide fast die gleichen weiße Streifen auf ihren Instrumenten hätten .

In den Jahren haben viele Musiker mitgespielt, die auch alle zu dieser Präsentation dabei waren und verteilt über den Abend, sich am Programm mit kleinen Einsätzen beteiligt haben.
Eine Cellistin gesellt sich nach freundlicher Aufforderung auf die Bühne zu den anderen Musikern, als ein Herr (!) im Kaschmirmantel und Hut, sich aus dem Auditorium erhob und nach vorne zur Bühne ging, den Hut abnahm und sich vor der Cellistin verbeugte.
„Wie kennen uns doch“, sagte er, auf die Cellistin zugehend und ihr die Hand reichend, „schön sie wieder zu sehen“ und mit einer kleinen Drehung zum Bandleader schauend, „Guten Abend Georg.“ und zum Publikum gedreht, „Das ist Georg.“

Das Publikum saß sehr stumm und doch ein wenig zwischen Zweifel und Begeisterung, sich fragend, ob das nun live sei. Eine Performance vielleicht?
Georg, die Klingentaler Quetschkommode aus unserer „flotten“ Band und Bandgründer der Paul Fels Combo, entschärfte ganz gelassen die Situation und grüßte unengagiert zurück, worauf der Herr sich wieder auf seinen Platz setzte. Eine Szene, die sich so abspielte, als wäre sie eingeprobt worden.
Kurz danach war dieser Herr, der offensichtlich in Begleitung von Agnes Gieseler gekommen war, eine allgemein bekannte, in Köln lebende Sopranistin aus den 60ern, verschwunden, was den Eindruck hinterließ, das die Szene nur gestellt gewesen wäre. Eine weitere Aktion, die auch nach geraumer Zeit folgte, stellte sich jedoch etwas anders dar. Der Herr war während dessen wieder auf seinem Platz zurückgekehrt, als er plötzlich zwischen zwei Stücken die Musiker auf der Bühne aufforderte:
“Macht doch mal die Mikrofone aus! Ich habe vorgestern noch die Matthäus-Passion gesungen und das ging auch ohne Mikrofone, also wirklich, das muss doch nicht sein.“
„Herr Albert!“, schritt die alte Grand Dame der Oper, eine Reihe vor ihm sitzend ein, „nun ist aber Schluss!“
„Das ist der Georg da vorne“ skandierte Herr Albert erneut und plötzlich stand der Theaterbesitzer neben Herrn Albert und bat ihn höflich, aber bestimmt und bestimmt mit sehr viel Kraft, schließlich das Theater doch zu verlassen, um den weiteren Vortrag nicht zu stören. Herr Albert ist nur knapp einer Verletzung entgangen, weil er im Schwunge der Aktion in Stolpern geraten war und wie sich herausstellte, ist Herr Albert nicht nur der Begleiter von Frau Gieseler, sondern auch dem Alkohol nicht abgeneigt, was an diesem Abend für ihn leider kein gutes Ende genommen hatte.
Mir jedoch hatte die Vorstellung wieder eine Vorstellung davon gegeben, wie Musik sein könnte, wenn man wieder zuhören würde.

© Kariologiker

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